In Schweden möchte die Regierung auch weiterhin die Glücksspielregulierung streng halten. Die neue strikte Regulierung ist als Reaktion auf die aktuelle Krise beschlossen worden. Aktuell befürchtet die Glücksspielbranche in Schweden, dass die Verschärfungen weit über die Krise hinaus gelten könnten. Das wäre für viele Betreiber von Online Casinos mit schwedischer Lizenz ein großes Problem.

Niedrige Limits bleiben über 2020 hinaus 

Casino SchwedenIm Frühjahr hat sich Schweden dazu entschieden, neue Limits für Online-Spielbanken und landbasierte Slots einzuführen. Als wichtigste Veränderung werden zwei Limits angesehen, die seit Monaten für Gesprächsstoff sorgen. Im Moment ist es nicht möglich, mehr als 5.000 SEK in schwedischen Online-Spielbanken monatlich einzuzahlen. Das entspricht etwa einem Betrag von 490 Euro. Darüber hinaus dürfen Bonusangebote eine Höhe von 100 SEK nicht überschreiten. Das ist ein sehr kleiner Betrag, der weit von dem entfernt ist, was vorher in Schweden möglich war. Die einzige Einschränkung bei den Bonusangeboten, die es vor der Krise in Schweden gab, betraf die Anzahl der Bonusangebote. Die Online-Spielbank mit schwedischer Lizenz durften jedem Kunden nur ein einziges Bonusangebot zur Verfügung stellen. Damit konnten die Anbieter recht gut leben, da es den meisten Glücksspiel-Fans ohnehin vor allem darum geht, einen Neukundenbonus zu nutzen. Aber ein sehr niedriges Bonuslimit führt dazu, dass es in der Praxis bei den Anbietern mit schwedischer Lizenz überhaupt keine attraktiven Angebote mehr für anspruchsvolle Spieler gibt. Das ist ein großes Problem, genauso wie das niedrige Einzahlungslimit. Die meisten Kunden in den Online-Spielbanken haben to überhaupt kein Problem mit einem Limit von 5.000 SEK. Aber die große Gruppe der High Roller und die vielen Spieler, die nur gelegentlich einmal hohe Beträge setzen möchten, werden nicht berücksichtigt.

Was machen die Spieler, die gerne mehr als 5.000 SEK in Schweden einzahlen und nutzen möchten? Die Auffassung der Regierung scheint zu sein, dass diese Spieler freiwillig verzichten, nur weil es keine Online-Spielbanken mit schwedischer Lizenz gibt, die dieses Limit überschreiten. Doch das entspricht natürlich nicht der Realität. Vielmehr lässt sich für die letzten Monate unter anderem durch Analysen von Suchanfragen in den großen Suchmaschinen zeigen, dass viele schwedische Glücksspiel-Fans auf Online-Spielbanken ausweichen, die entsprechend höhere Limits und Bonusangebote ermöglichen. Dieser Online-Spielbanken haben keine schwedische Lizenz und werden auch nicht von der schwedischen Glücksspielbehörde reguliert. Das Ergebnis ist, dass die Kanalisierung, eines der wichtigsten Ziele bei jeder Glücksspielregulierung, in Schweden aktuell in großer Gefahr ist. Das Problem könnte sich weiter verschärfen durch die Verlängerung der strengen Glücksspielregulierung. Viele Branchenverbände und Anbieter protestieren bereits gegen die Maßnahme. Aus neutraler Perspektive ist es zumindest schwer nachzuvollziehen, warum die schwedische Regierung eine relativ gut funktionierenden Glücksspielregulierung verändert, ohne dass es einen nachweislich positiven Effekt auf den Spielerschutz gibt. Im Moment deutet vieles darauf hin, dass viele Spieler, die geschützt werden sollen, sich ohne große Umstände dem zusätzlichen Schutz entziehen.

Anbieter mit schwedischer Lizenz unter Druck

Der renommierte schwedische Glücksspielanbieter LeoVegas hat für das dritte Quartal 2020 einen Umsatzrückgang von 20 Prozent in Nordeuropa vermeldet. Ein großer Teil des Rückgangs ist auf die Situation in Schweden zurückzuführen. Ist es wirklich ein gutes Zeichen, wenn ein seriöser Glücksspielanbieter plötzlich deutlich weniger Umsatz macht? Das wäre es vielleicht, wenn gleichzeitig nicht andere Unternehmen, die sich nicht um die schwedische Regulierung kümmern, profitieren würden. Es ist sehr schwer, genaue Zahlen zum Schwarzmarkt in Schweden zu bekommen. Aber auch die deutschen Glücksspiel-Fans wissen, dass es seit jeher Angebote außerhalb der üblichen Regulierung gibt. Warum sollte die Situation in Schweden gerade komplett anders ein? Beim Glücksspiel war schon immer so, dass die illegalen Angebote großen Zulauf hatten, wenn die legalen Angebote nicht attraktiv genug waren. Genau diese Situation hat die schwedische Regierung geschaffen durch die Reaktion auf die aktuelle Krise.

Auch die schwedische Glücksspielbehörde Spelinspektionen ist kein Fan der aktuellen Verschärfung. Ein wichtiger Kritikpunkt war von Anfang an, dass die neue Regulierung zu schnell und zu drastisch eingeführt worden ist. Immer noch hat Spelinspektionen große Schwierigkeiten, die Umsetzung der Regulierung zu kontrollieren. Schweden ist zwar kein riesiges Land, aber es gibt viele verschiedene Glücksspielanbieter, die allesamt von einer kleinen Behörde kontrolliert werden müssen. Es ist nicht leicht nachvollziehbar, warum die schwedische Regierung gerade beim Online-Glücksspiel mit massiven Maßnahmen in einen gut funktionierenden Markt eingreift und trotz großer Probleme in den letzten Monaten die Maßnahmen verlängern will. Die wichtigste Frage kann die Regierung bis jetzt nicht beantworten: Hat das aktuelle Maßnahmenpaket mit den strengen Limits dazu geführt, dass der Spielerschutz verbessert worden ist? Wenn das der Fall wäre, könnte man die Diskussion ganz anders führen. Aber solange alles darauf hindeutet, dass der Spielerschutz in der Praxis nicht besser, sondern schlechter geworden ist, muss sich die schwedische Regierung viel Kritik gefallen lassen für die Ankündigung, die verschärfte Regulierung über das Jahr 2020 hinaus zu verlängern.

Hier mehr die Verlängerung der verschärften Regulierung in Schweden lesen (auf Englisch).