Wenn man ehrlich ist, dann steckt man etwas in einem Dilemma. Auf der einen Seite möchte man einige Personen nicht durch mediale Aufmerksamkeit belohnen, auf der anderen Seite hat man natürlich auch eine journalistische Sorgfaltspflicht und Objektivität. Worum es eigentlich geht? Der Deutschrapper Al-Gear wurde auf der Plattform Twitch wegen Androhung von schwerer Gewalt mit seinem Account auf unbestimmte Zeit gesperrt. Nicht nur, dass er damit eine wichtige Einnahmequelle verliert, darüber hinaus dürfte sich die Anzahl seiner Follower deutlich dezimieren.  Sein „erfolgreicher“ Account zeigte ihn hauptsächlich bei Einsätzen zu Sportwetten und beim Zocken in Online Casinos. Die Musikfans kamen auf dieser Seite eindeutig zu kurz.

Twitch greift hart durch

TwitchDer aus Algerien stammende Rapper, der mit bürgerlichen Namen Abdelkader Zorgani heißt, kam nicht etwa mit einer Sportwette ins Visier von Twitch, sondern mit einer Aussage zu einem Fußballspiel. Nach der Begegnung von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln soll er gesagt haben, er „... würde am liebsten die ganze Mannschaft in Dortmund verprügeln“. Dortmund hatte unerwartet das Spiel gegen Köln verloren und damit einen schönen Tipp zerstört. Al-Gear verneint diesen Sachverhalt und beteuert „einfach nur“ ein glühender BVB-Fan zu sein. Einige Borussia Fans und auch Twitch sahen dies aber anders und so sperrte ihn das Streaming Portal kurzerhand mit den Worten: „Aufgrund der Schwere der Verletzung oder der Tatsache, dass du mehrere begangen hast, ist dein Zugang zu Twitch-Diensten auf unbefristete Zeit gesperrt. Grund: Androhung schwerer Gewalt. Androhung von Gewalt, die zu schwerem physischem Schaden gegenüber einer anderen Person führen kann.“ Blöd gelaufen, denn das war es jetzt erstmal für Al-Gear. Fast kann man bei ihm von einer typischen „Karriere“ sprechen. Vor einigen Jahren gelang ihm ein musikalischer Erfolg an der Seite von Farid Bang und führte auch zu der Gründung seines eigenen Musiklabels „Milfhunter“. Seine musikalischen Erfolge sind seitdem eher bescheiden und in Fachkreisen wird auch nicht unbedingt von einem ausufernden Talent gesprochen. Daher fand Al Gear einen anderen Weg, um zu einer gewissen Popularität zu gelangen, und zwar mit Sportwetten auf Twitch und anderen Social Media Kanälen. Auf Facebook folgen ihm mehr als 500.000 Nutzer. Er verfügt über 170.00 Youtube Abonnenten und auf Twitch folgten ihm bis zu seiner Sperre mehr als 100.000 Nutzer. Diesen präsentierte er gerne seine großen Gewinne, die er auf der einen Seite durch Sportwetten-Tipps und auf der anderen Seite durch Einsätze in Online Spielbanken erlangt haben soll.
On top werden auch schon mal gern Wettscheine gepostet, um zu beweisen, dass die Einsätze tatsächlich getätigt wurden. So präsentierte er vor kurzem einen Wettschein, der belegt, dass er mit einem Einsatz von knapp 1.000,- Euro mehr als 12.000,- Euro gewonnen hatte. Aber nicht nur bei Sportwetten kann er enorme Gewinne einstreichen. Nach seinem Bann postete er auf einem anderen Kanal eine Story, die zeigt, wie er bei einem Online Slot 20.000,- Euro mit nur einem Spiel gewann und sich seine absolute Gewinnsumme letztendlich auf stolze 40.000,- Euro summierte.

Ein leuchtendes Vorbild?

Möglich wird dies natürlich durch sehr hohe Einsätze, die wiederum nur in seriösen Online Casinos, wie Mr. Green, DrückGlück, Wunderino und Co möglich sind. Al Gear, der lange Zeit in Düsseldorf lebte und zur Zeit Malta als seine zweite Wahlheimat auserkoren hat, verlässt sich dabei auf etablierte und große Anbieter. Etwas, das er durchaus richtig macht, und das jedem anderen Spieler auch nur zu empfehlen ist. Ob der Lebensstil von Al-Gear dabei jedem zu empfehlen ist, steht auf einem anderen Papier. Die Sache mit dem schnellen Geld hat ihn schon in der Vergangenheit häufiger in Konflikt mit dem Gesetz gebracht. 2018 war der Rapper beispielsweise in den Schlagzeilen, weil er pro Auftritt angeblich bis zu 16.000,- Euro verdient hatte, aber offiziell Hartz IV bezog. Dafür gab es dann eine Anklage und eine saftige Geldstrafe obendrauf. Außerdem kostete es ihn den Verlust von einer nicht unerheblichen Anzahl an Followern, die die Aktion dann doch nicht so toll fanden.  Auf der einen Seite mimt der Rapper und Streamer den liebenden und sorgsamen Vater – seine kleine Tochter wurde von einer Leihmutter ausgetragen, da Al-Gear wohl selbst eher Schwierigkeiten mit Frauen hat – auf der anderen Seite ist er natürlich der Macher, der Macho, der Alleskönner, der Härteste unter der Sonne. Durch den aktuellen Twitch Bann ist er jetzt allerdings auch etwas ärmer. Nicht nur an Geld, sondern zusätzlich an Sympathien. Möglicherweise ist er einer anderen Ansicht, fühlt sich missverstanden oder sieht die Schuld bei anderen. Das entzieht sich unserer Kenntnis und auch unserer Urteilskraft.