Verschmelzen Playtech und DraftKings zu einem großen neuen Glücksspielkonzern? In den USA wird dieses Thema aktuell heiß diskutiert. Jason Ader, einer der großen Aktionäre von Playtech, hat sich öffentlich für eine Fusion ausgesprochen. Zuvor hatte der CEO von DraftKings bereits angedeutet, dass der Konzern in naher Zukunft die eine oder andere Übernahme machen werde. Kommt eine Fusion zwischen Playtech und DraftKings? In der Praxis wurde es sich wohl weniger um eine Fusion, als um eine freundliche Übernahme handeln. Der amerikanische Konzern DraftKings, der eine große Nummer im Sportwetten-Geschäft ist, könnte durch den Kauf von Playtech das Casino-Geschäft deutlich ankurbeln. Playtech ist vielen Glücksspiel-Fans seit langer Zeit bekannt als Anbieter von Casino-Spielen. Der Konzern ist sehr breit aufgestellt im Glücksspielbereich.

Playtech und DraftKings – was ist dran an den Gerüchten?

DraftKings Deswegen könnte DraftKings mit dem Kauf von Playtech das eigene Portfolio auf einen Schlag erheblich ausbauen. Nicht zuletzt könnte DraftKings mit dem Kauf von Playtech auch den Fußabdruck auf dem europäischen Markt wesentlich vergrößern. Für Playtech wäre eine Fusion mit DraftKings wahrscheinlich ebenfalls eine gute Sache. Auch wenn Playtech mittlerweile auf dem US-Markt vertreten ist, liegt der Marktanteil doch deutlich niedriger als bei DraftKings. Deswegen könnte Playtech erheblich davon profitieren, dass DraftKings schon in allen Staaten, die Sportwetten und Online Casinos zulassen, sehr aktiv ist. Das gesamte Portfolio von Playtech könnte umgehend von den Buchmachern und Casinos, die zu DraftKings gehören, genutzt werden. Der Marktwert von DraftKings ist deutlich höher als von Playtech, sodass eine Übernahme aus wirtschaftlicher Sicht vergleichsweise einfach machbar wäre. Allerdings überlegt man sich bei DraftKings wahrscheinlich sehr genau, ob es eine gute Idee ist, auf einem schnell wachsenden Markt viel Geld in eine Übernahme zu investieren. DraftKings benötigt gewaltige Investitionssummen, um die eigene Expansion voranzutreiben. Es wird erwartet, dass in den nächsten Monaten und Jahren viele weitere Bundesstaaten Sportwetten und Online Casinos zulassen werden. DraftKings möchte in diesen Staaten von Anfang an einen hohen Marktanteil haben.

Für Jason Ader, einen der großen Investoren bei Playtech, wäre die Fusion von DraftKings und Playtech die „perfekte“ Lösung. Nüchtern betrachtet ist das wahrscheinlich nicht ganz falsch, denn DraftKings und Playtech könnten sich sehr gut ergänzen. Es gibt auch einige Überschneidungen in den Geschäftsmodellen. Aber letztlich ist DraftKings bei den Sportwetten viel stärker aufgestellt als Playtech. Dafür bietet Playtech im Casino-Bereich eine Vielfalt und Qualität, von der DraftKings weit entfernt ist. Insofern könnte es durchaus sinnvoll sein, eine große Investition zu machen, um dann langfristig zu profitieren. Zudem hat Playtech ein sehr profitables Geschäft, sodass sich die Investition in diesen Konzern sehr schnell rechnen könnte. Die Übernahme würde im üblichen Stil stattfinden. DraftKings würde den Anteilseignern von Playtech Aktien von DraftKings zu einem bestimmten Preis anbieten. Letztlich hängt alles davon ab, ob der Preis stimmt. Aber vermutlich würde die Übernahme daran nicht scheitern. Viel wichtiger ist, ob sich die Führung von DraftKings darauf verständigen kann, Playtech zu kaufen. Für Playtech würde damit eine große Ära vorbeigehen und eine neue Ära starten. Der europäische Glücksspielmarkt ist von Playtech und den zahlreichen Playtech-Spielen und Playtech-Casinos erheblich geprägt worden. Es gab einmal Zeiten, in denen sich die Casino-Fans in Deutschland zwischen Playtech-Casinos von Microgaming-Casinos entscheiden mussten. Das versteht heute kaum noch ein Glücksspiel-Fan angesichts der unzähligen Browsercasinos mit vielen verschiedenen Herstellern im Portfolio. Aber als Playtech die ersten Casinos und Casino-Spiele auf den Markt brachte, gab es ausschließlich Download-Casinos, die wie ein Computerprogramm auf dem Rechner installiert werden mussten. Playtech hat sich weiterentwickelt und ist zu einem großen Konzern herangewachsen, der nach wie vor Casino-Spiele entwickelt, aber auch eine Casino-Plattform betreibt und viele weitere Bereiche in der Glücksspiel-Welt bearbeitet.

Günstige Gelegenheit für Übernahme?

Der Aktienkurs von Playtech ist durch die aktuelle Krise in den Keller gegangen. Deswegen könnte es eine gute Idee sein, gerade jetzt zuzuschlagen. Der Aktienkurs von DraftKings liegt bei etwa 38 Dollar im Moment. Playtech kann hingegen einen Aktienkurs von knapp vier Dollar vorweisen. Dieser Unterschied ist allerdings für sich genommen noch nicht aussagekräftig. Entscheidend ist, dass DraftKings das deutlich größere Unternehmen ist und deswegen auch eine entsprechend größere Finanzkraft hat für eine Übernahme. Es wäre schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorstellbar, dass Playtech eine Übernahme von DraftKings bewältigen könnte. Umgekehrt sollte es aber relativ leicht sein für DraftKings, Playtech zum aktuellen Aktienkurs zu kaufen. Maßgeblich bei der Übernahme ist ohnehin immer das Verhältnis zwischen den Aktienkursen. Der Kurs von Playtech lag schon deutlich über acht Euro und DraftKings ist erst im Jahr 2020 über die Schwelle von 30 Euro gelangt. An diesen beiden Zahlen wird deutlich, wie günstig die Gelegenheit ist, über Aktien eine Übernahme zu finanzieren. Ob am Ende dann von einer Übernahme oder eine Fusion die Rede ist, spielt letztlich keine Rolle. In jedem Fall wird Playtech auch nach der Verschmelzung mit DraftKings wohl ein mehr oder weniger eigenständiges Unternehmen bleiben in weiten Teilen. Immerhin geht es bei einer Übernahme vor allem darum, die Qualität von Playtech zum eigenen Portfolio hinzuzufügen. Das funktioniert aber nicht, wenn Playtech komplett umgebaut wird.

Für DraftKings stellt sich momentan die Frage, ob der Zeitpunkt richtig ist. Dabei spielen nicht nur wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. Ein Blick auf die Aktienkurse zeigt, dass es finanziell wahrscheinlich keine bessere Gelegenheit geben wird als jetzt, die Übernahme zu starten. Aber auf dem amerikanischen Glücksspielmarkt ist im Moment viel in Bewegung gekommen und es gibt auch noch andere Firmen, die für Übernahmen infrage kommen. Deswegen wird DraftKings wahrscheinlich in den nächsten Wochen und Monaten genau prüfen, ob Playtech die beste Wahl ist. Auch andere Firmen würden sich anbieten, um das Portfolio deutlich zu verbreitern. Klar scheint aber, dass DraftKings auf der Suche ist nach einem Casino-Spezialisten. In Europa gibt es einige große Firmen, die grundsätzlich gut geeignet wären für eine Fusion. Vielleicht wird es am Ende auch daran hängen, ob auf der persönlichen Ebene zwischen den Vorständen eine gute Chemie entsteht. Letztlich wäre DraftKings bei einer Übernahme darauf angewiesen, dass das Unternehmen Playtech in Zukunft weiterhin gut funktioniert. Es ist zwar möglich, den Vorstand von Playtech nach einer Übernahme auszutauschen. Aber ob das immer die beste Idee ist, darf zumindest bezweifelt werden. Die optimale Lösung bei Übernahmen besteht oft darin, ein erfolgreiches Unternehmen weiterhin nach den alten Rezepten arbeiten zu lassen und zugleich Synergieeffekte zu nutzen, um die Kosteneffizienz zu steigern. Eine Alternative zu einer Übernahme eines Casino-Spezialisten könnte allerdings auch sein, dass DraftKings eine eigene Casino-Abteilung aufbaut. Das wäre allerdings ein großes Projekt und es wäre keineswegs klar, ob dieses Projekt am Ende genauso effizient wäre wie eine Übernahme von Playtech oder einem anderen Glücksspiel-Spezialisten.

Kommt jetzt die große Fusionswelle in der Glücksspielbranche?

Die Fusion zwischen Evolution Gaming und NetEnt hat zuletzt die Glücksspielbranche aufgeschreckt. Der Deal ist noch nicht komplett abgewickelt, aber es spricht vieles dafür, dass NetEnt schon bald zu Evolution Gaming gehören wird. Einige weitere Übernahmen könnten folgen. Wenn DraftKings sich dazu entscheidet, Playtech zu kaufen, wäre das eine große Sache. Aber auch andere große Konzerne werden sich im Moment ganz genau anschauen, ob es nicht geeignete Übernahmekandidaten gibt. Einige Firmen sind an der Börse unter die Räder gekommen und deswegen könnte es gute Kaufgelegenheiten geben für ambitionierte Glücksspielkonzerne. Letztlich ist aber nicht allein der Preis entscheidend. Viel wichtiger ist die strategische Perspektive. Maßgeblich muss immer sein, ob durch eine Übernahme oder eine Fusion die Qualität des Unternehmens insgesamt deutlich verbessert wird. Nur wenn das der Fall ist, lohnt es sich überhaupt, über eine Übernahme oder eine Fusion ernsthaft nachzudenken. Es gibt durchaus Beispiele für Fusionen, die nicht erfolgreich gelaufen sind. Größe ist zwar ein wichtiger Faktor in einer hart umkämpften Branche wie der Glücksspielindustrie. Aber wenn eine Fusion zwei Unternehmen zusammenbringt, die inhaltlich nicht gut zusammenpassen, kann es auch einen negativen Effekt geben. Das wäre bei einer Fusion zwischen DraftKings und Playtech wahrscheinlich nicht zu erwarten, da die Geschäftsfelder insgesamt gut miteinander harmonieren.

Warum gibt es den Drang, Unternehmen zu vergrößern? Ein Blick in andere Branchen zeigt, dass es völlig normal ist, dass ein schnell wachsender Markt als Nebenprodukt Fusionen produziert. Kleine Unternehmen haben es schwer, sich gegen große Konzerne durchzusetzen. Auf der anderen Seite suchen große Konzerne immer nach Möglichkeiten, die geschäftliche Basis zu verbreitern. Die einfachste Möglichkeit, die Basis zu vergrößern besteht darin, einen klugen Kauf eines anderen Unternehmens zu bewerkstelligen. Der große Vorteil ist, dass die Basis sofort vergrößert wird und nicht mittelfristig oder langfristig. Gute Fusionen können dazu beitragen, dass ein Unternehmen oder ein Konzern schneller wächst. Im Fall von DraftKings wäre eine direkte Folge, dass der neue Konzern in der Glücksspielbranche weltweit einen deutlich größeren Marktanteil hätte. Für viele deutsche Glücksspiel-Fans ist vielleicht vor allem spannend, dass DraftKings durch die Fusion mit Playtech eine einfache Möglichkeit hätte, mit dem Sportwetten-Geschäft auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern Fuß zu fassen. Aber bevor so weit ist, muss sich der Vorstand von DraftKings zunächst darüber klar werden, ob eine Fusion überhaupt gewünscht ist. In der Glücksspielbranche könnten in den nächsten Monaten einige spannende Fusionen angekündigt werden. Es bleibt in jedem Fall spannend.