In Recklinghausen gibt es einen großen Streit um die Wettbüros. Zuletzt hatten sich zahlreiche Bürger darüber beschwert, dass die Wettbüros nach wie vor geöffnet sein, obwohl die meisten anderen Ladengeschäfte schließen mussten. Das Problem ist allerdings, dass die Wettbüros nicht von der aktuellen Schließungswelle betroffen sind. Es ist bemerkenswert, dass die Wettbüros in Recklinghausen geöffnet sein dürfen. Allerdings geht das zurück auf eine Anordnung der Landesregierung, die es den Anbietern von Sportwetten ermöglicht, die Ladengeschäfte unter bestimmten Voraussetzungen geöffnet zu lassen. Was sind diese Voraussetzungen? Im Grunde genommen dürfen die Geschäfte nur geöffnet bleiben, um Wettscheine entgegenzunehmen. Die Kunden müssen die Ladenlokale schnell wieder verlassen. Anders als sonst üblich ist es nicht erlaubt, die Sportevents im Wettbüro zu verfolgen. Das klingt nach einer vernünftigen Regelung. Aber trotzdem ist es verständlich, dass sich viele Bürger darüber beschweren, dass es eine Ausnahme gibt für Wettbüros, während viele andere Geschäfte vom Friseur bis zum Kosmetiker von der aktuellen Schließungswelle betroffen sind.

Wettbüros in Recklinghausen dürfen betrieben werden

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Aber bei Lichte betrachtet, ist es nicht völlig unvernünftig, die Wettbüros geöffnet zu lassen. Im direkten Vergleich mit den Spielhallen und Spielbanken lässt sich gut zeigen, warum die Wettbüros ein anderes Geschäftsmodell umsetzen können als die meisten anderen Ladengeschäfte. In Spielhallen und Spielbanken bleiben die Kunden über einen längeren Zeitraum, sodass es nicht möglich ist, eine schnelle Bedienung zu gewährleisten. In der aktuellen Situation ist jeder Aufenthalt in einem geschlossenen Raum problematisch. Schwierig wird es allerdings immer dann, wenn der Aufenthalt besonders lange dauert. Die Betreiber der Wettbüros haben die Möglichkeit, ihre Kunden dazu anzuhalten, nur sehr kurz im Ladengeschäft zu bleiben.

Viele Wettbüros werden von kleinen und mittleren Unternehmen geführt. Es gibt zwar auch Wettbüros, die zu großen Konzernen gehören. Aber die Branche ist sehr unterschiedlich aufgestellt, sodass bei einer kompletten Schließung viele kleine Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten würden. Insbesondere muss berücksichtigt werden, dass die Wettbüros schon im letzten Jahr über einen längeren Zeitraum geschlossen waren. Zudem gab es im Frühjahr zeitweise nicht einmal Sportveranstaltungen, auf die Wetten möglich waren. Insofern ist es vielleicht ein pragmatischer Ansatz der Landesregierung in NRW, die Wettbüros geöffnet zu lassen, um zumindest den Besitzern die Möglichkeit zu geben, halbwegs vernünftige Einnahmen zu generieren. Ohnehin haben die Buchmacher das Problem, dass es zahlreiche Online-Sportwettenanbieter gibt. Genauso wie die Betreiber von Spielhallen und Spielbanken mit Online Casinos leben müssen, müssen auch die klassischen Wettanbieter akzeptieren, dass es Konkurrenten gibt, die rund um die Uhr geöffnet haben und von keiner Schließung in der aktuellen Gesundheitskrise betroffen waren und sind. Eine perfekte Lösung gibt es nicht und es ist völlig klar, dass die Wettbüros genauso wie die Glücksspielanbieter nicht die beste Lobby in der Allgemeinbevölkerung haben. Aber von einem rationalen Standpunkt aus betrachtet ist es nachvollziehbar, dass die Wettbüros nicht schließen müssen.

Gesundheitskrise bringt Glücksspielbranche in Schwierigkeiten

Nicht nur für die Wettbüros in Recklinghausen ist die aktuelle Gesundheitskrise bedrohlich. Alle stationären Glücksspielanbieter mussten im letzten Jahr erhebliche Einbußen hinnehmen. Nicht nur in Deutschland, sondern fast überall auf der Welt mussten Zwangsschließungen erfolgen, um die Gesundheitskrise einzudämmen. In einigen Ländern, zum Beispiel Australien und Neuseeland, ist es mittlerweile wieder möglich, Wettbüros, Spielhallen und Spielbanken wie gewohnt zu nutzen. Aber in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern wird es noch ein weiter Weg sein, bis das stationäre Glücksspiel in allen Varianten wieder auf dem alten Niveau laufen wird. Auch die Wettbüros in NRW, die nicht schließen mussten in der aktuellen Phase, sind keineswegs auf einem guten wirtschaftlichen Weg. Zwar gibt es nach wie vor Sportwetten-Fans, die Wettbüros besuchen, um Wetten zu platzieren. Aber es gibt doch sehr viele Sportwetten-Fans, die aufgrund der aktuellen Krise damit begonnen haben, Online-Sportwetten zu nutzen.

Langfristig könnte es für die traditionelle Sportwetten-Branche in Deutschland und vielen anderen Ländern zu einem großen Problem werden, dass die Online-Sportwetten zum Mainstream werden. Schon heute ist es vielen jungen Sportwetten-Fans kaum zu vermitteln, warum es eine gute Idee sein soll, in ein Wettbüro am anderen Ende der Stadt zu gehen, wenn es auch möglich ist, eine Wette mobil über ein Smartphone zu platzieren. Verschärft wird die Situation für die Buchmacher in Deutschland dadurch, dass es mittlerweile Online-Sportwetten unter deutscher Lizenz gibt. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag ist schon jetzt eine Übergangsregelung in Kraft, die zu einer Lizenzierung von zahlreichen Online-Buchmachern geführt hat. Auch das dürfte ein Grund sein, warum man sich in NRW und einigen anderen Bundesländern dazu entschieden hat, die Wettbüros nicht komplett zu schließen. Vielleicht wird das dazu führen, dass einige Wettbüros die Krise überleben. Aber langfristig dürfte es schwer sein für die stationären Buchmacher, die Konkurrenz aus dem Internet zu besiegen.