Kommt eine Slots-Steuer in Deutschland? Aktuell gibt es eine große Diskussion um die Einführung einer Spielautmaten-Steuer. Die Bundesländer, die für die Glücksspielregulierung zuständig sind, planen eine Steuer in Höhe von 8 Prozent auf die Umsätze, die mit Spielautomaten online erzielt werden. Eine derartige Steuer könnte zu riesigen Problemen führen. Grundsätzlich sollte es niemanden überraschen, dass die deutschen Bundesländer auf die Idee gekommen sind, Glücksspiele im Internet zu besteuern. Nachdem durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag die Regulierung des Online-Glücksspiels zum ersten Mal möglich ist, geht es nun ums Geld. Doch der aktuelle Vorschlag, acht Prozent von jedem Slot-Umsatz als Steuer zu kassieren, sorgt für Empörung. Die Rechnung ist ganz einfach: Die meisten Spielautomaten haben Auszahlungsquoten von über 95 Prozent. Wenn die Anbieter dann von den Umsätzen acht Prozent in Form von Steuern abgeben müssten, bleibt am Ende nichts übrig. Wahrscheinlich müssten die Anbieter sogar draufzahlen, um die Automaten Online-Glücksspiele überhaupt anbieten zu können.

Spielautomaten Steuer problematisch für Geschäftsmodell

Wettsteuer

Es gibt einen Ausweg: Die Auszahlungsquoten der Slots müssten gesenkt werden. Das ist jedoch ein schwieriger Ansatz. Zum einen wäre es ein riesiger technischer Aufwand, wenn alle Spielehersteller nur für Deutschland die Auszahlungsquote verändern müssten. Zum anderen würden die Spiele dadurch deutlich unattraktiver für die Glücksspiel-Fans. Dadurch entstünde ein neuer Anreiz, Anbieter auf dem Schwarzmarkt zu bevorzugen.

Der Deutscher Online Casinoverband (DOCV) und der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Wirkung einer derartigen Steuer zu untersuchen. Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Justus Haucap kommt in diesem Gutachten zu der Einschätzung, dass die Slots-Steuer in der geplanten Form den Erfolg des regulierten Marktes erheblich gefährden würde. Zusammen mit anderen Vorgaben, die durch die neue Glücksspielregulierung in den Markt kommen, zum Beispiel niedrige Einzahlungslimits und niedrige Einsatzlimits, könnte die Slots-Steuer dazu führen, dass der deutsche Glücksspielmarkt im Internet von Anfang an schlechte Chancen hätte. Die Besteuerung direkt an der Quelle sieht zwar gut aus für einen Laien. Aber Kenner der Materie sehen sofort, dass ein riesiges Problem entsteht. Wenn die Spiele durch die Slots-Steuer unattraktiver werden, hilft das niemandem. Die Glücksspiel-Fans in Deutschland werden auch in Zukunft die Möglichkeit haben, alternative Anbieter auf dem Schwarzmarkt zu finden. Es ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland es schafft, den Schwarzmarkt komplett zu schließen. Jedenfalls wäre das eine große Überraschung, denn bislang ist dies in keinem Land der Europäischen Union auch nur ansatzweise gelungen. Warum also unbedingt eine Slots-Steuer einführen, die am Ende nur neue Probleme schafft? Vielleicht haben sich die Vertreter der Bundesländer von der Sportwetten-Steuer inspirieren lassen.

Wettsteuer als Vorbild für Slots-Steuer?

Die Besteuerung an der Quelle ist in manchen Bereichen sinnvoll, zum Beispiel wenn es um Zinserträge geht. Aber bei Glücksspielen und Sportwetten gäbe es mit Sicherheit bessere Möglichkeiten, Steuern zu kassieren. Die Buchmacher, die in Deutschland aktiv sind, seit kurzer Zeit zum Teil auch mit deutscher Lizenz, müssen auf alle Einsätze eine Wettsteuer von fünf Prozent bezahlen. Diese Wettsteuer hat den Sportwetten-Markt nicht dramatisch verändert. Aber findige Sportwetten-Fans achten schon seit vielen Jahren darauf, Wetten bei Buchmachern abzuschließen, die keine Gebühr berechnen, um die Wettsteuer bezahlen. Eine Gebühr für die Wettsteuer? Es hat sich etabliert, dass Sportwettenanbieter in Deutschland mit wenigen Ausnahmen eine Gebühr abziehen, in der Regel vom Gewinn, um die Wettsteuer zu bezahlen. Bei den Sportwetten gilt: Die Auszahlungsquote ist so hoch, dass die Buchmacher es sich nicht leisten können, die Wettsteuer aus dem Unternehmensgewinn zu bezahlen. Deswegen müssen die deutschen Sportwetten-Fans eine besondere Gebühr bezahlen. Eine wichtige Ausnahme: Tipico wirbt seit Jahren mit gebührenfreien Sportwetten. Bei einer Einführung einer Slots-Steuer könnte es auch dazu kommen, dass die Kunden zur Kasse gebeten werden. Die einzige Alternative wäre, die Auszahlungsquote der Slots zu reduzieren. Doch das würde die Spiele unattraktiver machen.

Dr. Justus Haucap schlägt in seinem Gutachten die Besteuerung des Gewinns vor. Das wäre ein sinnvoller Ansatz, denn dann würde am Ende abgerechnet. Die Glücksspielanbieter müssten im Detail dokumentieren, wie hoch die Gewinne in Deutschland sind. Der Staat könnte dann zum Beispiel 20 Prozent vom Gewinn kassieren. Unter dem Strich würden dann immer noch attraktive Steuereinnahmen stehen. Aber die Kanalisierung des Marktes würde nicht durch eine problematische Slots-Steuer gefährdet. Was ist mit Kanalisierung genau gemeint? Wenn zu viele Glücksspiel-Fans sich für den Schwarzmarkt entscheiden, weil die Slots durch eine besondere Steuer unattraktiv sind, würde ein erheblicher Teil des Umsatzes im illegalen Bereich stattfinden. Eine gute Kanalisierung bedeutet, dass die Spieler größtenteils auf dem legalen Markt unterwegs sind. Das ist auch hinsichtlich des Spielerschutzes eines der wichtigsten Ziele jeder guten Glücksspielregulierung. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Vertreter der Bundesländer, die über die Slots-Steuer entscheiden müssen, den guten Argumenten der Glücksspielbranche und der Wissenschaftler nicht verschließen. Ansonsten könnte die Glücksspielregulierung in Deutschland sehr schnell durch eine schlechte Kanalisierung scheitern.