Gemessen an den internationalen Schutzvorkehrungen sind in Schweden im vergangenen Jahr vergleichsweise wenig Maßnahmen zum Schutz gegen die Gesundheitskrise getroffen worden. Selbst die meisten Spielstätten blieben geöffnet, wenngleich Wettbüros, Spielbanken und Spielhallen in nahezu allen anderen Ländern dieser Erde geschlossen werden mussten. Daher kam eine Entscheidung des schwedischen Gesetzgebers, die im April 2020 veröffentlicht wurde, ausgesprochen überraschend. Die Regierung hatte festgelegt, einige zum Teil sehr harte Restriktionen für Online Casinos einzuführen. Diese Restriktionen sollten ursprünglich bis Ende 2020 gelten und wurden soeben bis zum Sommer 2021 verlängert.   

Schwedische Online Glücksspiel-Anbieter fahren mit angezogener Handbremse

Schweden CasinoIn einer Mitteilung rechtfertigte Ardalan Shekarabi, der schwedische Minister für Sozialversicherungen, die Restriktionen mit einer staatlichen Fürsorge-Pflicht. Aufgrund der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise fürchtete der Staat, dass es durch das florierende Online Glücksspiel zu einem hohen Anstieg der Spielsucht kommen könnte. Unter anderem sehen diese neuen Beschränkungen vor, dass Spieler nicht mehr als 5.000,- Schwedische Kronen (SEK) in der Woche einzahlen dürfen. Das entspricht umgerechnet rund 490,- Euro. Auch ein Online Casino Bonus, der in den meisten Fällen von den Betreibern angeboten wird und zum gängigen Kundenservice gehört, muss seither auf 100,- SEK begrenzt werden. Das bedeutet, er liegt noch knapp unter 10,- Euro. Hinzu kommt, dass schwedische Zocker ein Zeitlimit vor jedem Spiel festlegen müssen. Diese Restriktionen lösten bei der Online Glücksspielbranche großes Unverständnis aus. Auf heftige Kritik stieß dabei die Tatsache, dass es keine Balance zu den Einschränkungen für stationären Spielstätten gab, und dass zu keinem Zeitpunkt Hinweise dafür existiert hätten, dass es Beiträge zu einer Förderung der Spielsucht durch die in Schweden legale Online Glücksspielindustrie gegeben hat. Dies meldete die schwedische Branchenvereinigung für Glücksspiel, Branschföreningen för Onlinespel (BOS) und fügte noch einige Zahlen hinzu: „Aus wirtschaftlicher Sicht blieb Schwedens legaler Glücksspielmarkt in diesem Jahr weitgehend stabil. Laut dem jüngsten Zwischenbericht, der die ersten drei Quartale 2020 umfasst, hat der Markt insgesamt 17,898 Mrd. SEK (umgerechnet 1,75 Mrd. Euro, Anm. d. Redaktion) Nettoumsatz generiert.“ Im weiteren Verlauf heißt es: „Im Vorjahreszeitraum lag der Gesamtumsatz bei 18,132 Mrd. SEK (umgerechnet 1,77 Mrd. Euro, Anm. d. Redaktion). Die Umsätze aus dem Online-Glücksspiel (dies bezeichnet sowohl die Online Casinos als auch die Anbieter von Sportwetten, Anm. d. Redaktion) sind im selben Vergleichszeitraum von 10,381 Mrd. SEK (umgerechnet rund 1 Mrd. Euro, Anm. d. Redaktion) auf 10,955 Mrd. SEK (1,07 Mrd. Euro, Anm. d. Redaktion) gestiegen.“

Branchenverband für Online-Glücksspiel kämpft an allen Fronten

Die neuen Restriktionen traten am 2. Juli 2020 in Kraft. Kurz zuvor ließ sich die schwedische Regierung dann doch noch zu einer Ausnahme hinreißen, und zwar in dem Bereich der Online Pferdewetten. Auch an diesem Punkt hagelte es heftige Kritik von BOS. Immerhin sind durch die Monopolstellung von Trav och Galopp schwedische Pferdewetten in den Händen des Staates. Der Vorwurf war eindeutig. Durch diese eine Ausnahme würde das Land seine Einnahmen sichern und private Betreiber quasi „... ihrem Schicksal überlassen“. Die Kritik des Branchenverbandes konnte immerhin einen Teilerfolg erzielen, denn kurz darauf wurde beschlossen, dass sämtliche Anbieter von Sportwetten von diesen Beschränkungen ausgeschlossen werden. Allerdings wurde die Verunsicherung der Branche dadurch noch größer. Für viele Betreiber war vollkommen unklar, wie sie reagieren sollten, wenn ihr Portfolio sowohl Sportwetten als auch Online Casinos im Angebot hätte. Eine Antwort darauf ist die schwedische Regierung bis heute offensichtlich noch schuldig geblieben.

Von ihrem Kurs bei Online Casinos ist sie keinen Millimeter abgewichen. Die Restriktionen sollten eigentlich nur bis Ende 2020 Gültigkeit haben, doch Anfang Dezember wurden sie bis vorerst Ende Juni 2021 verlängert. Nun bemüht sich der schwedische Glücksspiel-Verband bereits seit Monaten ein Umdenken der Politiker zu bewirken. Bisher ohne Erfolg. Spelmarknadsutredningen, die staatliche Kommission, die für den schwedischen Glücksspielmarkt zuständig ist, hat kurz vor Weihnachten der Regierung einen Abschlussbericht vorgelegt, der on top Empfehlungen für weitere Beschränkungen beinhaltet. Diese betreffen in erster Linie die Werbung für das Glücksspiel. In einem Kommentar des BOS-Geschäftsführers Gustaf Hoffstedt heißt es dazu: „Den lizenzierten Glücksspielfirmen zu verbieten, schwedischen Kunden gegenüber Werbung für ihre Produkte zu machen und somit den unlizenzierten Anbieter freie Bahn zu lassen, für ihre Angebote zu werben, ist ein schlechter Vorschlag. Dies führt nur zu verringertem Spielerschutz und wird den schwedischen Glücksspielmarkt ausradieren.“ Darüber hinaus betonte der Branchenverband, dass der Staat mit seinen strikten Maßnahmen sein eigentliches Ziel deutlich gefährde: Die Kanalisierung der Zocker auf den legalen schwedischen Glücksspielmarkt. Hierfür lieferte BOS auch Fakten. Die Regierung sei ihrem Ziel von 90 Prozent durch die Kanalisierung von zunächst 72 Prozent auf 78 Prozent ein gutes Stück näher gekommen. Allerdings gelten diese Zahlen für die Zeit vor dem 2. Juli 2021 und der damaligen Einführung der Restriktionen. Inzwischen fürchtet der Verband, dass diese Prozentzahlen „... drastisch und kontinuierlich sinken“ könnten.