Der Glücksspiel-Umsatz in Schweden ist im zweiten Quartal 2020 deutlich gesunken. Vor allem das landbasierte Glücksspiel hat nicht an die guten Zahlen des letzten Jahres anknüpfen können. Aber auch die Online Casinos konnten nicht mit starken Zahlen glänzen, obwohl mit den Online-Glücksspielen ein Plus erwirtschaftet werden konnte.

Schlechtestes Quartal seit neuer schwedische Glücksspielregulierung

Das zweite Quartal 2020 war mit einem Gesamtumsatz von 572,4 Milliarden Euro das schwächste Quartal seit der Einführung der neuen schwedischen Glücksspielregulierung am 1. Januar 2019. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Gesamtumsatz um 4,1 Prozent gesunken. An den aktuellen Zahlen wird deutlich, dass vor allem die landbasierten Anbieter deutlich Federn lassen mussten. Mit Online-Glücksspielen wurde immerhin ein Plus von 3,6 Prozent erzielt. Das ist ein gutes, aber kein herausragendes Ergebnis. In anderen Ländern konnten die Online Casinos in der Krise deutlich stärker zulegen. Allerdings wird bei einem genauen Blick auf die Zahlen deutlich, dass auch die Online Casinos nicht so erfolgreich waren, wie es im ersten Moment scheint. Immerhin ist der Umsatz mit Online-Glücksspiel in Schweden im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal um 1,1 Prozent gesunken. Auch im Vergleich zum vierten Quartal 2019 gibt es eine abfallende Tendenz mit einem Umsatzminus von 1,3 Prozent. Das sind keine dramatischen Zahlen, aber es ist durchaus bemerkenswert, dass in Schweden das Online-Glücksspiel anders als in vielen anderen Ländern nicht die Verluste beim landbasierten Glücksspiel kompensieren konnte. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass in Schweden das Online-Glücksspiel in der Krise durch diverse regulatorische Maßnahmen eingeschränkt worden ist. Ob das wirklich der entscheidende Grund dafür ist, dass die Zahlen insgesamt nicht besonders beeindruckend sind, muss noch genauer analysiert werden. Aber Fakt ist, dass die schwedische Glücksspielindustrie im zweiten Quartal 2020 insgesamt keine guten Zahlen liefern konnte. Vor allen die vielen Spielhallen und Spielcasinos, aber auch die vielen kleinen Wettbüros in Schweden mussten mit deutlichen Umsatzeinbußen zurechtkommen. An diesem Umstand wird deutlich, dass Schweden trotz eines völlig anderen Ansatzes bei der Bewältigung der Gesundheitskrise wirtschaftlich durchaus in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Einige Experten haben bereits angemerkt, dass die Bilanzen der Online Casinos vielleicht gar nicht so viel mit der Krise zu tun hatte. Im letzten Jahr hat es diverse Schwierigkeiten bei der Regulierung gegeben. Zeitweise war vielen Casino-Betreibern überhaupt nicht klar, welche Regeln in der Praxis überhaupt gelten. Diese Schwierigkeiten haben sich in den letzten Monaten aufgelöst, sodass der positive Effekt bei den Online Casinos zumindest teilweise auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass die Anbieter mit schwedischer Lizenz besser aufgestellt sind als im Vorjahr. Es lässt sich schwer ermitteln, wie hoch der Anteil der Krise und wie hoch der Anteil der originären Leistungen der Anbieter für das leichte Plus beim Online-Glücksspiel war. Aber für die Anbieter von Online Casinos ist es in jedem Fall ein großer Erfolg, dass kein Umsatzrückgang verzeichnet werden musste. Allerdings ist das kein Phänomen, das auf Schweden begrenzt ist. Fast in allen Ländern mit Online Casinos hat es einen ähnlichen Effekt gegeben: Die landbasierten Anbieter mussten Umsatzeinbußen hinnehmen, während die Online-Anbieter von der Krise profitieren konnten. Wenn viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen müssen als üblich und alle Spielhallen, Spielcasinos und Wettbüros geschlossen sind, ist nachvollziehbar, dass die Online-Alternativen verstärkt genutzt werden. Allerdings mussten auch in Schweden die Online-Buchmacher damit leben, dass ein großer Teil der normalerweise verfügbaren Sportveranstaltungen nicht stattfinden konnte. Aber auch in Schweden sind einige Online-Buchmacher kreativ geworden und haben Wetten auf Amateurfußball angeboten. In Schweden wurde noch Fußball gespielt, als zum Beispiel in Deutschland bereits alles Sportveranstaltungen abgesagt worden waren. Auch viele deutsche Sportwetten-Fans haben die Gelegenheit genutzt, auf schwedischen Fußball zu tippen.

Haben Maßnahmen der schwedischen Regierung geholfen?

Der schwedische Sozialminister Ardalan Shekarabi, der auch zuständig ist für die Glücksspielregulierung, hat im ersten Halbjahr 2020 einige Verschärfungen der Glücksspielregulierung eingeführt. Unter anderem gilt in Schweden mittlerweile ein wöchentliches Einzahlungslimit von 5.000 schwedischen Kronen. Das entspricht etwa einem Betrag von etwas unter 500 Euro. Zudem darf ein Bonus nicht mehr höher sein als 100 schwedische Kronen. Das entspricht etwa einem Betrag von neun Euro. Diese beiden Maßnahmen sollen nach Auffassung der Regierung dazu beigetragen haben, dass weniger Umsätze in Online Casinos gemacht worden sind. Ob das wirklich stimmt, darf zumindest bezweifelt werden. Das Einzahlungslimit dürfte für die meisten Casino-Kunden überhaupt nicht relevant gewesen sein. Wer kann es sich schon leisten, wöchentlich über 500 Euro in Online Casinos auszugeben? Auch bei Sportwetten liegen die Einsätze in der Regel deutlich niedriger. Die High Roller, die höhere Beträge setzen wollten, haben auch in Schweden Alternativen im Netz gefunden. Die Suchanfragen, in denen es um Casinos und Buchmacher ohne schwedische Lizenz geht, sind in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Deswegen bezweifeln die meisten Glücksspielexperten, dass die Verschärfung der Regulierung in der Praxis irgendeinen sinnvollen Effekt gehabt hat. Aber ganz genau wissen das wohl nur die Anbieter. Es kann durchaus sein, dass ein höheres Umsatzplus mit Online-Glücksspiel möglich gewesen wäre ohne die neue Regulierung. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass die neuen Regeln vor allem einen kosmetischen Effekt haben. Auch Schweden schafft es bislang nicht, die Casinos ohne nationale Lizenz auszusperren.

Ein unerwünschter Effekt der neuen Regulierung könnte sein, dass der Umsatz mit Online-Glücksspiel in den Online Casinos mit schwedischer Lizenz im dritten Quartal deutlich nach unten geht. Das wird aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Umsatz mit Online-Glücksspielen insgesamt in den Keller geht. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die schwedischen Casino-Fans, die sich nicht für die neuen Regeln in den schwedischen Online Casinos begeistern können, anderweitig umsehen. Dieser Effekt ist lange bekannt: Wenn die Regulierung zu streng ist, suchen sich die Spieler, die mit der Regulierung nicht zufrieden sind, Alternativen außerhalb der Regulierung. Das Internet hat keine Grenzen und es wäre nur mit sehr restriktiven Maßnahmen überhaupt denkbar, Online Casinos auszusperren, die keine schwedische Lizenz haben. Auf den ersten Blick sieht es am Ende dann vielleicht so aus, als hätten die Maßnahmen der schwedischen Regierung zur Reduzierung des Online-Glücksspiels beigetragen. Aber unter dem Strich ist der Spielerschutz am Ende vielleicht sogar schlechter geworden, wenn die schwedischen Glücksspiel-Fans vermehrt in Casinos ohne schwedische Lizenz spielen. Diesen Widerspruch kann die schwedische Regierung bislang nicht auflösen, zumal es überhaupt kein Konzept gibt, um die nicht lizenzierten Angebote wirkungsvoll auszusperren. Es ist auch zweifelhaft, ob es überhaupt ein wirksames Konzept geben kann. China kann vielleicht konsequent Anbieter vom eigenen Markt aussperren. Aber möchte irgendjemand so etwas wie die große chinesische Firewall in Schweden errichten? Es wird spannend sein zu sehen, wie die Glücksspielindustrie reagieren wird, wenn die Zahlen beim Online-Glücksspiel im dritten Quartal tatsächlich deutlich nach unten gehen sollen. Letztlich geht es auch um Arbeitsplätze.

Schweden ist spannendes Modell für Deutschland

Schweden hat im Jahr 2019 das gemacht, was Deutschland ab Mitte 2021 machen möchte: die Online Casinos und andere Anbieter von Online-Glücksspielen national lizenziert. Schweden hat interessante Erfahrungen gemacht mit der neuen Regulierung. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Umsetzung des Spielerschutzes. Schweden hat mit einer relativ liberalen Regulierung begonnen und dann Schritt für Schritt die Regeln verschärft. Auch ohne die aktuelle Gesundheitskrise wäre die Regulierung wahrscheinlich nicht so geblieben wie am Anfang. Doch was ist der Effekt? Zunehmend schauen sich schwedischen Glücksspiel-Fans nach Anbietern ohne Lizenz um, da diese Anbieter nicht so restriktive Regeln haben wie die Online Casinos mit schwedischer Lizenz. Warum ist das eine wichtige Erkenntnis für Deutschland? In Deutschland wird eine viel schärfere Glücksspielregulierung umgesetzt als in Schweden. Richtig gelesen: Die neue Glücksspielregulierung in Deutschland wird vom ersten Tag an aller Voraussicht nach deutlich strenger sein als sie jetzt in Schweden ist. Wenn Schweden jetzt schon Probleme hat, die Kanalisierung des Angebotes zu gewährleisten, was soll dann erst in Deutschland passieren? Viele Glücksspielexperten befürchten, dass Deutschland von Anfang an große Schwierigkeiten haben wird, die Glücksspiel-Fans dazu zu bewegen, in der überwiegenden Mehrheit die neuen Angebote mit deutscher Lizenz zu nutzen. Ganz genau vorhersagen kann das natürlich niemand, aber die Erfahrungswerte aus Schweden zeigen, dass die Angebote mit nationaler Lizenz attraktiv sein müssen, damit die Glücksspielregulierung funktioniert.

Die deutschen Glücksspiel-Fans profitieren im Moment erheblich davon, dass es zahlreiche seriöse Online Casinos mit EU-Lizenz gibt. Die EU-Lizenzen haben dem großen Glücksspielmarkt im Internet überhaupt erst möglich gemacht. Warum also davon abweichen? Viele Länder in Europa haben mittlerweile den Anspruch entwickelt, eine eigene Glücksspielregulierung umzusetzen. Damit soll vor allem der Spielerschutz verbessert werden. Allerdings ist es nach allen Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten Jahre sehr schwierig, eine strenge Regulierung des Online-Glücksspiels durchzusetzen, da es keine nationalen Grenzen im Internet gibt. Zudem gibt es nicht nur die nationalen Gesetze, sondern auch die EU-Gesetze. Deswegen dürfte es schwer sein, eine Serie restriktive Regulierung umzusetzen, selbst wenn dies gewünscht sein sollte. Die deutschen Bundesländer, die für die Regulierung des Glücksspiels zuständig sind, haben bisher nicht schlüssig erklärt, wie Sie die Regulierung in Zukunft durchsetzen werden. Klar ist, dass es ab Mitte 2021 Online Casinos mit deutscher Lizenz geben wird. Die Frage ist nur, ob es neben diesem deutschen Angebot dann nach wie vor auch Online Casinos mit anderen Lizenzen geben wird, die für deutsche Kunden verfügbar sind. Sollte das der Fall sein, dürfte die deutsche Glücksspielregulierung von Anfang an einen schweren Stand haben.

Hier mehr über den Glücksspiel-Umsatz in Schweden im zweiten Quartal 2020 lesen (auf Englisch).