Die Premier League und die EFL haben sich gegen einen Abbruch der laufenden Saison ausgesprochen. In einem gemeinsamen Schreiben mit der Football Association (FA) bekennen sich die beiden höchsten Profi-Ligen im englischen Fußball dazu, die Saison 2019/20 nicht durch einen Abbruch zu beenden. Das ist eine positive Nachricht für die Sportwettenanbieter.

Premier League und EFL auf einer Linie

Die Premier League und die EFL mussten genauso wie alle anderen großen Fußball-Ligen die laufende Saison unterbrechen. Doch eine aktuelle Vereinbarung der beiden Ligen mit der Football Association (FA) lässt zumindest Hoffnung aufkommen, dass die Saison doch noch zu einem regulären Ende gebracht werden kann. Die neue Vereinbarung schafft zumindest die nötigen Rahmenbedingungen, um die Saison doch noch abzuschließen. Beschlossen ist, dass kein Spiel vor dem 30. April stattfinden wird. Noch wichtiger ist aber, dass die FA zugestimmt hat, die Frist für die laufende Saison unbegrenzt zu verlängern. Normalerweise müssen in England die Saisonspiele bis zum 1. Juni abgeschlossen sein. Diese Frist gilt für dieses Jahr nicht mehr, sodass es theoretisch auch möglich wäre, die laufende Saison im Sommer oder im Herbst zu Ende zu spielen. Entsprechende Planspiele werden aktuell in den Verbänden und der englischen Presse nahezu täglich diskutiert. Doch auch wenn sich die Verantwortlichen erstaunlich flexibel zeigen, ist längst nicht sicher, dass die fehlenden Spiele der Saison 2019/20 irgendwann noch gespielt werden.

SportwettenDer Profifußball ist mit Sicherheit nicht das größte Opfer der aktuellen Situation. Es gibt viele Menschen, die derzeit um ihre Existenz bangen müssen. Aber auch Fußballclubs sind Wirtschaftsunternehmen mit vielen Angestellten. Es wäre ein Fehler, nur die hoch bezahlten Fußballer zu sehen, wenn es darum geht, eine Regelung für die Fortführung der Saison zu finden. Die zahlreichen Menschen, die von den Vereinen beschäftigt werden, sollten auch eine Rolle spielen bei den aktuellen Erwägungen. Allerdings muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein, damit überhaupt über eine Fortsetzung der Saison nachgedacht werden kann: England muss die Situation unter Kontrolle bringen. Was bedeutet das? Erst wenn die Anzahl der Fälle so niedrig ist, dass auch in anderen Wirtschaftsbereichen ein schrittweiser Weg zurück in die Normalität gestartet werden kann, sollte auch über eine Fortsetzung der Saison in der Premier League und der EFL nachgedacht werden. Alles andere ließe sich wahrscheinlich nur schwer vermitteln, zumal es wahrscheinlich nötig sein wird, besondere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Letztlich sind die englischen Clubs darauf angewiesen, dass die Öffentlichkeit die Fortsetzung der Saison positiv begleitet.

Wie könnte eine Fortsetzung der Saison aussehen?

Derzeit ist überhaupt nicht daran zu denken, Fußballspiele mit Publikum im Stadion auszutragen. Wer möchte schon verantworten, dass in diesen  Zeiten  50.000 Menschen oder noch mehr gleichzeitig in einem Stadion anwesend sind? Deswegen ist davon auszugehen, dass eine Fortsetzung der Saison in der Premier League und der EFL nur ohne Publikum möglich sein wird. Kurz bevor alles zum Stillstand kam, gab es bereits ein paar Spiele, zum Teil auch mit deutscher Beteiligung, die ohne Publikum ausgetragen wurden. Die sogenannten Geisterspiele sind weder bei Spielern noch bei den Fans besonders beliebt. Aber die Premier League und die EFL stehen vor einem massiven finanziellen Problem, wenn die Saison nicht beendet wird. Der hoch dotierte Fernsehvertrag, von dem vor allem die Premier League erheblich profitiert, hat natürlich Klauseln, in denen festgelegt ist, dass die Gelder nur dann fließen, wenn die Spiele stattfinden. Wenn keine Spiele stattfinden, müssen sämtliche Vereine den Gürtel deutlich enger schnallen. Das ist ein grundsätzliches Problem, zumal die Fernsehbilder mittlerweile den größten Teil der Einnahmen für die Clubs ausmachen.

In früheren Zeiten war es so, dass die Einnahmen der Clubs vor allem über die Stadionbesucher generiert wurden. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. In den 1970er Jahren wäre man vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen, Geisterspiele zu veranstalten, da die Spiele mutmaßlich höhere Kosten als Einnahmen verursacht hätten. Von den gigantischen Fernsehgeldern der heutigen Ära waren die damaligen Clubs weit entfernt. Ohne Zuschauer zu spielen hätte sich deswegen nicht gelohnt. Aber es gibt nicht nur den wirtschaftlichen Respekt. Auch aus sportlicher Sicht wäre es wünschenswert, wenn die Saison zu Ende gespielt werden könnte. Besonders betroffen ist aktuell der FC Liverpool, der nach Jahrzehnten die Möglichkeit hat, wieder einmal Meister zu werden. Aber ein paar Punkte sind noch nötig, um die Meisterschaft einzufahren. Der Vorsprung des FC Liverpool ist so groß, dass die Saison nicht einmal abgeschlossen werden müsste, um den Meistertitel perfekt zu machen. Aber ein Abbruch, der dazu führen würde, dass der FC Liverpool dann zum Meister gekürt würde auf der Basis der aktuellen Tabelle, wäre schwer vermittelbar. Viel wahrscheinlicher wäre, dass die Saison komplett gestrichen würde, wenn es doch zu einem Abbruch käme.

Auch Bundesliga-Clubs wollen unbedingt Saison beenden

Nicht nur in England sind die Clubs und die Liga-Verbände bestrebt, die Saison zu einem sportlichen Ende zu bringen. Auch in Deutschland wäre es für viele Clubs sehr schwierig, die Saison vorzeitig zu beenden. Genauso wie in England müssten viele Vereine auf wichtige Einnahmen durch Fernsehgelder verzichten. Gerüchteweise geht es bei einigen Clubs in diesem Fall sogar um die Existenz. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Fußballclubs, die Millionen-Etats bewegen, schon nach wenigen Wochen ohne Einnahmen in einer finanziellen Krise sind. Ganz offensichtlich hat auch in der Bundesliga niemand damit gerechnet, dass irgendwann die Einnahmen einmal nicht mehr fließen könnten. Das ist ein Stück weit fahrlässig, zumal die Bundesliga durchaus das Potenzial gehabt hätte, Reserven aufzubauen für Krisenzeiten. Vielleicht wird das in Zukunft passieren, denn es ist schwer vorstellbar, dass sich der Steuerzahler, der ohnehin vor gigantischen Ausgaben steht, davon überzeugen lässt, Bundesliga-Vereine zu retten. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird, wird es für einige Clubs wohl keine andere Möglichkeit geben als ein Insolvenzverfahren. Auf einige Fußballfans wartet noch der eine oder andere Schock.

Aktuell lässt sich gut in den sozialen Medien beobachten, dass viele Fußballfans die Fortsetzung der Saison nicht als oberste Priorität haben. In normalen Zeiten kann man oft den Eindruck gewinnen, dass es für viele Menschen überhaupt nichts Wichtigeres gibt als Fußball. Aber die derzeitige Lage sorgt ein Stück weit dafür, dass viele Menschen verstehen, welche Dinge wirklich wichtig sind im Leben. Und ganz offensichtlich steht der Fußball nicht ganz weit oben auf der Liste. Damit kein Missverständnis entsteht: Auch wir würden uns sehr darüber freuen, wenn die Bundesliga, die Premier League und die EFL sowie alle anderen großen Fußball-Ligen die aktuelle Saison zu Ende spielen könnten. Nicht zuletzt würden davon auch die vielen Sportwettenanbieter profitieren, die derzeit kaum noch Sportveranstaltungen für ihre Wetten zur Verfügung haben. Aber am Ende des Tages ist es vor allem wichtig, dass möglichst viele Menschen gesund und unbeschadet aus der Krise herauskommen. Wenn das am Ende dazu führt, dass der Fußball die Saison absagen muss und im nächsten Jahr dann mit Geisterspielen in die neue Saison starten muss, ist das eben so. Am Ende des Tages gibt es dann doch wichtigere Dinge als Fußball.