Im November letzten Jahres übernahm der Wirtschaftsinformatiker und Glücksspiel-Experte Michael Böni die Geschäftsführung des Grand Casino Baden sowie der Stadtcasino Baden Gruppe. Er folgte Detlef Brose, der das Unternehmen knapp 20 Jahre lang erfolgreich geführt hatte. In einem Interview mit schweizeraktien.net äußerte er sich nun über seinen komplizierten Start als CEO in der aktuellen Krise, seine Pläne und Strategien, die er insbesondere mit den Online Casinos casino777.ch und jackpots.ch verfolgt und sprach über weitere mögliche Expansionen.   

Michael Böni – CEO der Stadtcasino Baden AG im Gespräch

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Sein Start war alles andere als rosig. Unmittelbar nachdem er seinen Posten als CEO bei der Stadtcasino Baden Gruppe angetreten hatte, war er schon gezwungen, die beiden landbasierten Spielbanken in Davos und in Baden aufgrund eines erneuten Lockdowns zu schließen. Dies war nicht nur mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden, auch die Situation für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war schwer. Um in Kontakt zu bleiben wurden ab dem Zeitpunkt, ab dem Treffen in kleineren Gruppen wieder möglich waren, regelmäßig „get together“ organisiert. Diese fanden nachmittags unter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen statt und kamen bei allen Teams gut an, schildert Böni. Darüber hinaus nutzte der neue CEO die Zeit der Schließung für einige Umbaumaßnahmen: „Bereits letztes Jahr haben wir unser Restaurant komplett umgebaut und erneuert, es tritt jetzt unter der eigenen Marke PLÜ auf. In den Spielsälen haben wir die «Corrida Lounge» neu gestaltet, und mit vier Fu Lai Cai Lai Slots haben wir ein neues Multi-Level-Jackpot-System installiert. Dazu kommen die üblichen ständigen Anpassungen: Es wurden zwei neue Slots installiert, und 23 Slots haben einen neuen Standort innerhalb des Saales erhalten. Zudem sind wir dabei, einen neuen, attraktiven Jackpot aufzugleisen.“ Mit jackpots.ch ging im Sommer 2019 das erste schweizerische Online Casino durch die Unternehmensgruppe an den Start. Mit dem Ergebnis nach gut eineinhalb Jahren ist Michael Böni grundsätzlich zufrieden: „Zunächst können wir sagen, dass die Online-Casinos erfolgreich sind und über den Vorgaben liegen – wobei hier schwierig abzuschätzen ist, welchen Anteil die Corona-Situation an dieser Entwicklung hat und wieviel alleine darauf zurückzuführen ist, dass mittlerweile die Angebote bekannter sind und sich bei den Kunden etablieren konnten.“

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch. Das regulatorische Umfeld in der Schweiz ist für einige Dienstleister offenbar „ungewohnt“, sagt Böni. Dies sei auch einer der Gründe, weshalb das Unternehmen nun seinen Zahlungsanbieter wechselt. Die Umsatzeinbußen der landbasierten Spielbanken konnten die Online Casinos natürlich nicht „vollumfänglich“ auffangen, aber es konnten selbst in der Phase des Lockdowns noch immer Erträge generiert werden. „Dadurch standen wir nie in der Gefahr, Verluste zu schreiben,“ kommentiert der neue CEO die Gesamtsituation. Das Marketing stellt für ihn allerdings eine Herausforderung dar. „Beim Online Casino sind wir effektiv mit der Gratwanderung konfrontiert, dass die Politik einerseits die Erwartung hat, dass wir die Schweizer Spielerinnen und Spieler ansprechen, damit sie nicht in unregulierten ausländischen Casinos spielen, sondern bei uns, wo wir entsprechende Schutzkonzepte verfolgen. Andererseits verlangt das Gesetz, dass die Werbung nicht aufdringlich sein soll,“ schildert er und weist darauf hin, dass die Anpassungen für die landbasierten Spielbanken während der Krise dem Unternehmen noch mehr abverlangten. „ Es macht ja beispielsweise keinen Sinn, an Plakatwänden für ein Casino zu werben, das aber geschlossen ist. Gleichzeitig wollen Sie natürlich bei ihren Gästen in Erinnerung bleiben. Wir haben deshalb neue Formate geschaffen, beispielsweise mit Videos, die wir über Social-Media-Kanäle verbreiten.“

Stadtcasino Baden AG will Casino-Welten verbinden

Die Stadtcasino Baden AG hält an Gamanza, einer iGaming Plattform, einen Anteil von 50 Prozent. Die beiden Online Casinos pasino.ch und jackpots.ch sind derzeit über Gamanza online. Michael Böni bestätigt, dass die Verträge mit drei zusätzlichen Anbietern „in trockenen Tüchern“ sind und die Lancierung aktuell vorbereitet wird. Gespräche laufen zudem mit einem weiteren Betreiber. „Wichtig ist, dass wir dieses B2B-Geschäft auch im Ausland weiterverfolgen. Die Märkte in Deutschland oder den Niederlanden beispielsweise sind für uns interessant, weil dort viele klassische Casinos vor der Herausforderung stehen, ein Online-Standbein aufzubauen. Sie dabei zu unterstützen, ist eines der Geschäftsfelder, die wir vorantreiben wollen und wo wir mit der Kombination aus technischem und Casino-Know-how ein Alleinstellungsmerkmal haben.“ Die Konkurrenz durch andere Schweizer Spielbanken, die mittlerweile auch Online Casinos anbieten, macht Böni nicht nervös. Einer der Gründe hierfür sind sicherlich auch die Gespräche, die derzeit mit der ESBK über Online Poker Angebote laufen. Es sind nur noch wenige offene Punkte zu klären und dann wird das Unternehmen etwas anbieten, „... das in der Pokerszene so richtig einschlagen wird“ prophezeit er.

Mit casino777.ch und jackpots.ch ist die Stadtcasino Baden AG derzeit auf Expansionskurs und hat bereits die Strukturen angepasst, indem mit Robert Kocher und Brian Christer nun zwei operative Leiter zur Verfügung stehen, die „... die Online Casinos mit großem Elan und viel Fachwissen voranbringen. Das ist die erste Zielsetzung. Dazu kommt, dass wir laufend kleinere und größere Updates vornehmen: vor und hinter den Kulissen. Es kommen neue Spielangebote dazu; aber auch zum Beispiel in Bezug auf den Spielerschutz wollen wir laufend lernen und Verbesserungen anbringen. Stichworte sind hier Big Data und Künstliche Intelligenz. Und dann besteht ein großer Fokus auf der Integration zwischen On- und Offline und der Verbindung der beiden Casino-Welten.“