Not macht erfinderisch, sagt der Volksmund. Und die Spielcasinos in Deutschland befinden sich durch monatelange Schließungen zum großen Teil in einer enormen wirtschaftlichen Not. Während das Glücksspiel in Online Casinos Bereichen boomt, schauen viele stationäre Traditionshäuser in die Röhre. So auch die Spielbank Baden-Baden, eines der schönsten und renommiertesten Häuser in ganz Deutschland. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen werden nun Überlegungen laut, das Angebot um eine virtuelle Komponente zu erweitern, indem die klassischen Spiele auch online angeboten werden und darüber hinaus noch weitere Games, die speziell für den Online Markt entwickelt wurden.

Baden-Baden prüft Betrieb eines Online Casinos

Online Casino Baden

Möglich machen soll dies alles der neue Glücksspielstaatsvertrag, dem die baden-württembergische Landesregierung erst im Februar zugestimmt hat. Wenn 13 der 16 Länder diesen ratifizieren, dann steht einem Inkrafttreten im Sommer diesen Jahres nichts mehr im Weg. Und dann wird es auch möglich sein, legales Glücksspiel im Internet anzubieten. Die Baden-Württembergische Spielbanken GmbH, Betreiberin des Spielcasinos Baden-Baden, reagiert nun auf diesen Umstand und versucht ein Teil der neuen legalen Online Gemeinde zu werden. Sie sieht es als ihren Auftrag an, das Spiel zu kanalisieren und Glücksspiel nachfragegerecht anzubieten, sowohl analog als auch digital. Thomas Schindler, Direktor des Spielcasinos äußert sich dazu folgendermaßen: „Wir gehen davon aus, dass unsere Kompetenz in die digitale Welt reicht, damit auch online das Spiel geregelt verläuft – wie gefordert“. Weiter führt er aus, dass sich das Online Spiel komplementär zum stationären Glücksspiel positionieren könne und sagt: „Im Hybrid-Modell einer konzessionierten Spielbank könnte ein Spielformat das andere antreiben“. Dabei sieht er in dem neuen Staatsvertrag eine Chance, der unübersehbaren digitalen Transformation im Glücksspiel Rechnung zu tragen und dieses zu regulieren. Laut seiner Meinung haben die Spielbanken den öffentlichen Auftrag legales Glücksspiel anzubieten. Illegales Glücksspiel unterminiert diesen Auftrag und schädigt letztendlich alle. Dabei ist dem Direktor schon bewusst, dass er online auf starke Mitbewerber treffen wird. Aber, so sagt er: „Aber: Das Spiel im Casino findet nicht in 17 Zoll statt“ und meint letztendlich damit, dass ein Besuch in einem stationären Casino immer noch besondere Reize liefern würde und die Nutzer das Live-Erlebnis weiterhin zu schätzen wüssten.

Besonders, wenn die Spielstätten, dann wieder irgendwann geöffnet werden. Sein Haus sieht er besonders gut aufgestellt und verweist auf den Mix von Klassik und Moderne. „Der Mix aus Klassik und Klasse hat sich bewährt“, betont der Direktor. „Das ist social casino, mit anderen in Gemeinschaft. Das klappt beim Online-Zocken nicht.“ Er sieht im stationären Betrieb deutliche Vorteile. Zum einen nehmen die Betreiber den Spieler- und Jugendschutz sehr ernst und würden dementsprechend auch nur Fachpersonal einsetzen, auf der anderen Seite würde der besondere Flair des Casinos zu einem Wohlfühlmoment bei den Besuchern sorgen. Zudem kann der stationäre Betrieb mit einem Angebot punkten, das Online nicht zu finden ist, nämlich mit einem Unterhaltungs- bzw. Entertainmentprogramm. Denn den Besuchern geht es nicht nur um das reine Zocken, sondern sie wollen ein Gesamtpaket erhalten, mit einem gepflegten Restaurantbesuch, einem Drink an der Bar oder einem vielfältigen Unterhaltungsprogramm wie Lesungen, Shows oder Konzerte. „Wir merken, dass wir mit dem Entertainment auf das richtige Pferd gesetzt haben“, so Schindler. So fiebert er auch der Wiedereröffnung der Spielstätte entgegen, die natürlich unter anderen Vorzeichen stattfinden wird. Der Besucherstrom wird begrenzt sein und vielfältige Kontrollen werden die Besucherinnen und  Besucher schützen. Dazu gehört auch der Einsatz moderner Elektronik, wie der einer Warte-App, die anzeigt, wie lange der Besucher auf seinen Einlass warten muss.

Spielbank Baden-Baden: Gut aufgestellt für die Zukunft

Zwar sieht man sich für die Zukunft auch im klassischen Bereich gut aufgestellt, aber wie die Zukunft dann letztendlich aussehen wird, ist noch ungewiss. Zurzeit befinden sich die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Noch liegt keine Gesamtbilanz für das Jahr 2020 vor, aber allein im ersten Halbjahr hatte man ein Drittel weniger Erlöse zu verzeichnen und sah auch keine Chance dies zu kompensieren. Je länger die Schließung der Spielbank Baden-Baden anhält, desto größer werden natürlich auch die finanziellen Verbindlichkeiten. Auch für das Online Angebot werden ja erstmal Investitionen notwendig sein: In Infrastruktur, qualifizierte Mitarbeiter und Entwicklungskosten. Und noch steht ja auch nicht fest, ob man überhaupt eine Lizenz für einen Online Casino erhält. Es werden wahrscheinlich staatliche Hilfen notwendig sein, um ein Überleben zu gewährleisten. Da geht es dem Casinobetrieb nicht viel anders als vielen anderen Privatunternehmen auch. Inwieweit man das Personal noch länger beschäftigen kann, ist natürlich ebenfalls ungewiss. Bei dem Verlust des Arbeitsplatzes drohen vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine längere Arbeitslosigkeit, da sie in Bereichen arbeiten, wie z.B. der Gastronomie, die besonders stark von der Krise betroffen sind. Vielleicht kann das Online Geschäft dies irgendwie kompensieren, aber das wird erst die Zukunft zeigen.