Scheitert Schweden mit dem Versuch, durch eine strenge Regulierung in Spielerschutz zu verbessern? Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Schweden bei der Glücksspielregulierung schnell nachbessern muss. Das Hauptproblem: Die aktuellen Maßnahmen zum Spielerschutz in Online Casinos greifen zu kurz.

Studie deutet Scheitern bei Glücksspielregulierung an

Casino Spielbank SchwedenDie Glücksspielregulierung für Online-Anbieter in Schweden ist noch nicht alt. Erst seit Anfang 2019 werden Online-Spielbanken und andere Online-Glücksspielanbieter in Schweden mit einer nationalen Lizenz reguliert. Doch die erste große Studie zur Wirksamkeit der neuen Regulierung zeigt, dass es erhebliche Probleme gibt. Zudem sieht es so aus, als würden die Probleme deutlich verschärft durch eine besonders strenge Regulierung, die in diesem Jahr eingeführt worden ist. Diese Regulierung sieht vor, dass pro Woche nicht mehr als 5.000 SEK eingezahlt werden dürfen bei Online-Glücksspielanbietern. Zudem gibt es ein Bonuslimit von 100 SEK. Das sind sehr niedrige Beträge, jedenfalls im internationalen Vergleich. Obwohl die aktuelle Studie zeigt, dass es in diesem Jahr durch die Krise kein zusätzliches Problem auf dem Glücksspielmarkt gegeben hat, will das zuständige schwedische Finanzministerium die strengere Regulierung bis Mitte 2021 ausdehnen. Dabei könnte genau das dazu führen, dass die Glücksspielregulierung in Schweden am Ende scheitert. Warum ist das so? Eine Glücksspielregulierung kann immer nur dann zu einem echten Erfolg werden, wenn sich die Spieler an die Regeln halten, freiwillig oder gezwungenermaßen. In Schweden deutet im Moment einiges darauf hin, dass die nationale Glücksspielregulierung für Online-Anbieter nicht gut funktioniert. Warum ist das so? Ein Blick auf einige wichtige Details in der aktuellen Studie hilft weiter. Beispielsweise geben sieben von zehn Glücksspiel-Fans in der Studie an, dass sie online spielen, obwohl sie auf der nationalen Sperrliste stehen. Warum stehen die Spieler aus der Sperrliste? In der Regel nutzen die Spieler dieses im Grundsatz durchaus sinnvolle Instrument freiwillig. Doch eine Sperrliste funktioniert in der Praxis immer nur dann, wenn alle tatsächlich verfügbaren Anbieter erfasst werden.
In Schweden ist das jedoch nicht der Fall. Es gibt neben dem regulierten Markt einen großen Schwarzmarkt, auf dem sich die schwedischen Glücksspiel-Fans zunehmend tummeln. Die Attraktivität des Schwarzmarktes ist durch die Verschärfung der Regulierung in diesem Jahr erhöht worden. Das ist ein prinzipielles Problem, denn entweder müssen die Angebote auf dem legalen Markt so interessant sein, dass der Schwarzmarkt uninteressant ist. Oder aber Schweden muss dafür sorgen, dass die schwedischen Glücksspiel-Fans keine Möglichkeit haben, die Angebot auf dem Schwarzmarkt zu nutzen. Wie könnte das funktionieren? Eine Möglichkeit wäre es, gegen Zahlungsanbieter vorzugehen, die in Schweden sehr beliebt sind. Eine ähnliche Vorgehensweise haben einige Bundesländer im letzten Jahr in Deutschland ausprobiert, nicht ganz ohne Erfolg.

Spielerschutz auf wissenschaftlicher Basis gefordert

Glücksspiel ist ein emotionales Thema, sowohl für die Glücksspiel-Fans als auch für die Glücksspielgegner. Deswegen ist es fast überall auf der Welt schwierig, eine vernünftige Glücksspielregulierung hinzubekommen, die auf einer wissenschaftlichen Basis aufgebaut ist. Dabei wäre es eigentlich leicht, wissenschaftliche Studien in einem großen Umfang zu machen, um detailliert herauszufinden, wie der Spielerschutz am besten realisiert werden kann. Ein großes Problem bei der Glücksspielregulierung in Europa ist, dass mittlerweile viele Länder den Anspruch haben, eine eigene Regulierung auf die Beine zu stellen, speziell für die Online-Glücksspielanbieter. Es wäre im Sinne des Spielerschutzes aber viel effektiver, wenn es eine einheitliche europäische Glücksspielregulierung gäbe. Dann wäre es zum Beispiel möglich, eine einheitliche Sperrliste für Problemspieler in der gesamten Europäischen Union umzusetzen. Doch in Deutschland hat es Jahre gedauert, bis sich die Bundesländer auf einen Kompromiss zur Glücksspielregulierung im Online-Bereich einigen konnten. Vermutlich wäre es wesentlich schwieriger, auf europäischer Basis eine vernünftige Glücksspielregulierung zu erreichen. Aber das ändert nichts daran, dass das die beste Voraussetzung wäre, um einen sehr wirkungsvollen Spielerschutz für alle Europäer umzusetzen.

Politiker tendieren dazu, die Glücksspielregulierung isoliert zu betrachten. Für sich genommen sieht die Glücksspielregulierung in Schweden vielleicht gar nicht so schlecht aus. Aber solange es ein Schwarzmarkt gibt, der nahezu ungehindert schwedische Glücksspiel-Fans als Kunden akzeptieren kann, ist die Glücksspielregulierung nur ein Papiertiger. Letztlich hängt im Moment alles davon ab, dass sich die schwedischen Glücksspiel-Fans freiwillig für die Angebote unter schwedischer Lizenz entscheiden. Das wird aber nur begrenzt funktionieren, wenn die Glücksspielregulierung weiter so angesetzt ist, dass die Angebote auf dem Schwarzmarkt deutlich attraktiver bleiben. In den letzten Monaten gab es diverse Hinweise aus der Glücksspielbranche, dass zunehmend Spieler gezielt nach Online-Spielbanken ohne schwedische Lizenz suchen. Anhand der Suchanfragen in den großen Suchmaschinen wie Google und Yahoo lässt sich das sehr leicht nachvollziehen. Die schwedische Regierung sollte den Anspruch haben, eine Glücksspielregulierung mit einem vernünftigen Spielerschutz umzusetzen. Sollte das nicht gelingen, wird die Glücksspielregulierung langfristig scheitern. Das ist die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Studie.

Hier mehr über die aktuelle Studie zum Spielerschutz in Schweden lesen (auf Englisch).