Die University Carlos III (UC3M) in Madrid hat eine neue Studie veröffentlicht, laut der nur 0,3 Prozent aller Spieler in Spanien ein Problem haben oder bekommen. Das ist ein sehr niedriger Wert, der vielem widerspricht, was in politischen Debatten zur Legalisierung von Online-Glücksspiel behauptet wird.

Neue Studie wichtig für besseren Spielerschutz

Spielbank OnlineVerfolgt man öffentliche Debatten zum Thema Online-Glücksspiel, könnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass ein großer Teil der Spieler in Schwierigkeiten gerät. Doch die Realität ist anders. Das zeigt eine neue Studie der University Carlos III in Madrid. Der Soziologie-Professor José Antonio Gómez Yáñez hat mit seinem Team in einer ausführlichen wissenschaftlichen Arbeit untersucht, welche Rolle das Glücksspiel in Spanien spielt und wie die Auswirkungen des Glücksspiels sind. Die erstaunlichste Erkenntnis dabei ist vielleicht für viele neutrale Beobachter, dass der Anteil der Problemspieler sehr niedrig ist. Nach der neuen Studie bilden gerade einmal 0,3 Prozent aller Glücksspiel-Kunden problematisches Verhalten aus. Das ist ein sehr niedriger Wert, der vielleicht dazu beitragen kann, die Maßnahmen zum Spielerschutz zu überdenken. Nicht nur in Spanien gibt es die Tendenz, Spielerschutz so umzusetzen, dass alle Kunden betroffen sind. Doch vielleicht ist das genau der falsche Ansatz. Vielleicht wäre es viel besser, ganz gezielt den kleinen Prozentsatz, der wirklich in Probleme gerät, besser zu identifizieren und zu unterstützen. Derartige Ansätze gibt es bereits in vielen Online-Spielbanken. Aber letztlich ist es die Politik, die darüber entscheidet, wie der Spielerschutz umgesetzt wird. Am Ende sollte es jedoch immer darum gehen, den betroffenen Spielern möglichst gut zu helfen. Die aktuelle Studie kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Glücksspiel ist ein wichtiger Bestandteil der spanischen Gesellschaft. Auch wenn Spanien einige Eigenheiten hat, die nicht ohne weiteres auf andere Länder zu übertragen sind, dürfte die grundsätzliche Diagnose doch auch für Deutschland und die meisten anderen Länder gelten: Es gibt ein großes Bedürfnis nach Glücksspiel. In Spanien sind die großen Lotterien beispielsweise sehr beliebt. Auch in Deutschland ist Lotto das wichtigste Glücksspiel. Aber auch die Spielbanken und die Online-Spielbanken sind gefragt. Das wird unter anderem daran deutlich, dass in Deutschland nun auch die Online-Spielbanken reguliert werden. Auch in Deutschland hat der Gesetzgeber Regeln beschlossen, die alle Kunden betreffen, unter anderem strenge Einzahlung- und Einsatzlimits. Es wird sich relativ schnell zeigen, ob es damit möglich ist, den Spielerschutz zu verbessern. Bedauerlicherweise fehlen die großen wissenschaftlichen Studien in Deutschland, um das Problem Spielerschutz pragmatischer anzugehen. Angesichts der großen Nachfrage nach Glücksspiel wäre es wichtig, ganz gezielt vorzugehen, um die Schwierigkeiten, die einzelne Spieler haben, besser bearbeiten zu können. Doch genauso wie in Spanien gibt es auch in Deutschland viele Glücksspielgegner, die alles dafür tun, um das Glücksspielangebot möglichst stark einzuschränken. Doch beim Online-Glücksspiel ist das schwierig bis unmöglich.

Individueller Spielerschutz als Königsweg?

Wie kann individueller Spielerschutz in einer Online-Spielbank aussehen? Das ist eine schwierige Frage, denn eine Online-Spielbank unterscheidet sich erheblich von einer klassischen Spielbank aus Stahl und Beton. Ein einfaches Beispiel: Am Eingang einer Spielbank ist es sehr leicht möglich, durch eine Personenkontrolle dafür zu sorgen, dass gesperrte Spieler keinen Einlass erhalten. Online ist die Kontrolle der Besucher deutlich schwieriger, insbesondere wenn es keine zuverlässigen Sperrlisten gibt. Auch das Verhalten der Spieler lässt sich in einer klassischen Spielbank sehr viel leichter kontrollieren, da alles transparent und offen sichtbar ist. In einer Online-Spielbank findet hingegen alles im digitalen Raum statt. Der Betreiber kann allenfalls durch Software und statistische Auswertungen ermitteln, welche Spieler Schwierigkeiten bekommen. Allerdings ist es nicht ganz einfach zu erkennen, wann ein Spieler Schwierigkeiten hat, denn das gesamte psychologische Element ist nur sehr schwer zu erfassen. In einer Beton-Spielbank ist es hingegen möglich, mit ein wenig Menschenkenntnis zuverlässig Spieler zu erkennen, der gerade in Schwierigkeiten ist.

Es ist allerdings durchaus möglich, Spieler aufzuspüren, die sich selbst in Schwierigkeiten bringen. Beispielsweise kann das Muster der Einzahlungen ein wichtiger Hinweis auf Schwierigkeiten sein. Darüber hinaus ist es zum Beispiel auch machbar, das Verhalten mit komplexen Computerprogrammen auszuwerten. Vielleicht wird es demnächst in jeder Online-Spielbank eine Künstliche Intelligenz geben, die sofort erkennt, wenn ein Spieler in die falsche Richtung unterwegs ist. Mindestens genauso wichtig wie das Erkennen problematischen Verhaltens ist die Reaktion darauf. In Großbritannien müssen die Anbieter zum Beispiel Spieler darauf hinweisen, wenn bestimmte Verhaltensweisen entdeckt werden. Das könnte ein wichtiger Aspekt bei einem individuellen Spielerschutz sein. Klar ist nicht erst seit der neuen Studie der University Carlos III, dass individueller Spielerschutz sinnvoller und wirksamer ist als die typischen Rasenmäher-Methoden, mit denen vor allem die ganz normalen Kunden eingeschränkt werden.

Hier mehr über die neue Studie der University Carlos III in Madrid lesen (auf Englisch).