Jetzt ist es wohl soweit! Endlich scheint Licht am Ende des Tunnels zu sein. Gemeint ist der Rechtsstreit um den mutmaßlichen Betrug beim Cash Game in der Stone Gambling Hall von Citrus Heights im US Bundesstaat Kalifornien. Auch wenn die 30 Millionen US Dollar-Klage zunächst abgewiesen worden ist, werden Pokerstar Mike Postle und die Stone Gambling Hall zur Kasse gebeten. Eine Einigung aller Parteien wird derzeit im Detail erarbeitet. Der juristische Vertreter einer Sammelklage von 88 Spielern, Mac VerStanding, hatte vor Gericht den Antrag auf eine Verlängerung gestellt. Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass es zwar - oberflächlich gesehen - zu einer Einigung kam, bisher aber noch nicht jeder zugestimmt hat. 

Zweite Klage im Poker Skandal erfolglos

Poker OnlineNeben Mike Postle wurden auch Wettbewerb-Direktor Justin Kuraitis und die Stone Gambling Hall auf die stattliche Summe von 30 Millionen US Dollar verklagt. Anfang Juni wies das Gericht diese Klage jedoch zurück. Als Begründung hierfür wurde angeführt, dass die „... geltend gemachten Schäden von Natur aus spekulativ sind“. Fortgesetzt wurde der Prozess dennoch, da der Vorsitzende Richter William B. Shubb genügend Spielraum in seiner Begründung gelassen hatte.Eine andere Klage scheint sich hingegen komplett erübrigt zu haben. Zusätzlich zur Sammelklage, die Maurice „Mac“ VerStanding eingereicht hatte, gab es eine weitere klagende Protagonistin. Die US-Amerikanerin Marle Cordeiro aus Nevada zog ebenfalls gegen Mike Postle vor Gericht - und auch mit VerStandig als juristischem Vertreter. Am 4. Juni 2020 wurde diese Klage eingereicht, die sich direkt auf Mike Postle bezog. Mac VerStandig forderte eine Gerichtsverhandlung mit Jury, die allerdings abgelehnt wurde. Der gewiefte Anwalt pochte auf den „Racketeer Influenced Corrupt Organization Act“ - kurz: RICO Act und hoffte darauf, damit ein Vielfaches der ergaunerten Summe zurückzuerhalten. Immerhin ging es ganz konkret um den stattlichen Betrag von 250.000,- US Dollar.

Ein eher durchschnittlicher, wenn nicht unterdurchschnittlicher Spieler

In der Klageschrift heißt es, dass Mike Postle mehr ist, als nur ein erfolgreicher Spieler. Er hätte überdies eine sogenannte Win Rate, die man statistisch gesehen durchaus als „Ausreißer“ bezeichnen kann. Und obwohl Postle in Kalifornien lebt, würde er nie am „Live at the Bike Cash Game“ teilnehmen, selbst wenn es dort die attraktiveren Gewinne gäbe. Außerdem mache sich Mike Postle bei Spielen in der Stone Gambling Hall rar, wenn kein Live Stream zur Verfügung stünde, und dadurch weder sogenannte RFID Daten noch Infos über Hole Cards existieren. Dass Mike Postle zudem einen Partner hatte, der ihn mit eben diesen Informationen via Handy versorgte, wird in der Klage ebenfalls beschrieben. Hinzu kam, dass Postle sich komplett anders verhielt, wenn er keine „offensichtlichen Informationen“ erhalten hatte. In einigen wenigen Sessions war dies der Fall. „Er starrte nicht, wie gewöhnlich, auf seinen Schoß, neigte dazu, sein Mobiltelefon auf dem Tisch zu halten und legte mittelmäßige Analyse- und Entscheidungsfähigkeiten, die auf einen eher durchschnittlichen (wenn nicht unterdurchschnittlichen) Spieler hindeuten, an den Tag.“ Hinzu kam, dass es einen angeblichen direkten Beweis dafür gab, dass Postle die Karten kannte. Im Stream wurden bei einer PLO Session lediglich zwei Hole Cards ausgelesen. Allerdings sahen ausschließlich die Zuschauer diesen technischen Fehler. Im Anschluss an seine Session hatte sich Mike Postle direkt und ohne Umwege in den Kommentatoren-Sessel gesetzt. Verblüffend war, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt von dem Problem wusste.

James C. Mahan war der zuständige Richter, der diesen Fall auf dem Tisch hatte. Er war jedoch der Meinung, dass ein Spiel in Kalifornien auch im Zuständigkeitsbereich Kaliforniens liegt und nicht in dem von Nevada. 

Weder Können noch Zufall

Die Sammelklage ist in verschiedene Punkte unterteilt und handelt sich ebenfalls darum, dass Postles erfolgreiches Spiel weder Können noch Zufall gewesen ist und dass es sich dabei um Betrug gehandelt haben muss. Dieser wird dann auch näher beschrieben. Die Stone Gambling Hall wird darüber hinaus mit Vorwürfen bombardiert, da sie keinerlei Vorkehrungen zur Sicherheit getroffen hatte. Und obgleich immer häufiger die Vermutung ausgesprochen wurde, dass „... Postle zu perfekt spielt“, hat das Casino dem ganzen Treiben keinen Einhalt geboten. Schlimmer noch! Es hob Mike Postle im Anschluss auf eine Art Podest und bezeichnete ihn schlichtweg als Spieler von Weltklasse. Offensichtlich war dem Veranstalter dabei völlig entfallen, dass der neu geborene „Weltstar“ aus unerklärlichen Gründen so gut wie nie „off Stream“ zockte.

Die Streitsumme von 30 Millionen kommt hierbei folgendermaßen zustande: Zum einen wollen die Kläger eine Entschädigung von 10.000.000,- US Dollar für ihr verlorenes Geld von Postle zurück. Noch einmal 10.000.000,- US Dollar sollen vom Casino erstritten werden, wegen fahrlässigen Verhaltens und abermals 10.000.000,- US Dollar von dem Casino und Manager Justin Kuraitis eingefordert, weil sowohl das Unternehmen, als auch der Manager die „... ursprünglichen Anschuldigungen ignoriert“ hat. Hinzu kommt noch eine Forderung von Veronica Brill. Sie will 1.000,- US Dollar dafür, dass das Casino ihre Anschuldigungen als „Fabrikation“ abgestempelt hat. Schlussendlich war sie es, die „... den Stein ins Rollen brachte“. Nach ihr kamen dann noch Doug Polk und Joey Ingram, die für viel Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit sorgten. Sie hatten durch ihre Videos den ganzen Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Ich hätte das früher erwähnen sollen: Veronica ist diejenige, die dies weit verbreitet hat. Sie vermutete, dass Postle betrogen hatte und bat die Stone Gambling Hall, Nachforschungen anzustellen. Als sie zurückgewiesen wurde, begann sie, Poker-Blogger wie Joey zu kontaktieren. Und hier sind wir”, schrieb Doug Polk auf Twitter.