Der spanische Buchmacher-Verband Jdigital hat sich öffentlich gegen das geplante Verbot von Sportwetten-Werbung ausgesprochen. Die spanische Regierung hat kürzlich bekannt gegeben, dass die Werbung für Sportwetten auf Trikots verboten werden soll. Zudem soll die Sportwetten-Werbung generell stark limitiert werden.

Verbot von Sportwetten-Werbung stark umstritten

Sportwetten Online CasinoIn Spanien dürfen ab der nächsten Saison die Fußballvereine und andere Sportvereine keine Sponsorenverträge mehr mit Buchmachern abschließen. Vergleichbare Deals mit Online Casinos gibt es aktuell nicht. Alle bestehenden Verträge müssen beendet werden. Die spanische Regierung beabsichtigt schon seit längerer Zeit, die Werbung für Sportwetten erheblich zu begrenzen. Dort bisher ist es vor allem dem spanischen Fußball immer wieder gelungen, ein Verbot zu verhindern. Doch nun sieht alles danach aus, dass in dieser Saison zum letzten Mal in Spanien Sportwettenanbieter auf Trikots der Primera Division zu sehen sein werden. Der spanische Buchmacher-Verband Jdigital sieht das angekündigte Verbot sehr kritisch. Insbesondere sei es nicht nachvollziehbar, warum ein stark regulierter Markt die wichtigste Werbeplattform nicht mehr nutzen darf. Die Argumente des Verbands sind gut. Insbesondere darauf hingewiesen, dass gerade einmal 0,3 Prozent aller spanischen Sportwetten-Fans Probleme entwickeln. Das ist ein sehr niedriger Wert, insbesondere auch im internationalen Vergleich. Zudem ist der Wert seit vielen Jahren konstant, sodass es keinen Grund gibt zu glauben, dass die Werbung für Sportwetten im Sport in irgendeiner Weise mehr Probleme schaffen würde. Das wäre auch kaum nachvollziehbar, denn den Buchmachern geht es bei der Werbung im Sport vor allem darum, die eigene Marke prominent zu platzieren.

Nicht nur in Spanien glauben viele Politiker, dass das Verbot von Sportwetten-Werbung dazu führen würde, dass die Nachfrage nach Sportwetten nach unten ginge. Das ist aber nicht der Fall, denn jeder Sportfan weiß, dass es Sportwetten gibt. Warum dann überhaupt noch Werbung machen? Die Antwort ist ganz einfach: Für die Buchmacher ist es entscheidend, dass die Sportwetten-Fans bei ihnen und nicht bei der Konkurrenz die Wetten abschließen. Deswegen investieren die Sportwettenanbieter viel Geld, um die eigene Marke prominent platzieren zu können. Aber es dürfte sehr schwer sein zu belegen, dass durch die Werbung der Sportwetten-Markt insgesamt größer wird. Es mag sein, dass es bei jungen Sportwetten-Märkten diesen Effekt gibt. Aber in Europa ist der Sportwetten-Markt im Internet mittlerweile fast zwei Jahrzehnte alt. Die Marktdurchdringung ist riesig, nicht nur in Spanien. Deswegen gibt es ohnehin kein riesiges Wachstumspotential mehr. Im Moment geht es für die Anbieter vor allem darum, den vorhandenen Markt untereinander aufzuteilen. Ein Werbeverbot wird wahrscheinlich den großen Anbietern, die jetzt schon große Marktanteile haben, zugutekommen. Es kann durchaus sein, dass aus diesem Grund das weitgehende Verbot der Sportwetten-Werbung am Ende von Gerichten in Spanien oder in der EU aufgehoben wird. Die Sportwettenanbieter haben immerhin ein Recht auf einen fairen Wettbewerb. Ein Verbot muss gut begründet sein und nicht nur der Buchmacher-Verband bezweifelt, dass die spanische Regierung eine gute Begründung hat.

Besserer Spielerschutz durch weniger Werbung?

Es gibt viele Mythen, wenn es um Spielerschutz und Jugendschutz geht. Ein Mythos ist, dass weniger Werbung automatisch dazu führt, dass es weniger Sportwetten-Fans gibt. Aber das ist nicht der entscheidende Faktor. Die entscheidende Frage ist, ob es ein Angebot für Sportwetten-Fans gibt. Das Internet macht es auch in Spanien möglich, Sportwetten bei vielen verschiedenen Anbietern mit und ohne Lizenz abzuschließen. Wenn die legalisierten Anbieter mit Lizenz in Spanien in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit haben, im großen Stil Werbung zu machen, könnte ein Effekt sein, dass die Sportwetten-Fans zunehmend die Anbieter ohne Lizenz bevorzugen. Nicht zuletzt hat die Sportwetten-Werbung auch den Effekt, dass die legalen Wettanbieter einen echten Vorteil haben. Ein Wettanbieter ohne Lizenz kann ohnehin keine Werbung für das Angebot machen. Wenn aber alle Anbieter keine oder nur sehr wenig Werbung machen können, profitieren die illegalen Buchmacher. Das kann nicht der Sinn einer verantwortungsvollen Glücksspielregulierung sein.

Auch Deutschland plant die Beschränkung der Werbung für Sportwetten. Noch ist nicht ganz klar, wie das in der Praxis aussehen wird. Aber den vergangenen Jahren hat es immer wieder einmal Diskussionen rund um das Thema Sportwetten-Werbung gegeben. Mittlerweile gibt es bereits einige Wettanbieter, die auf der Basis der neuen Glücksspielregulierung in Deutschland eine Lizenz haben. Es wäre vermutlich nicht die schlechteste Idee, diesen Anbietern auch weiterhin zu ermöglichen, Werbung für das eigene Angebot zu machen. Nicht zuletzt gibt es auch in Deutschland viele Vereine, die ohne die Einnahmen aus den Sponsorenverträgen mit Buchmachern in finanzielle Schwierigkeiten geraten würden. Die Top-Clubs der Bundesliga finden gegebenenfalls auch andere potente Sponsoren. Aber vor allem in der zweiten und dritten Liga dürfte es schwer sein, Alternativen zu Sponsorenverträgen mit Buchmachern zu finden. Das Thema ist komplex und es bleibt zu hoffen, dass die Regelung für die Sportwetten-Werbung in Deutschland etwas moderater ausfallen wird als in Spanien.

Hier mehr über den Protest gegen das Verbot von Sportwetten-Werbung des Buchmacher-Verbands Jdigital in Spanien lesen (auf Englisch).