Hoffentlich wird es kein Endspiel für ihn. Man war schon sehr verwundert, als unter den Teilnehmern des diesjährigen Trash-Formats „Promi Big Brother Haus“ der Name Werner Hansch auftauchte. Den 81-Jährigen hätte man doch eher auf einem schönen Altersruhesitz vermutet, wo er vielleicht etwas wehmütig Sportereignisse im Fernsehen verfolgt. Aber so etwas? Möglicherweise hatte er den Auftritt in der Öffentlichkeit doch zu sehr vermisst. Das kennt man ja auch von anderen mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen. Aber der Grund ist leider ein schmerzhafter und trauriger. Werner Hansch braucht einfach Geld. Er hat Schulden angehäuft durch den falschen Umgang mit Sportwetten. Gerade er, sollte man meinen, ohne dass Schadenfreude aufkommen würde. Für uns auch nochmal eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, was verantwortungsvolles Spielen bedeutet.

 Von einem der den Sport liebte

Werner Hansch„Mit der Startnummer 1: Norbert Nigbur“. Manchmal reicht ein kleiner Satz um unsterblich zu werden, oder den Beginn einer erfolgreichen Karriere einzuläuten. Leider kann auf den Ruhm aber auch der Absturz folgen. Lassen Sie uns zum Anfang gehen, dorthin, wo alles eher per Zufall begann: In der Glückauf-Kampfbahn, dem ehemaligen Zuhause von Schalke 04. Eigentlich hatte der damals 30-jährige Recklinghäuser mit Fußball gar nichts am Hut. Trabrennen war sein Sport, und dort war er auch als Bahnsprecher tätig. Nun war allerdings der hauptamtliche Sprecher der Glückaufbahn in erster Linie Rennbahn-Inspektor, und als am 23. Februar 1973 auf eben dieser ein Feuer ausbrach, musste er natürlich ran. Andererseits brauchte die Trabrennbahn keinen Sprecher mehr, daher schickte sein Chef Werner Hansch einfach nach Schalke. Die Mannschaft spielte gegen Bayern München. Ein wichtiges Spiel! Für Werner Hansch lief zunächst auch alles gut. Die auf Zetteln dargereichten Durchsagen sagte er souverän an – bis zu dem Zeitpunkt, als es ruhig im Stadion wurde. „Mit der Startnummer 1: Norbert Nigbur“. Kaum hatte Hansch das ausgesprochen, wurde es sehr lustig auf Schalke. Er konnte erst gar nicht verstehen, was eigentlich passiert war. Nach dem 1:1-Unentschieden klopfte der damalige Vereinspräsident Günter Siebert dem erschöpften Neu-Stadionsprecher Werner Hansch dann begeistert auf die Schulter.

Werner Hansch war studierter Sozialwissenschaftler und machte diesen Job bis 1978. Dann erfolgte der Ruf des Westdeutschen Rundfunks, der ihn als Hörfunkreporter einstellte. Seine lockeren und umgangssprachlichen Kommentare hatten ihn zu einem Publikumsliebling gemacht, und dieses Talent wollte der Sender sich sichern. Hansch wurde zuständig für Pferdesport und Fußball und kommentierte am 4. November 1978 seine erste Partie für den WDR:  Preußen Münster gegen Bayer Leverkusen. 1990 wechselte er als Fernsehkommentator in die ARD Sportschau und 1992 zu Sat1, wo er bis 2006 Spiele der Bundesliga, Champions League und Euro League kommentierte. Im letzten Jahr seiner Tätigkeit arbeitete er noch für den Pay TV Sender Arena. Danach wurde es still um den Pensionär. Bis heute eben.

„Ich bereue nichts... oder doch?“

Viele der über 1.400 kommentierten Spiele seiner Karriere sind sicherlich in Vergessenheit geraten und so manchen Spruch wird er vermutlich auch bereut haben. Ob sein Ausspruch „Ein geiles Tor“ nach dem Treffen des Schalkers Büskens, der dann zum Diskussionsstoff für die ganze Republik wurde – ob man das darf oder nicht – dazu gehört, weiß man nicht. Aber seine Pressekonferenz mit dem durch Kokain-Missbrauch Trainer Christoph Daum, wird er sicherlich bereuen. Eigentlich wollte er den damals in Ungnade gefallen Trainer zu einer Art Comeback verhelfen, was aber ziemlich in die Hose ging. Er hatte damals sicherlich nicht geahnt, dass er 2001 vor 30 Kamerateams, 50 Fotografen und über 200 Journalisten im Raum zum Moderator einer Comedy-Veranstaltung werden sollte. Im Pressepool waren nicht nur etliche Journalisten, sondern auch Moderator Stefan Raab und Musiker Helmut Zerlett. Die Pressekonferenz geriet vollständig außer Kontrolle als Stefan Raab zum Reden ansetzte: „Ich möchte mich erst einmal vorstellen: Stefan Raab von den ProSieben-Nachrichten. Ich möchte mich auch für die beschissene Frage des Kollegen Zerlett entschuldigen. Die Dinge, wie sie sich entwickelt haben, gefallen mir besonders gut, da ich es als FC-Fan immer schon scheiße fand, dass Sie Leverkusen trainiert haben. Die zweite Sache, die ich sehr zutreffend finde, ist die, dass Sie sich als mit-moderierenden Kollegen den Kollegen Werner Hanf ausgesucht haben …" Ein denkwürdiges Ereignis.

Aber dann war irgendwie Schluss. Und zwar im Jahr 2006. Das war etwas, auf das Werner Hansch nicht vorbereitet war, wie er erklärte: „Nach mehr als 1.400 kommentierten Spielen wurde ich von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht. Ein schreckliches Gefühl. Und so kam es, dass ich eines Tages zum ersten Mal in meinem Leben eher zufällig das Wettbüro eines Buchmachers für Pferdewetten betrat. Ich wurde umgarnt und hofiert. Schließlich überzeugten mich die anderen Zocker, doch selbst mal zu wetten. Ich setzte 20 Euro und siehe da, ich gewann. Damit war die Lunte der Spielsucht entzündet, welche tief in mir verborgen lag, ohne dass ich es wusste." Und dies führte zu massiven Problemen, mit Schulden von einer halben Millionen Euro, dem Verlust seiner Partnerin und einer Anzeige durch seinen Freund, den CDU Politiker Wolfgang Bosbach. Dieser hatte ihm Geld geliehen, weil er angeblich einen Verkehrsunfall verursacht hatte, dies aber ohne die Versicherung klären wollte. Der Schwindel flog auf. Und nun Promi Big Brother. Um Geld zu verdienen, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dabei hilft auch eine Therapie. Man gönnt es ihm, dass er wieder auf die Beine kommt.