Rebeka Mizzi von der iGaming Academy sieht die Glücksspielbranche vor einer großen Herausforderung. Durch die aktuelle Krise seien einige Glaubenssätze ins Wanken geraten. In Zukunft werde es noch wichtiger sein, Innovationen voranzutreiben. Zudem müssten nicht nur die Betreiber von Online Casinos die Digitalisierung in vollem Umfang umsetzen. Für Rebeka Mizzi von der iGaming Academy hat die aktuelle Krise auch in der Glücksspielbranche den Vorteil, dass die Defizite schonungslos aufgezeigt werden. Eine ganz grundsätzliche Erkenntnis ist, dass die reinen Offline-Anbieter einen erheblichen Nachteil haben, wenn eine Gesundheitskrise stattfindet. Aber auch die Online-Anbieter waren nicht davor gefeit, erhebliche Nachteile zu erleiden. Das wichtigste Beispiel sind die Sportwettenanbieter, die in diesem Jahr eine harte Lektion erteilt bekommen haben. Entscheidend sind nicht die Quoten und die Wettoptionen.

Technische und personelle Kontinuität als Basis

IgamingMaßgeblich ist, dass überhaupt Sportveranstaltungen stattfinden. Die Online-Buchmacher hatten immerhin noch die Möglichkeit, irgendwelche obskuren Fußballspiele im Amateurbereich in Schweden oder auch den weißrussischen Profifußball im Portfolio anzubieten. Die Offline-Buchmacher mussten komplett schließen. Aber die gesamte Sportwetten-Branche ist in den letzten Monaten ordentlich unter die Räder gekommen. Dahingegen konnten die Online Casinos nahezu ungebremst ihre Angebote weiter zur Verfügung stellen. Vor allem die reinen Online-Anbieter waren schon vor der Krise in vielen Fällen sehr gut vorbereitet auf die anstehenden Herausforderungen. Beispielsweise ist es in vielen Firmen längst üblich, dass die meisten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, zumindest einen Teil der Arbeitszeit auch im Home-Office zu verbringen. Für viele Firmenchefs in der Glücksspielbranche war es aber eine ganz neue Erfahrung, dass die Mitarbeiter auch zu Hause erstklassige Leistungen bringen können.

Technische und personelle Kontinuität sind entscheidend dafür, dass es überhaupt möglich ist, Glücksspiele anzubieten. Am Beispiel von Online Casinos lässt sich das sehr schön demonstrieren. Ein Online Casino lässt sich mit einem vergleichsweise geringeren Personalaufwand betreiben. Aber ganz ohne Personal funktioniert auch ein Online Casino nicht. Deswegen ist es wichtig, dass vor allem die technische Abteilung in den Casino-Firmen so aufgestellt ist, dass auch in einer schweren Krise der Betrieb der Online-Angebote gewährleistet ist. Es ist keine große Überraschung, dass das bei den meisten Anbietern von Online Casinos gut funktioniert hat. Eine wichtige Ausnahme waren aber teilweise die Live Casinos. Die Live Casinos sind darauf angewiesen, dass echte Menschen die Spiele leiten. Durch die schwierige Gesamtsituation war es nicht in allen Studios der Anbieter möglich, Spiele in gewohnter Manier stattfinden zu lassen. Die Anbieter von Live-Dealer-Spielen arbeiten sind gut beraten, neue Konzepte zu entwickeln, um in Zukunft auch in Krisen einen lückenlosen Betrieb gewährleisten zu können. Das wird nicht ganz einfach sein, denn speziell in einer Gesundheitskrise gibt es keine absolute Garantie dafür, dass zum Beispiel alle Dealer immer zur Arbeit erscheinen können. Aber bei einigen Firmen gab es teilweise nur ein sehr eingeschränktes Angebot, während andere Firmen dazu in der Lage waren, fast das komplette Portfolio ununterbrochen zur Verfügung zu stellen. Somit ist wohl die Annahme berechtigt, dass es bei einigen Anbietern von Live-Dealer-Spielen hinsichtlich der technischen und personellen Kontinuität noch Spielraum für Verbesserungen gibt.

Home-Office als neue Normalität anerkennen

Auch in der Glücksspielbranche was für viele Menschen eine neue Erfahrung, dass es möglich ist, im Home-Office zu arbeiten. Vor allem in der klassischen Glücksspielbranche, also zum Beispiel bei den Automatenherstellern, war das Home-Office bislang kein großes Thema. Laut Rebeka Mizzi von der iGaming Academy könnte sich das aber in Zukunft ändern. Viele Arbeitgeber haben zwangsweise die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, auf hohem Niveau zu arbeiten, ohne dass ständig alle Mitarbeiter im Büro sind. Wahrscheinlich wird es nicht darauf hinauslaufen, dass alle Mitarbeiter im Home-Office arbeiten. Es gibt bestimmte Arbeitsabläufe, die in der Firma besser funktionieren. Auch der direkte persönliche Kontakt ist ein wichtiges Thema. Nicht alles lässt sich über Videokonferenzen lösen. Aber vor allem viele ältere Unternehmer haben bislang das Home-Office überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt zugelassen, um die Kontrolle über die Mitarbeiter zu behalten. Das ist aber ein überholtes Konzept. Die meisten Menschen haben ein hohes Pflichtbewusstsein und zudem lässt sich anhand der gemachten Arbeit ohnehin immer kontrollieren, ob ein Mitarbeiter fleißig war oder nicht. Aber für viele Menschen ist es ein großer Vorteil, wenn es zumindest zeitweise möglich ist, im Home-Office zu arbeiten. Man denke nur an die vielen alleinerziehenden Mütter und Väter, die von einem flexiblen Arbeitsplatz erheblich profitieren. In Zukunft wird es wahrscheinlich deutlich leichter sein zu argumentieren, dass das Home-Office eine wichtige Option sein sollte.

Die Anbieter von Online-Glücksspielen sind auch beim Home-Office schon ein ganzes Stück weiter als die klassischen Glücksspiel-Firmen. Das liegt ein Stück weit daran, dass viele Tätigkeiten, die mit Online-Glücksspielen zusammenhängen, ohne Einschränkungen im Home-Office erledigt werden können. Ein Programmierer kann am heimischen Computer genauso effizient arbeiten wie im Büro. Auch Suchmaschinenoptimierung, Marketing und viele andere Aufgaben in einer modernen Glücksspielfirma sind nicht unbedingt auf ein Firmenbüro angewiesen. In Malta, dem wichtigsten Standort für Online-Glücksspielanbieter in Europa, waren zeitweise große Teile der Belegschaft in nahezu allen Firmen im Home-Office. Trotzdem sind die Online Casinos, die von Malta aus betrieben werden, nahezu lückenlos in Betrieb geblieben, auch auf dem Höhepunkt der Krise. An diesem Beispiel wird allerdings auch deutlich, dass die Online-Anbieter den Vorteil haben, dass sich im Zweifel fast alles irgendwie über den Computer regeln lässt. Zudem gibt es keinen physischen Kontakt zu den Endkunden, denn die Endkunden sitzen auch vor einem Computer, allerdings an einem ganz anderen Ort. Der eine oder andere Glücksspielanbieter wird sich in den letzten Monaten wahrscheinlich überlegt haben, ob es nicht eine gute Idee sein könnte, auch in den Bereich der Online-Glücksspiele einzusteigen. Vielleicht wird es in Deutschland mit der neuen Glücksspiel-Regulierung, die ab Mitte 2021 kommen soll, einige ältere Glücksspielfirmen geben, die das Online-Glücksspiel für sich entdecken. Nicht zuletzt auch aufgrund der damit verbundenen Möglichkeiten, Mitarbeiter nahezu unbegrenzt ins Home-Office zu schicken, ergeben sich ganz neue Chancen.

Fortbildung als Schlüssel für Innovation

Für Rebeka Mizzi ist es in einer schnell wachsenden Branche wie der Glücksspielindustrie von entscheidender Bedeutung, dass die Mitarbeiter regelmäßig gefördert werden. Das ist besonders wichtig bei den Online-Anbietern. Die Welt der Internet-Casinos hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Auf lange Sicht können nur Firmen bestehen, die immer wieder innovativ arbeiten. Woher kommt Innovation? Von den Mitarbeitern! Qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist schwierig. Noch schwieriger ist es, regelmäßig Top-Leute in der Firma zu haben. Durch attraktive Fortbildungen und gezielte Förderungen ist es möglich, die besten Leute langfristig im Unternehmen zu halten und die Qualität der Firma insgesamt kontinuierlich zu verbessern. Das ist zum Beispiel für Spielehersteller enorm wichtig. Es gibt unzählige Firmen, die um die Gunst der Casino-Betreiber buhlen. In den letzten Jahren hat sich sehr schön gezeigt, dass gerade die Unternehmen, die innovative Spiele auf den Markt bringen, einen echten Wettbewerbsvorteil haben. Aber Innovation funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter auf einem hohen Niveau unterwegs sind und auch entsprechend individuell gefördert werden. Gerade bei den Programmierern ist zudem wichtig zu erkennen, dass die Glücksspielbranche mit vielen anderen Branchen um die besten Leute konkurriert. Noch nie war es so schwierig, die besten IT-Leute auf dem Markt zu bekommen, da alle Branchen mittlerweile auf Digitalisierung setzen.

Digitalisierung in vielen Unternehmen noch unvollendet

Viele Spielehersteller und Casino-Betreiber sind erst im Laufe des letzten Jahrzehnts entstanden. Das gilt zumindest für die Online-Anbieter. Aber es gibt auch viele alte Firmen, die sich schon seit Jahrzehnten auf dem Markt behaupten. Die jungen Unternehmen haben schon digital begonnen und sind zum größten Teil komplett digitalisiert. Aber anders ist die Situation bei vielen älteren Firmen. Auch wenn die Glücksspielbranche im Vergleich zu anderen Branchen besser aufgestellt sein mag, hat sich doch gerade in der Krise gezeigt, dass es bei der Digitalisierung noch einige Lücken gibt. Grundsätzlich sollte es das Ziel aller modernen Unternehmen sein, sämtliche Geschäftsabläufe zu digitalisieren. Das ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, denn die Digitalisierung ist kein rein technisches Thema. Auch das Personal muss entsprechend geschult sein. In der aktuellen Gesundheitskrise hat sich mehrfach gezeigt, dass das gute alte Fax in Deutschland nach wie vor eine erschreckend hohe Bedeutung hat. Klar ist aber auch, dass in der Glücksspielbranche ein Unternehmen, das die Kommunikation immer noch über Faxgeräte abwickeln würde, langfristig keine Chance hätte. Glücksspiel-Firmen müssen schnell und innovativ sein. Ohne Digitalisierung wird das in Zukunft nicht funktionieren. Immerhin ist das Problem aber durch die Krise auch bei den härtesten Digitalisierungs-Gegnern angekommen. Nicht nur in der Glücksspielbranche erwarten Experten, dass das Tempo der Digitalisierung durch die aktuelle Krise deutlich zunehmen wird.