In Spanien wird es demnächst wahrscheinlich keine Trikotwerbung für Buchmacher und Online Casinos mehr geben. Die spanische Regierung hat einen Entwurf für eine neue Regulierung der Glücksspielwerbung bei der Europäischen Kommission eingereicht. Nicht nur die Trikotwerbung soll demnächst nicht mehr möglich sein. Auch Werbung für Bonusangebote soll verboten werden. Die Glücksspielwerbung wird in Spanien demnächst wahrscheinlich deutlich eingeschränkt. Noch muss die Europäische Kommission den Vorschlägen der spanischen Regierung zustimmen. Aber es spricht einiges dafür, dass Spanien demnächst eine sehr strenge Regulierung der Glücksspielwerbung vornehmen wird. Besonders einschneidend wird die neue Regulierung für den Sport sein, denn in Zukunft dürfen Sportwettenanbieter und andere Glücksspielfirmen keine Trikotwerbung mehr betreiben.

Spanien greift durch bei Glücksspielwerbung

Spanien FußballZudem sollen auch die Werbemaßnahmen für spezielle Bonusangebote verboten werden. Wahrscheinlich wird es noch möglich sein, Sponsorendeals mit Buchmachern und anderen Glücksspielanbietern abzuschließen. Aber die Sponsoren aus der Glücksspielbranche werden deutlich weniger Möglichkeiten haben, sich im Umfeld des Sports zu präsentieren. Für viele spanische Fußballclubs ist die neue Regulierung ein Problem, denn auch in Spanien hat fast jeder Verein mittlerweile einen Buchmacher auf der Sponsorenliste. Die Trikotwerbung ist traditionell eine sehr lukrative Möglichkeit für Sponsorendeals. Aber in Zukunft müssen sich die spanischen Clubs in anderen Branchen umschauen. Noch ist nicht klar, ab wann die neue Regulierung in Kraft treten wird, da das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Aber es ist möglich, dass schon ab der nächsten Saison neue Regeln für Real Madrid, den FC Barcelona und all die anderen großen spanischen Clubs gelten werden.

Auch die Werbung im Fernsehen und im Radio soll eingeschränkt werden. Glücksspielanbieter dürfen in Zukunft nur noch von 1:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens Werbung im Fernsehen und im Radio schalten. Dadurch wird die Reichweite der Werbung deutlich beschränkt. Vor allem die Fernsehsender, die Sport übertragen, dürften sich über diese neue Regulierung ärgern, denn auch in Spanien war es in den letzten Jahren üblich, dass Buchmacher im Umfeld von Fußballübertragungen und anderen Sportübertragungen Werbeblöcke hatten. Es ist kein Zufall, dass die Sportwettenanbieter gerade in diesem Umfeld gerne Werbung schalten. Es dürfte nicht ganz einfach sein, adäquaten Ersatz für die Sportwetten-Branche bei Sportübertragungen zu finden. Es gibt nur wenige andere Branchen, die derart angewiesen sind auf ein Sportumfeld bei der Werbung. Aber eines ist auch sicher: Der spanische Sport wird nicht untergehen, nur weil die Werbung für Sportwetten und Glücksspiele eingeschränkt wird. Ohnehin ist bemerkenswert, dass Spanien keine zusätzliche Regulierung für Werbung im Internet zu planen scheint. Die Online-Werbung dürfte für viele Buchmacher und Glücksspielanbieter aber mittlerweile fast noch wichtiger sein als Werbung im Fernsehen und im Radio. Auch in Spanien sind die Sportwetten-Fans und Casino-Fans längst online unterwegs. Deswegen gibt es viele Glücksspiel-Experten, die in Zweifel stellen, ob eine scharfe Regulierung der klassischen Werbung überhaupt den gewünschten Erfolg hinsichtlich des Spielerschutzes haben kann.

Temporäre Regulierung wird dauerhaft

In Spanien passiert gerade etwas, was in vielen anderen Ländern auch zu befürchten ist. Spanien hat während der aktuellen Gesundheitskrise neue Regeln für die Glücksspielwerbung temporär beschlossen. Mit dem Hinweis auf den Spielerschutz war es vergleichsweise einfach, schnell und unkompliziert in der Krise neue Maßnahmen umzusetzen. Nun hat die spanische Regierung sich dazu entschlossen, die wesentlichen temporären Maßnahmen in dauerhafte Maßnahmen umzuwandeln. Die vielen Glücksspielanbieter, die bei den temporären Maßnahmen freiwillig kooperiert haben, dürften sich ein bisschen auf den Arm genommen fühlen. Spanien plant schon länger eine Verschärfung der Werberegeln für Sportwetten und Glücksspiele. Aber durch die aktuelle Situation gibt es eine Möglichkeit, ohne lange Diskussionen neue Gesetze zu schaffen. Ob die Glücksspielbranche in Spanien dadurch besser reguliert sein wird in Zukunft, lässt sich zumindest bezweifeln. Es ist nicht ganz einfach nachvollziehbar, warum die Werbung auf Fußballtrikots ein großes Problem sein soll. Wenn ein Produkt legal und zugleich auch noch populär ist, gibt es überhaupt keinen Anlass zu glauben, dass der Verzicht auf ein bisschen Werbung dazu führen würde, dass deswegen weniger Menschen das Produkt nutzen werden. Das gilt für Sportwetten genauso wie für Casino-Spieler. Aber wenn es um Glücksspiel-Regulierung geht, ist immer auch Symbolpolitik im Spiel. Viele Politiker schmücken sich gerne mit einer strengen Glücksspiel-Regulierung und kümmern sich am Ende nicht besonders darum, ob diese Regulierung irgendeinen messbaren Erfolg hat.

Glücksspiele und Sportwetten werden nach wie vor von vielen Politikern negativ bewertet. Dabei lässt sich nicht nur in Spanien feststellen, dass es eine riesige Nachfrage. Die Aufgabe des Gesetzgebers sollte gerade bei Glücksspielen und Sportwetten darin bestehen, eine vernünftige Kanalisierung herzustellen. Was bedeutet das ganz konkret? Auch in Spanien sollte der Gesetzgeber vor allem ein Interesse daran haben, dass die Sportwetten- und Glücksspiel-Fans bei legalen Anbietern spielen. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht vernünftig aus, Glücksspielwerbung einzuschränken. Aber was ist das Ergebnis? Online gibt es viele Anbieter, die nicht von Spanien reguliert werden und nach Lust und Laune Werbung im Internet schalten können. Wenn die legalen Anbieter, die Kunden fair und gerecht behandeln, keine Werbung schalten können oder nur begrenzt Werbung machen dürfen, führt das immer auch dazu, dass die Anbieter, die sich der Regulierung nicht unterwerfen, einen Vorteil haben. Dieses Detail wird gerne unterschlagen, denn Politiker erwecken bei der Glücksspiel-Regulierung oft den Eindruck, als sei es möglich, den gesamten Markt nach Lust und Laune zu kontrollieren. Das ist aber allenfalls in China möglich. Doch ohne eine sehr strikte Beschränkung des Internets ist es weder in Spanien noch in Deutschland machbar, Glücksspielanbieter effektiv zu kontrollieren, die sich nicht an die geltenden Gesetze handeln. Das beste Mittel gegen den Glücksspiel-Schwarzmarkt ist ein attraktiver legaler Glücksspielmarkt. Spanien ist in diesem Punkt zumindest ein Stück weiter als Deutschland, denn immerhin gibt es in Spanien eine Regulierung für Online Casinos und Online-Sportwetten. Deutschland wartet immer noch darauf, dass die Online-Glücksspiele vollumfänglich reguliert werden.

Beschränkung von Glücksspielwerbung auch in Deutschland?

Mit Spannung schauen die deutschen Glücksspiel-Fans auf die anstehende neue Regulierung. Wenn alles glatt läuft, gibt es ab Mitte 2021 einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, der auch die Online Casinos und die Online-Buchmacher zum ersten Mal überhaupt erfasst. Natürlich haben sich die Vertreter der Bundesländer, die für den Glücksspielstaatsvertrag zuständig sind, auch über die Glücksspielwerbung Gedanken gemacht. In Deutschland wird es von Anfang an eine strenge Beschränkung der Werbung im Fernsehen geben. In Zukunft soll es nur noch von 21:00 Uhr bis 6:00 Uhr morgens möglich sein, Werbung für Sportwetten und Glücksspiele zu präsentieren. Genauso wie in Spanien dürfte das auch in Deutschland für Probleme bei den Fernsehsendern sorgen. Bei den Live-Übertragungen der Bundesliga hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, dass Werbung für Sportwetten gemacht wird. Nach den Vorgaben des neuen Glücksspielstaatsvertrags wird das ab 1. Juli 2021 nur noch am späten Abend möglich sein. Dieses Thema ist vor allem für die Fernsehsender interessant, die sich überlegen müssen, wie sie den Ausfall auf der Einnahmenseite kompensieren können. Sportwettenanbieter profitieren erheblich davon, im direkten Umfeld von Live-Übertragungen von Fußballspielen Werbung zu machen. Ob es andere Branchen in Deutschland gibt, die ähnlich viel bezahlen werden wie die Buchmacher, bleibt abzuwarten.

Für die Betreiber der Online Casinos wird sich wahrscheinlich nicht viel ändern. Auch jetzt findet die meiste Werbung für Casino-Spiele abends und nachts statt, sodass die Beschränkung vor allem für die Wettanbieter relevant sein dürfte. Die neue Glücksspiel-Regulierung in Deutschland ist zwar schon verhandelt worden, aber es fehlt noch die Ratifizierung aller Bundesländer. Zudem muss auch die EU-Kommission noch zustimmen. Hinsichtlich der EU-Kommission gibt es wahrscheinlich kein Problem. Aber ob alle Bundesländer am Ende den Glücksspielstaatsvertrag ratifizieren werden, ist derzeit noch offen. Es kann somit noch passieren, dass der Glücksspielstaatsvertrag und damit auch die Beschränkung der Glücksspielwerbung am Ende gar nicht beschlossen werden. Eventuell wird es auch in einzelnen Bundesländern, die am Ende vielleicht gegen den Glücksspielstaatsvertrag stimmen, individuelle Regeln geben, die abweichen von den Regeln im Glücksspielstaatsvertrag. Aktuell verhandeln die Bundesländer über eine Übergangsregelung für Online Casinos. Für die Sportwettenanbieter gibt es bereits eine Übergangsregelung. Im Kern geht es bei beiden Übergangsregelung darum, den aktuellen Zustand mehr oder weniger unbeschränkt zu tolerieren bis Mitte 2021. Aber vielleicht wird es auch für die Online Casinos in der Übergangsregelung eine etwas schärfere Beschränkung der Werbemöglichkeiten geben. Denkbar ist vieles, insbesondere wenn es um die Glücksspiel-Regulierung in Deutschland geht.