Das Ende der gerichtlichen Auseinandersetzungen ist besiegelt. Mike Postle gibt auf. Nachdem ihn bereits im Dezember seine Anwälte verlassen hatten und kein anderer juristischer Beistand mehr aufzutreiben war, warf der US-amerikanische Pokerspieler nun endgültig das Handtuch und zog seine Verleumdungsklage gegen zahlreiche namhafte Pokerstars zurück. Auf den Gerichtskosten bleibt er allerdings sitzen – und zwar auf denen aller Beteiligten. Es hat ziemlich lange gedauert, aber mittlerweile scheint der US-amerikanische Cash-Game-Spieler Mike Postle einzusehen, dass er ohne Anwälte keine Aussicht auf Erfolg hat. Soeben zog er die Reißleine, indem er von seiner Klage zurücktrat. Insgesamt 330 Millionen US Dollar versuchte Postle von so renommierten Spielern wie u. a. Doug Polk, Daniel Negreanu, Jonathan Little, Phil Galfond oder Joey Ingram als Schadensersatz einzufordern, weil sich diese Personen „gegen ihn ausgesprochen“ hatten.

Ist Mike Postle nach Poker-Rechtsstreit pleite?

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Selbst PokerNews und ESPN hatte er in seine Klage mit einbezogen. Nun wendet sich das Blatt allerdings, und die Auswirkungen sind für ihn fatal, denn jetzt greifen auch die von Veronica Brill und Todd Witteless eingereichten Anti SLAPP Anträge. Diese verhindern eine erneute Schadensersatzklage von Mike Postle. Und nicht nur das. On Top bleibt Postle auf den Prozesskosten hängen und muss nun auch noch für sämtliche Beteiligten die Anwaltskosten tragen. Inwieweit er sich das überhaupt leisten kann, ist äußerst fraglich, denn das Gerücht macht die Runde, dass er über keinerlei finanzielle Mittel mehr verfügt. Als Indiz hierfür gilt u. a., dass ihn seine Anwälte buchstäblich im Regen stehen ließen. Ende letzten Jahres hatte der Jurist der Gegenseite, Mac VerStandig, ein Dokument auf Twitter gepostet, aus dem hervorgeht, dass Steven T. Lowe of Lowe & Associates sich von ihrem Klienten getrennt hatten. Als Begründung war in dem Schreiben zu lesen: „Der Klient hat die schriftliche Vereinbarung zwischen der Firma und dem Kunden nicht eingehalten, und die Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Anwalt wurde ansonsten eingestellt.“ Ohne weitere Informationen zu Details, die diesem Schreiben vorausgingen, lag ab diesem Zeitpunkt die Vermutung nahe, dass Postle sich seine Anwälte nicht mehr leisten konnte. Spekulationen zufolge soll Mike Postle bis dahin finanziell unterstützt worden sein, um seine Klage überhaupt durchziehen zu können, doch angeblich hatten ihn seine „Sponsoren“ bereits verlassen. Sollte Postle für die anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten nicht aufkommen können, dann droht ihm ein offizielles Bankrott-Verfahren. Aus den US-amerikanischen Pokersälen ist Mike Postle inzwischen verschwunden. Inwieweit er seiner Leidenschaft im Internet auf einem der beliebten Poker-Portale wie u.a. 888poker, bei PokerStars oder sogar auf den Seiten der WSOP nachkommt, ist nicht bekannt.

Zukunft des Pokerspielers Mike Postle ungewiss

Ob dies nun das Ende des US-amerikanischen Pokerspielers ist, wird sich in naher Zukunft zeigen. Ihm wurde mehrfacher Betrug zur Last gelegt, allerdings konnten diese Vorwürfe niemals eindeutig nachgewiesen werden. Immer dann, wenn es Livestreams gab, spielte Mike Postle in der Stone Gambling Hall beim Cash Game alle anderen Spieler quasi an die Wand, und der Verdacht kam auf, dass bei seinen Spielen nicht alles mit rechten Dingen zuging. Seine enorme Winrate war hierfür nicht das einzige Indiz, sondern auch die Tatsache, dass er sich niemals an höhere Limits oder an andere Cash Games heran wagte – und das trotz seines angeblich so großen Talents. Irgendwann war es dann zu viel des Guten, und 80 Pokerspieler zogen gegen ihn vor Gericht. Sie warfen Postle vor, bei den Livestreams in der Stone Gambling Hall Hole Card Infos an sein Handy „umgeleitet“ bekommen zu haben, wodurch er wusste, was seine Gegner in der Hand hielten. In dieser Sammelklage wurden sie von Mac VerStandig vertreten, doch die Klage scheiterte, da man Verluste beim Glücksspiel im US-Staat Kalifornien nicht einklagen kann. Auch die Stones Gambling Hall wurde vor Gericht gezerrt. Zwischen dem Mutterunternehmen des Casinos und 60 der 80 Kläger kam es jedoch zu einer Einigung, bzw. zu einem Vergleich. Wieviel letztlich dabei heraussprang, ist nicht bekannt. Allerdings scheint es sich um deutlich weniger gehandelt zu haben, als um die eingeforderten 30 Millionen US Dollar.

Im Anschluss holte Postle zum Gegenschlag aus und verklagte alle, die ihn des Betrugs beschuldigt hatten. Insgesamt ging es um eine Schadensersatzforderung wegen Verleumdung von rund 330 Millionen US Dollar. Veronica Brill war die erste Pokerspielerin, die damals diese Vorwürfe an die Öffentlichkeit brachte. Um ihre Kosten für den anstehenden Rechtsstreit zu decken, bat sie die Poker Community um Hilfe, die dann auch innerhalb kürzester Zeit rund 25.000,- US Dollar spendete. Der professionelle US-amerikanische Pokerspieler und dreifache Bracelet-Gewinner Phil Galfond nahm sich der Sache an. Er begann zu forschen und wertete alle gespielten Hände aus. Bei dieser immensen Aufgabe erhielt er Unterstützung von der Poker Community, die alle Hände in eine spezielle Datenbank einpflegten. Galfond stellte fest, dass Mike Postle viele Hände  „extrem ungewöhnlich spielte“. Dabei waren sogenannte Hände, die „... aufgrund von Spielverlauf, Pot Odds und Hand Ranges klare Calls waren, jedoch von Postle souverän weggeworfen wurden.“