Die Meldung ist nicht neu, doch jetzt nimmt sie noch einmal ordentlich Fahrt auf. Nur noch die Zustimmung der Aufsichtsbehörden für diesen Deal fehlt. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sie sich querstellen. Die Novomatic AG bestätigte, dass mittlerweile eine verbindliche Vereinbarung mit der Sazka Group vorliegt, die den Verkauf von 17 Prozent der Anteile an der Casinos Austria AG (CASAG) an den tschechischen Glücksspielkonzern perfekt macht. Auch nachdem es im Sommer dieses Jahres eine Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse gab, bleibt die Sazka Group ihrer Fusions-Strategie treu. Dass die Gruppe ihre Möglichkeiten zur Investition in europäisches Glücksspiel umfangreich nutzt, zeigte sich bereits dadurch, dass sie unter der Leitung eines neuen Investment-Teams ihre Anteile an dem griechischen Lottoanbieter OPAP auf 40 Prozent erhöhte.

Teilrückzug ermöglicht weiterhin Sitz im Verwaltungsrat

Casinos AustriaDie österreichische Novomatic AG ist ein alteingesessenes Glücksspielunternehmen, das in den letzten eineinhalb Jahren aufgrund ihrer mutmaßlichen Verstrickung in die Causa Casino in die Negativ-Schlagzeilen gerutscht ist. Seit mehr als 35 Jahren betreibt Novomatic landbasierte Casinos, Spielbanken sowie eine Reihe von Online Casinos. Das Unternehmen war eins der ersten, das in großem Stil auf den expandierenden Zug aufsprang, der in die Online Casinowelt führte und zog gleich mit so großen Namen wie betsson, Sunmaker oder Mr. Green. Auch Novomatic erkannte schon früh die vielfältigen Möglichkeiten, die durch die Einrichtung von Online Angeboten im Bereich Entertainment und Glücksspiel geschaffen wurden. Nun zieht sich der Konzern ein wenig aus seinem Engagement bei der Casinos Austria AG zurück. Sie haben richtig gelesen: Ein wenig! Denn ein Anteil von 11 Prozent an den „Österreichischen Lotterien“ bleibt der Novomatic AG noch erhalten, wodurch sie auch weiterhin im Verwaltungsrat der CASAG vertreten sein wird. Die tschechische Sazka Group erhöht ihre Beteiligung an der CASAG im Rahmen dieser Transaktion von ursprünglich 38 % auf stolze 55 % und wird somit zum Mehrheitseigentümer der Casinos Austria AG. Die Gruppe zählt zu den größten paneuropäischen Lotteriebetreibern mit Lotterien, in nahezu sämtlichen bedeutenden europäischen Staaten, sofern diese Lotterien dort in privatwirtschaftlicher Hand sind. Dazu gehören neben Österreich und der Tschechischen Republik auch Zypern, Italien und Griechenland. Das Kerngeschäft bilden Zahlen- und Sofortlotterien. Hinzu kommen digitale Glücksspiele und Sportwetten, die sowohl über Online Plattformen, als auch über ein großes Einzelhandels-Netzwerk vertrieben werden. Alle Betreiber von Sazka-Lotterien sind Mitglieder des europäischen Lotterie-Verbands ESLTA (European State Lottery and Toto Association) sowie des Welt-Lotterie-Verbands WLA (World Lottery Association) und arbeiten strikt nach deren Verhaltenskodizes.

600 Arbeitsplätze der CASAG in Gefahr

Die anhaltende Gesundheitskrise macht auch vor der Casinos Austria AG nicht Halt. Der Glücksspielkonzern hat im aktuellen Geschäftsjahr mit starken Einbußen zu kämpfen, so dass die Angestellten um ihre Stellen bangen müssen. Von rund 600 Mitarbeitern ist die Rede, die es treffen könnte. 12 landbasierte Casinos mussten geschlossen werden, und der Ausfall von Sportwetten setzte dem Unternehmen ebenfalls arg zu, da im Frühling der Spielbetrieb auch bei den großen Ligen eingestellt wurde. ReFIT nennt sich der Einsparungs- und Umstrukturierungsplan der Casinos Austria AG. Vor gut einem Monat informierte die CASAG den österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) über die bevorstehenden Stellenkürzungen. Die AMS-Regeln sehen vor, dass zwischen der offiziellen Meldung und den Entlassungen mindestens 30 Tage liegen müssen. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich von dem Sparkurs betroffen sein werden, ist aktuell noch unklar. Die CASAG verhandelt derzeit mit den Gewerkschaften über mögliche Wechsel in Teilzeitarbeit sowie eventuelle Übernahmen und hofft, wie soeben einer Pressemeldung zu entnehmen war, dass die Entlassungen doch „deutlich unter 600“ liegen werden. So richtig Mut macht das dennoch nicht. 2019 konnte die Casinos Austria AG noch einen Gewinn von 112 Millionen Euro erwirtschaften. Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einem Nettoverlust, der bei 65 bis 70 Millionen Euro liegen könnte. Der geplante Stellenabbau soll dazu dienen die hohen Ausgaben in den kommenden zwei Jahren abzubauen.

Österreichisches Online Glücksspiel-Monopol nicht zeitgemäß

Ausschlaggebend für den Verkauf der Novomatic-Anteile an die Sazka Group war vermutlich die Nennung des Unternehmens in der Causa Casino, bzw. der Ibiza Affäre. Es steht nach wie vor der Verdacht im Raum, dass sich der Konzern mit einigen Politikern des Alpenlandes verschworen hat um attraktive Glücksspiellizenzen zu erhalten. Teil dieser Verschwörung soll es gewesen sein, das Ende des Monopols für Online Glücksspiel von Win2day herbeizuführen. Win2day ist im Besitz der Österreichischen Lotterien und der CASAG. Dieses Monopol ist nicht nur der Novomatic seit langem ein Dorn im Auge, sondern auch der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG). Die OVWG vertritt zahlreiche international lizenzierte Online Anbieter, die auf dem österreichischen Markt illegal tätig sind. Vor wenigen Tagen gab die Vereinigung eine Erklärung heraus. Darin forderte sie die österreichische Regierung auf, das „... längst überholte Online Monopol von Win2day zu beenden“ und stattdessen die Einführung „... eines zeitgemäßen Online Glücksspiel Lizenz-Systems“. Laut OVWG Präsident Claus Retschitzegger bringt ein wettbewerbsfähiger Online Markt 30 bis 50 Millionen Euro zusätzlich ein. Dieses Geld könnte den Sportverbänden helfen, sich von den Auswirkungen der weltweiten Gesundheitskrise zu erholen.