In der Welt der Spiele- und Softwarehersteller ist einiges los. Playtech hat offensichtlich seine Casual Games abgestoßen. Und zwar in aller Konsequenz. Das geht jedenfalls aus einer Pressemitteilung des US-amerikanischen Spieleherstellers Tilting Point hervor. Tilting Point gibt in dieser Meldung an, Playmee Studios und FTX Games - beides ehemalige Tochtergesellschaften von Playtech - für eine nicht näher definierte Summe gekauft zu haben. Weiter heißt es, dass zahlreiche Mitarbeiter übernommen werden sollen. Playtech will sich auf Nachfrage wieder vermehrt dem Glücksspiel widmen und hier vor allen Dingen auf die Entwicklung von Software für Sportwetten konzentrieren.

Tilting Point übernimmt Playtech-Töchter

Playtech CasinoDer 1999 gegründete Glücksspiel- und Gaming Gigant Playtech, dessen Hauptsitz auf der Isle of Man ist, expandierte schnell und war stets darum bemüht, seine Aktivitäten auch auf andere Geschäftszweige im Bereich Gaming auszuweiten. Das führte 2016 dazu, dass Playtech die Videospielentwickler Funtactix, Playmee Studios und FTX Games übernahm, die beide kostenlose mobile Spiele herstellen. Allerdings lief in den darauffolgenden Jahren nicht alles so, wie ursprünglich geplant. Das Resultat: die Aktionäre wurden immer nervöser. Da sie aber letztendlich das Sagen haben, war der Software-Riese plötzlich gezwungen, einige schwerwiegende Entscheidungen zu treffen. Dazu gehörte u.a. auch, sich wieder voll und ganz auf das Glücksspiel zu konzentrieren und sich von den Herstellern sogenannter Casual Games wie Funtactix, die jetzt ebenfalls unter FTX Games firmieren, und Playmee Studios zu trennen. Jetzt gehören die beiden Firmen zu Tilting Point. Das Unternehmen sitzt in den USA und kontrolliert nun zudem auch Playmee, dessen Sitz in St. Petersburg ist und FTX mit Sitz in San Diego, Kalifornien. Playmee Studios wurde als Herausgeber so populärer Spiele wie The Walking Dead, Criminal Minds: The Mobile Game oder auch Narcos: Cartel Wars sowie etlicher kostenloser Slots für Online Casinos bekannt. Allein Narcos: Cartel Wars soll Gerüchten zufolge seit seinem Start mehr als 60 Millionen US Dollar an Umsatz gemacht haben. Das kalifornische FTX Games ist u.a. Herausgeber von Mission: Impossible, Rocky, Power Rangers und The Hunger Games. Damit hat Tilting Point innerhalb von acht Monaten die inzwischen schon dritte Akquise für sich entscheiden können und nach der Übernahme des Technologieunternehmens Gondola sowie dem Rollenspiel Star Trek Timelines / Character Collection nun auch die Playtech Tochtergesellschaften aufgekauft. Derzeit soll Tilting Point mit seinem Kooperationspartner Big Wolf Games weiter an dem Casual Game Narcos: Idle Cartel arbeiten. Man erhofft sich dabei an den immensen Erfolg des ersten Cartel Wars Spiels anknüpfen zu können.

Playtech Aktie konstant gesunken

Playtech hatte vor fünf Jahren große Hoffnungen, dass gerade Funtactix eine vollkommen neue Ära einläuten würde. Der Softwarehersteller für Spiele ging davon aus, dass der „... Casual Gaming Sektor ein enorm positives Wachstum erzielen“ wird. Allerdings kam alles anders, als Playtech sich das damals gedacht hatte. Ein Rückschlag folgte dem anderen, und das Jahr 2020 wurde nicht besser. Ganz im Gegenteil. Die anhaltende Gesundheitskrise zwang den Konzern dazu, seine Aktivitäten beispielsweise in Italien komplett auszubremsen.  

Seit 2018 ist zudem auch noch die Aktie von Playtech annähernd konstant gesunken. So ganz langsam erholt sie sich zwar wieder, allerdings nicht schnell genug, um die Aktionäre zu beruhigen. Investoren nahmen inzwischen die Aktivitäten Playtechs genau unter die Lupe und zwangen den Spielehersteller sich wieder komplett auf seine Kernkompetenz zu beschränken: das Glücksspiel.

Tilting Point scheint froh über den soeben abgeschlossenen Deal. Playtech hat in ihren Augen ganze Arbeit geleistet und den Bereich Casual Games weiter vorangetrieben. Samir El Agili ist der Präsident des Unternehmens. Er sagt: „Playtech hat ein beeindruckendes und äußerst erfolgreiches Geschäft mit mobilen Handyspielen zusammengestellt. Bei Tilting Point teilen wir eine sehr ähnliche DNA und Expertise, um großartige Marken auf Mobilgeräte zu bringen. Wir freuen uns sehr, den Unternehmen, aus denen dieses Geschäft besteht, ein Zuhause geben zu können, da sich Playtech wieder auf sein Kerngeschäft konzentriert. “ Tilting Point CEO Kevon Segalla bestätigt diese Aussage und setzt noch etwas drauf: „Dies war eine aufregende Zeit, da die Dynamik für Tilting Point weiter zunimmt. FTX, Playmee und die großartigen Spiele, die sie gemacht haben, sind eine hervorragende Ergänzung für die wachsende Tilting Point-Familie. Für uns ist der Erwerb starker Studios die natürliche Weiterentwicklung, wenn wir unser Verlagsgeschäft weiter ausbauen. “ Beide freuen sich, den beiden Firmen Playmee Studios und FTX Games „... ein neues zu Hause bieten zu können“.

Was versteht man unter Casual Games?

Casual Games bedeutet auf gut deutsch Gelegenheitsspiele. Dabei handelt es sich um ein Modewort, das für einfache elektronische Spiele steht. Diese zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie besonders leicht zugänglich sind, über intuitive Eingabemethoden verfügen und schnelle Erfolgserlebnisse erzielen. Sie sind speziell für Personen entwickelt worden, die „... ein schnelles Spiel für zwischendurch“ suchen, ohne viel nachdenken oder anstrengende Lernprozesse durchlaufen zu müssen. Die Themen kommen aus der Welt populärer Kartenspiele oder Quiz Runden, aber auch aus dem Bereich der TV-Serien und Actionfilme. Selbst an die Hardware werden nur geringe Anforderungen gestellt. Es ist kein leistungsfähiger Spiele-Computer notwendig, sondern meist nur ein einfaches Handy. Auch viele Internet Service Provider bieten solche Spiele an, ebenso wie manche Magazine und Zeitschriften oder auch TV Sender.