Immer mehr Experten üben deutliche Kritik an der Verschärfung der Glücksspiel-Regulierung in Schweden. Die große Gefahr sei, dass in Schweden durch immer neue Vorgaben für die Online Casinos der Schwarzmarkt attraktiver werde. Mittlerweile gibt es sogar einige Glücksspielanbieter, die einen Rückzug vom schwedischen Markt in Erwägung ziehen, wenn die Regulierung weiter verschärft wird. Die Rahmenbedingungen für Online Casinos mit schwedischer Lizenz sind zuletzt deutlich schwieriger geworden. Das erste Ziel bei jeder Glücksspiel-Regulierung sollte die Minimierung des Schwarzmarkts sein. Warum ist das so? Wenn es neben dem regulierten Markt auch noch einen Schwarzmarkt gibt, wird damit die gesamte Regulierung gefährdet. Dazu muss man sich nur überlegen, dass die sogenannten Problemspieler nur einen sehr kleinen Anteil der Kundschaft in Online Casinos ausmachen.

Wachstum des Schwarzmarkts muss verhindert werden

Sweden CasinoDoch gerade diese Spieler sind besonders gefährdet, den Verlockungen des Schwarzmarkts zu erliegen. Wenn eine Glücksspiel-Regulierung gut funktionieren soll, müssen gerade diese Problemspieler durch die Regulierung sinnvoll in ihrem Wirkungskreis beschränkt werden. Doch was passiert gerade in Schweden? Anstatt genau zu schauen, mit welcher Regulierung es möglich wäre, die Problemspieler besser zu kontrollieren, wird der gesamte Markt unattraktiver gemacht durch niedrige Einzahlungslimits, niedrige Bonuslimits und andere Beschränkungen. Damit hilft Schweden keinem einzigen Problemspieler, aber viele ganz normale Glücksspiel-Fans, die nur ab und zu einmal in einem Online Casino spielen möchten, werden auf die Idee gebracht, in den attraktiveren Casinos auf dem Schwarzmarkt zu spielen. Das ist keine bloße Behauptung. In den letzten Monaten gibt es ein deutlich wachsendes Interesse an Online Casinos ohne Lizenz in Schweden. Mit Werkzeugen wie Google Trends lässt sich sehr gut ermitteln, dass in Schweden die Anzahl der Suchanfragen in diesem Bereich deutlich angewachsen ist. Doch das scheint die schwedische Regierung nicht weiter zu stören, denn es sind bereits weitere Maßnahmen zur Verschärfung der Glücksspiel-Regulierung angekündigt worden. Wenn Schweden so weitermacht wie in den letzten Monaten, wird es nicht mehr lange dauern, bis ein großer Teil der schwedischen Glücksspiel-Fans außerhalb der lizenzierten Online Casinos aktiv ist. Das wäre ein echtes Fiasko.

Das Problem ist nicht, dass es Casinos gibt, die keine schwedische Lizenz haben und trotzdem schwedische Kunden nehmen. Das wird sich wohl nicht komplett verhindern lassen. Aber die schwedische Regierung arbeitet gerade an einem Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt. Wenn die Casino-Betreiber, die sich nicht an die Regeln halten, dafür belohnt werden, dass sie außerhalb der Gesetze arbeiten, ist das ein großer Fehler. Auf der anderen Seite werden aber auch noch die Casino-Betreiber, die sich an die strenge schwedische Regulierung halten, dafür bestraft, dass sie gesetzeskonform arbeiten. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Wenn die seriösen Anbieter mit schwedischer Lizenz irgendwann weniger verdienen werden als die Anbieter ohne Lizenz, wird sich jeder Casino-Betreiber die Frage stellen müssen, ob es nicht besser sei, auf den Schwarzmarkt zu wechseln. Auf Dauer kann eine Casino-Regulierung nur dann funktionieren, wenn die Casino-Betreiber und die Casino-Besucher die Regulierung voll und ganz akzeptieren. Im Moment ist das in Schweden nicht der Fall und es gibt die Tendenz, dass die Ablehnung noch deutlich größer wird in den nächsten Monaten und Jahren. Schweden könnte sich zu einem Fallbeispiel entwickeln für eine gescheiterte Glücksspiel-Regulierung. Noch gibt es die Möglichkeit, gegenzusteuern mit sinnvollen Maßnahmen. Eigentlich hat die schwedische Glücksspiel-Regulierung, die erst seit Anfang 2019 existiert, auch schon vor den aktuellen Verschärfungen gut funktioniert. Ein großer Vorteil der schwedischen Glücksspiel-Regulierung ist, dass es von Anfang an eine nationale Sperrliste gibt, an die sich alle Casino-Betreiber halten müssen.

Schwarzmarkt für schwedische Casino-Fans wächst

Laut Fintan Costello von Bonusfinder gibt es mittlerweile 54 Glücksspielanbieter, die ganz gezielt um schwedische Kunden werben, ohne eine schwedische Lizenz zu haben. Zum Vergleich: In Schweden gibt es derzeit 64 lizenzierte Glücksspielanbieter. Schon an diesem Verhältnis wird deutlich, dass es für die Anbieter auf dem Schwarzmarkt ganz offensichtlich sehr lukrativ ist, auch die schwedischen Glücksspiel-Fans zu umwerben. Wenn Schweden die Regulierung weiter verschärft, wird sich das Verhältnis wahrscheinlich weiter zu Ungunsten der lizenzierten Anbieter entwickeln. Schon jetzt lässt sich argumentieren, dass die Glücksspiel-Regulierung vor allem die Casino-Besucher betrifft, die eigentlich überhaupt keine strengen Regeln bräuchten. Die überwiegende Mehrzahl der Glücksspiel-Fans spielt mit kleinen bis mittleren Beträgen und kann jederzeit aufhören. Das wichtigste Ziel einer funktionierenden Glücksspiel-Regulierung sollte es sein, die Spieler zu erreichen, die ein Problem haben oder dabei sind, ein Problem zu entwickeln. Doch genau diese Zielgruppe wird aus den legalen Casinos verdrängt durch immer strenger werdende Regeln. Als Beispiel seien nur die Beschränkung des Bonusbetrags auf ungefähr acht Euro genannt. Es gibt unzählige Casinos auf dem Schwarzmarkt, die deutlich höhere Bonusbeträge bieten. Zudem darf jedes Online Casino mit schwedischer Lizenz jedem Kunden nur einen einzigen Bonus vermitteln. Auch an dieser Stelle können die Casinos auf dem Schwarzmarkt deutlich attraktivere Angebote schnüren. In manchen Online Casinos ist es möglich, bei nahezu jeder Einzahlung einen Vorteil in Form von Freispielen oder einen Bonusbetrag zu bekommen. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Glücksspielanbieter mit schwedischer Lizenz zunehmend unter Druck gesetzt fühlen.

Es stellt sich die Frage, wem die strenge schwedische Glücksspiel-Regulierung hilft. Offiziell geht es immer darum, den Spielerschutz zu verbessern. Doch die schwedische Regierung hat keine wissenschaftlichen Studien und Fakten geliefert, um die aktuellen Verschärfungen durchzusetzen. Das ist ein grundsätzliches Problem bei der Glücksspiel-Regulierung. Wenn es nur noch um gefühlte Verbesserungen bei der Regulierung geht, ist das Scheitern leicht vorherzusehen. Viele Glücksspielexperten fordern schon seit langer Zeit, die Regulierung deutlich zu individualisieren. Was ist damit gemeint? In einem Online Casino wäre es technisch sehr leicht möglich, die Regulierung für jeden Spieler individuell zu gestalten. Warum sollte ein Millionär, der mit einem fünfstelligen Budget in einem Online Casino aktiv ist, die gleichen Limits beachten wie ein Sozialhilfeempfänger? Das Problem ist, dass Limits immer am unteren Ende angesetzt werden, sodass der Millionär am Ende überhaupt kein attraktives Casino mehr innerhalb der Regulierung finden kann. Dieses Beispiel mag extrem gewählt sein, aber es gibt sehr große Unterschiede bei den finanziellen Möglichkeiten der Casino-Kunden. Zudem ist es schlicht und ergreifend unfair, dass ganz normale Glücksspiel-Fans, die ab und zu ein bisschen Spaß mit Spielautomaten, Blackjack, Roulette oder Videopoker haben möchten, genauso behandelt werden wie Problemspieler, die sich nicht unter Kontrolle haben. Wenn die Glücksspielregulierung in der Praxis funktionieren soll, muss nicht nur die schwedische Politik umdenken. Die aktuellen Maßnahmen gefährden den Erfolg der Glücksspiel-Regulierung in Schweden erheblich.

Gesundheitskrise verschärft Regulierungsproblem

Schweden hat wie viele andere Länder auf die Gesundheitskrise mit einer Verschärfung der Glücksspiel-Regulierung reagiert. Die grundsätzliche Idee dahinter ist, dass durch die Krise weniger Freizeitangebote verfügbar sind und die Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen. Deswegen liegt es nahe zu glauben, dass die Glücksspiel-Fans mehr Zeit in Online Casinos verbringen. Allerdings fehlt bislang der Nachweis dafür, dass es diesen Effekt in Schweden wirklich gegeben hat. Was sich allerdings nachweisen lässt, ist ein deutlich wachsendes Interesse an Casinos ohne schwedische Lizenz. Bereits im März suchten laut Bonusfinder etwa 33 Prozent der schwedischen Casino-Fans im Internet ganz gezielt nach Casinos ohne Lizenz. Der Trend hat sich deutlich verschärft seit Beginn der Krise. Im Laufe des letzten Jahres ist die Anzahl der Suchanfragen nach schwedischen Casinos ohne Lizenz bei Google Trends um 305 Prozent gestiegen. Es lässt sich schwer ermitteln, wie hoch die Umsätze in den Casinos auf dem Schwarzmarkt mit schwedischen Kunden sind. Aber es spricht einiges dafür, dass der Umsatz gestiegen ist. Bonusfinder spekuliert, dass die Kanalisierung durch die schwedische Glücksspiel-Regulierung mittlerweile nur noch 70 Prozent beträgt. Das bedeutet übersetzt, dass nur noch etwa 70 Prozent der schwedischen Glücksspiel-Fans in Casinos mit schwedischer Lizenz spielen. Wenn diese Zahl zutreffen sollte, wäre es durchaus zu diskutieren, ob die schwedische Glücksspiel-Regulierung nicht schon jetzt als gescheitert angesehen werden müsste. Aber der Fairness halber muss erwähnt werden, dass diese Zahl bislang mehr Spekulation als Fakt ist. Die schwedische Regierung gibt offiziell eine Zahl von 90 Prozent für die Kanalisierung an. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo zwischen 70 und 90 Prozent.

Wenn die schwedische Glücksspiel-Regulierung nicht den kompletten Markt erfasst, hat das auch Auswirkungen auf die Steuereinnahmen. Vielleicht ist das der entscheidende Hebel, über den es möglich ist, die schwedischen Politiker davon zu überzeugen, die Glücksspiel-Regulierung nicht immer weiter zu verschärfen. In Schweden geht es im Moment mehr um Ideologie als um Fakten. Das ist ein grundsätzliches Problem, das sich in vielen Ländern beobachten lässt. Dabei gibt es unter den Glücksspielexperten und sogar unter den Glücksspielgegnern Einigkeit darüber, dass es einen großen Bedarf nach Glücksspiel gibt. Die beste Möglichkeit, diesen Bedarf zu decken, besteht darin, attraktive legale Angebote mit einem starken Spielerschutz zu schaffen. Schweden hatte ursprünglich einen guten Weg mit der Glücksspiel-Regulierung ab 2019 eingeschlagen. Doch aktuell ist Schweden dabei, diese Glücksspiel-Regulierung so zu verschärfen, dass die gewünschten Effekte reduziert werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich nach der Gesundheitskrise auch die Glücksspiel-Regulierung wieder normalisiert. Ansonsten wird Schweden irgendwann als Paradebeispiel für eine gut gemeint, aber schlecht umgesetzte Glücksspiel-Regulierung für Online-Anbieter genannt werden. Das wäre bedauerlich, vor allem für die zahlreichen Glücksspiel-Fans in Schweden.