Blickt da noch einer durch? Selbst erfahrene Juristen, Rechtswissenschaftler, Politiker und andere Experten scheitern daran verbindliche Aussagen zu der Rechtslage bei Online Sportwetten und zum Glücksspielmarkt in Deutschland zu geben. Nun ist das mit der Juristerei ja schon immer nicht so ganz eindeutig gewesen, aber in diesem Fall ist es wohl besonders undurchsichtig. Aber Besserung ist in Sicht. Der neue Glücksspielstaatsvertrag soll die von allen Seiten (außer von denen, die der Meinung sind, dass Glücksspiel eh verboten gehört) geforderte Rechtssicherheit bringen. Und zwar nicht nur im Bereich der Online Glücksspiele, sondern auch im Bereich der Online Sportwetten. Damit wäre dann auch wirklich ein großer Schritt getan. Aber schauen wir uns das Szenario einmal genauer an.

Sportwetten und Online Casinos 

SportwettenBisher bewegte man sich bei dem Online Sportwetten Angebot immer in einer rechtlichen Grauzone, denn eigentlich gibt es in Deutschland ein Monopol für Sportwetten, und das liegt eindeutig beim staatlichen Anbieter Oddset. Wie gesagt: Eigentlich! Denn in der Praxis sah und sieht es ganz anders aus. Im Jahr 2011 hatten sich die Länder schon einmal darauf geeinigt, dass es eine Lizenzierung für Online Sportwetten Anbieter geben sollte, allerdings mit einer festgelegten Obergrenze. 20 Lizenzen sollten vergeben werden. Der Andrang war groß und 73 Anbieter bewarben sich, davon blieben nach einer Vorauswahl 35 übrig. Weiter ging die Auswahl aber nie. Denn ein Anbieter beschwerte sich über das nach seiner Meinung undurchsichtige Verfahren, zog vor Gericht und bekam Recht. Der Prozess wurde gestoppt. Bis heute wurden demnach keine Konzession vergeben. Dies bedeutet für die Anbieter eine maximale Freiheit. Auch der europäische Gerichtshof bestätigte ihnen, dass sie ihre Angebote in Deutschland betreiben dürften, da sie vom Staat ja keine Lizenzen erhalten könnten. Und so war es denn auch in den letzten Jahren. Sportwetten Anbieter waren und sind überall präsent. Ob es als Sponsoren für Sportvereine, in vielfältiger Form der Werbung oder als Online Angebote ist, Bwin, Tipico und Co sind in Deutschland nicht mehr wegzudenken und die meisten Vereine wollen sie auch gar nicht missen. Viele Freunde der Sportwetten übrigens auch nicht.

Mit dieser Grauzone ist nun bald endgültig Schluss. Mit Inkrafttreten der dritten Änderung des Glücksspielstaatsvertrages am 1. Juli 2021 ist eine neue Rechtssicherheit dazu gekommen. Diese sieht nämlich vor, dass ein neues Antragsverfahren für die Lizenzierung auf den Weg gebracht worden ist und diese öffnet den Markt dann auch für internationale Sportwetten Anbieter. Erstmals in der Geschichte wird der Sportwetten Markt vollständig für internationale Anbieter geöffnet, die nun endlich ihr Geschäft in Deutschland etablieren können.

Aber natürlich nur unter gewissen Auflagen. Diese wurden bereits im Jahre 2012 definiert. Bis zur endgültigen Verabschiedung des neuen Glücksspielstaatsvertrags soll es eine sogenannte „Experimentierphase“ geben. Während dieser soll sichergestellt sein, dass der Zugang zu Sportwetten nur ab 18 Jahren möglich ist, dass es eine Obergrenze von 1.000,- Euro monatlichem Wetteinsatz gibt und auch keine Live Wetten möglich sind. Zudem darf es keine Verweise auf Online Casinos geben, d.h. von den Seiten der Wettanbieter darf man nicht zu eventuellen Angeboten von Online Casinos gelangen.

Letztes Update am 11.08.2020
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Neue Lizenzen, neues Glück 

Immerhin hat man sich inzwischen schon mal in diesem Rahmen auf eine neue Rechtsicherheit geeinigt, die mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages immer mehr zunehmen wird. Dann soll es z.B. auch eine zentrale Glücksspielbehörde geben. Bis dahin haben es tatsächlich Anbieter geschafft, eine Lizenz für Sportwetten zu erhalten. Im Einzelnen sind dies folgende Anbieter: Cashpoint, Admiral Sportwetten GmbH, ODS ODDSET Deutschland Sportwetten GmbH, Oddsline Entertainment AG, Primebet International Ltd., ElectraWorks Ltd. Digibet Ltd., Betathome.com Internet Ltd., Ladbrokes International PLC, Bet90 Ltd., Deutsche Sportwetten GmbH , Personal Exchange International Ltd., Polco Ltd,, Intermedia GmbH, Bernd Hobiger Wettbüro Goldesel, RULEO Alpenland GmbH, Racebets International Gaming Ltd., Albers Wettbörsen Deutschland OHG mbH, IBA Entertainment Ltd. und Star Sportwetten GmbH.

Da fehlt doch was? Ja! Einige der ganz großen Anbieter sind nicht vertreten, es fehlt z.B. Tipico, bet365 und auch noch eine ganze Reihe anderer. Aber da scheint man sich keine so großen Sorgen zu machen:  „Natürlich halten wir diese Entscheidung für dringend fragwürdig, messen ihr aber keine große Bedeutung bei. Auf unser operatives Geschäft hat diese Entscheidung aktuell keinen Einfluss, da wir nun den vorgegebenen Rechtsweg beschreiten werden und uns hierbei deutliche Erfolgsaussichten ausrechnen. Im laufenden Verfahren werden wir uns zu den Prozess Inhalten vorerst nicht weiter äußern.“, kommentierte Jan Bolz, Vorstandsvorsitzender von Tipico Sportwetten. 

Also wird auch in diesem Fall mal wieder abgewartet bis es nun eine endgültige Rechtsicherheit gibt. Ein Fakt ist sicher, dass es auch weiterhin Sportwetten in Deutschland geben wird, auch oder gerade Online. Dafür ist der Markt zu lukrativ und zu groß. Wie diese dann aber im nächsten Jahr wirklich gestaltet werden, dass lässt sich jetzt noch nicht sagen. Davor wird es wohl noch einige Gerichtsverfahren geben, und die Anbieter werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um ihre Interessen zu wahren. Im Interesse aller Spielerinnen und Spieler wäre es auf alle Fälle sinnvoll, einen einheitlichen und genauen rechtlichen Rahmen zu schaffen, damit sie das tun können, was sie am liebsten machen, nämlich einfach nur wetten.