In Sachsen-Anhalt fordert die SPD das Ende des staatlichen Buchmachers Oddset. Wie konnte es so weit kommen? Ein aktueller Skandal zeigt, dass es vergleichsweise einfach ist, das Angebot von Oddset zu missbrauchen. Die Inhaberin einer Lottoannahmestelle hat im Jahr 2017 und 2018 angeblich 300.000 Euro als Gewinn kassiert mit dubiosen Methoden. Der Fall wird aktuell untersucht, doch die SPD drängt schon vor Abschluss der Untersuchungen darauf, dass sich Sachsen-Anhalt aus dem Sportwetten-Geschäft zurückzieht. Die Inhaberin einer Lottoannahmestelle hat durch Wetten in Höhe von 3 Millionen Euro mit einem vermeintlich cleveren System einen Gewinn von 300.000 Euro erzielt. Die genauen Details sind bislang nicht öffentlich geworden, aber wahrscheinlich geht es darum, dass die Gewinnquoten verändert worden sind, um einen unredlichen Vorteil zu nutzen. Angeblich sind insgesamt vier Personen an dem Skandal beteiligt.

Handfester Skandal bei Oddset in Sachsen-Anhalt

Oddset Aufgeflogen ist die Sache durch die Firma SIZ, die darauf spezialisiert ist, Hinweise auf Geldwäsche zu finden und zu melden. Durch die ungewöhnlichen Zahlungsströme, die bei Oddset in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2017 und 2018 zu verzeichnen waren, sind die Spezialisten von SIZ aufmerksam geworden und haben sich die Sache dann näher angeschaut. Wahrscheinlich ist die Sache so gewesen, dass die Skandaltruppe um die Inhaberin der Lottoannahmestelle viele verschiedene Kundenkonten genutzt hat, um sehr hohe Beträge setzen zu können. Ein einzelner Kunde kann das bei Oddset in der Regel nicht machen. Angesichts der kriminellen Energie, die dazu nötig ist, dass Oddset-System auszutricksen, ist es erstaunlich, dass am Ende dann nur ein Gewinn von 300.000 Euro verzeichnet worden ist. Immerhin mussten sich vier Personen diesen Gewinn teilen, sodass zumindest infrage stehen dürfte, ob die ganze Aktion wirklich besonders clever war. Wenn die zuständige Staatsanwaltschaft die nötigen Beweise vor Gericht präsentieren kann, kommt es vermutlich zu Haftstrafen. Ob das Risiko dann in einem vernünftigen Verhältnis zum erzielten Gewinn stand, sollten sich alle Beteiligten am Ende fragen.

Es gibt viele Sportwetten-Experten, die Oddset seit Jahren kritisieren. Einige Bundesländer haben Oddset bereits abgeschafft. Auch in Sachsen-Anhalt könnte es dazu kommen, dass Oddset demnächst nicht mehr zur Verfügung gestellt wird. Aber damit werden die Sportwetten aller Voraussicht nach in Sachsen-Anhalt nicht Geschichte sein, denn schon jetzt gibt es zahlreiche private Sportwettenanbieter im Internet. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag soll ab Mitte 2021 zudem sichergestellt werden, dass die Online-Buchmacher mit einer ordentlichen Konzession ausgestattet werden. Spannenderweise soll die neue Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt geschaffen werden, sodass die Landesregierung zwar Oddset abschaffen kann, aber dann im nächsten Jahr mit vielen privaten Sportwettenanbietern zu tun haben wird. Schon jetzt können Sportwetten-Fans in Sachsen-Anhalt viele private Buchmacher nutzen, denn es gibt eine Übergangsregelung für Online-Buchmacher. Dadurch ist es möglich, auch jetzt schon völlig problemlos attraktive Sportwetten online abzuschließen, ganz ohne Oddset. Ohnehin gibt es kaum einen ambitionierten Sportwetten-Fan, der Oddset als Buchmacher nutzt. Das Hauptargument der Sportwetten-Fans gegen Oddset ist, dass das Angebot insgesamt deutlich weniger attraktiv ist als bei einem ganz normalen privaten Online-Buchmacher. Es ist deswegen erstaunlich, dass Oddset überhaupt noch existiert. Letztlich funktioniert dieses Angebot nur, weil es nach wie vor viele Lottospieler gibt, die bei der Abgabe ihres Lottoscheins darauf hingewiesen werden, dass Oddset verfügbar ist und Sportwetten möglich sind.

SPD gegen Oddset und Sportwetten

Die SPD in Sachsen-Anhalt hat eine klare Position zu Oddset. Nicht erst seit dem aktuellen Skandal spricht sich die SPD dafür aus, Oddset komplett abzuwickeln in Sachsen-Anhalt und keine Sportwetten über Lottoannahmestellen mehr zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist die SPD in Sachsen-Anhalt aber auch gegen private Sportwetten. Diesen Kampf hat die SPD aber schon lange verloren, denn auch wenn es erst ab Mitte 2021 eine offizielle Regulierung für Sportwetten in Deutschland geben wird, sind doch schon seit vielen Jahren zahlreiche Online-Buchmacher in Deutschland verfügbar. Im Graubereich hat sich ein riesiger Markt entwickelt, der von vielen Sportwetten-Fans in Deutschland rege genutzt wird. Zudem profitieren auch zahlreiche Sportvereine davon, dass es eine finanzstarke Buchmacher-Branche gibt. Es gibt kaum noch einen Bundesliga-Club ohne Sponsor aus der Sportwetten-Welt. Schon daran wird deutlich, wie groß der Markt mittlerweile ist. Die SPD möchte am liebsten Sportwetten komplett verbieten und auch alle privaten Online-Buchmacher abschaffen. Wie das in der Praxis funktionieren soll, weiß aber auch in der SPD niemand so ganz genau. Wenn es um das Thema geht, sprechen SPD-Politiker gerne von Financial Blocking und Internetsperren. Beide Methoden sind jedoch rechtlich bedenklich und in der Praxis nur schwer umsetzbar. Deswegen befürworten viele Glücksspiel-Experten eine sinnvolle Regulierung, damit der ohnehin vorhandene Markt vernünftig kanalisiert wird. Schon seit vielen Jahren schaut Deutschland dabei zu, wie sich im Internet ein riesiger Sportwetten-Markt entwickelt, ohne auch nur den geringsten Einfluss auf diesen Markt zu haben.

Da die Details zum aktuellen Fall in Sachsen-Anhalt nicht klar sind, ist schwer zu sagen, ob es ein prinzipielles Problem bei Oddset gibt, oder ob im konkreten Fall Versäumnisse stattgefunden haben. Die CDU in Sachsen-Anhalt, die sich für eine Öffnung des Sportwetten-Marktes für private Anbieter ausspricht, geht davon aus, dass es sich um ein Kontrollproblem bei Lotto Sachsen-Anhalt handelt. Wenn eine vernünftige Kontrolle von Oddset stattgefunden hätte, hätte der Skandal nie entstehen können. Ob das wirklich stimmt, kann erst am Ende der juristischen Aufarbeitung beurteilt werden. Aber es gibt zumindest keinen prinzipiellen Grund, warum ein staatlicher Wettanbieter nicht auch seriös und korrekt arbeiten könnte. Die Sportwetten-Branche hat in den letzten Jahren viel Aufwand betrieben, um faire und saubere Sportwetten anbieten zu können. Unter anderem gibt es diverse Dienstleister, die den weltweiten Sportwetten-Markt untersuchen, um frühzeitig Manipulationen und ähnliche Probleme aufzudecken. Insgesamt funktioniert der Sportwetten-Markt in Europa seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Die großen Online-Buchmacher in Deutschland sind mittelständische Firmen, die mit viel Aufwand täglich daran arbeiten, erstklassige Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich ist es mittlerweile so, dass der private Sportwetten-Markt nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich der Seriosität auf einem deutlich höheren Level ist als der staatliche Buchmacher Oddset. Das hören die staatlichen Kontrolleure der Sportwetten natürlich nicht gerne, aber Fakten sind Fakten.

Staatliche Sportwetten sind nicht attraktiv

Das Hauptargument gegen Oddset ist seit vielen Jahren, dass das Sportwetten-Portfolio nicht attraktiv sei. Oddset ist an enge rechtliche Vorgaben gebunden und kann deswegen längst nicht so interessante Sportwetten anbieten wie ein ganz normaler Buchmacher im Internet. Bei Sportwetten gibt es in Deutschland seit vielen Jahren eine sehr seltsame Politik, ähnlich wie bei den Online Casinos. Aber bei den Sportwetten ist die Sache vielleicht noch ein bisschen absurder. In vielen Bundesländern ist es zum Beispiel möglich, landbasierte Wettbüros zu eröffnen. Auch die Online-Buchmacher werden seit vielen Jahren geduldet. Ein bemerkenswertes Detail: Seit 2012 gibt es in Deutschland eine Wettsteuer, die alle Buchmacher, die in Deutschland online und offline Wetten anbieten, bezahlen müssen. Zugleich gibt es aber überhaupt keine Lizenzen für Online-Buchmacher. An dieser absurden Konstruktion lässt sich erkennen, dass sich keine einheitliche Linie in der Politik herausgebildet hat bezüglich der Sportwetten. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag soll sich nun alles ändern, auch in Sachsen-Anhalt. Doch die aktuelle Diskussion um den Oddset-Skandal zeigt, dass am Ende vielleicht der Glücksspielstaatsvertrag überhaupt nicht verabschiedet wird. Dann wäre der mühsam erzielte Kompromiss zur Regulierung von Sportwetten und Casino-Spielen im Internet gescheitert. Was muss passieren, damit dieser Kompromiss am Ende scheitert? Wenn mindestens vier der 16 Bundesländer in Deutschland den Glücksspielstaatsvertrag nicht ratifizieren, tritt der Glücksspielstaatsvertrag nicht in Kraft und es wird keine Regulierung für Sportwetten und Casino-Spiele im Netz ab Mitte 2021 geben.

Die SPD ist an vielen Landesregierungen beteiligt und hat deswegen Einfluss darauf, wie zahlreiche Landesregierungen beim Glücksspielstaatsvertrag entscheiden. Auf der einen Seite haben die Bundesländer den Kompromiss ausgehandelt, auf der anderen Seite gibt es aber im Moment Störfeuer aus Niedersachsen, Hamburg und anderen Ländern gegen den ausgehandelten Kompromiss. Die SPD könnte den neuen Glücksspielstaatsvertrag wahrscheinlich scheitern lassen. Allerdings muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass die SPD sich in den letzten Jahrzehnten den Ruf erarbeitet hat, im Vorfeld massiv zu protestieren, um am Ende dann doch jeden Kompromiss mitzutragen. Es ist somit keineswegs ausgeschlossen, dass die SPD am Ende in allen Bundesländern unter Protest den Glücksspielstaatsvertrag ratifiziert. Ob das für die Glücksspielbranche insgesamt eine gute Entscheidung wäre, sei dahingestellt. Der neue Glücksspielstaatsvertrag enthält eine sehr strikte Regulierung, die eigentlich der SPD gefallen müsste. Doch viele Glücksspiel-Experten befürchten, dass die neue Regulierung dazu führen könnte, dass viele Anbieter sich auf den dann neu entstehenden Schwarzmarkt begeben. Letztlich würde das wiederum dazu führen, dass der Spielerschutz insgesamt schlechter würde. Aber bevor es dazu kommt, muss sich die SPD nicht nur in Sachsen-Anhalt entscheiden, ob die Opposition gegen Sportwetten und andere Glücksspielangebote handfeste Konsequenzen haben wird.