Der Glücksspielanbieter Playtech hat im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 22,5 Prozent erlitten. Das ist eine dramatische Zahl, die sehr gut verdeutlicht, wie heftig die Auswirkungen der aktuellen Krise für viele Firmen in der Glücksspielindustrie sind. Das gesamte Jahr 2020 wird für Playtech schwierig bleiben. Im ersten Halbjahr 2020 hat Playtech einen Umsatz von 564 Millionen Euro erzielt. Das ist ein Minus von 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ob wohl das Finanzunternehmen TradeTech, das zur Playtech-Gruppe gehört, ein sehr gutes Ergebnis verzeichnen konnte, reichte es insgesamt nicht für gute Zahlen. Die gesamte Glücksspielindustrie mit Ausnahme des Online-Glücksspiels ist in der ersten Jahreshälfte 2020 heftig unter die Räder gekommen. Für Playtech kommt es nun darauf an, in den nächsten Monaten die Zahlen zu verbessern, um die Situation nicht noch weiter zu verschlimmern.

Dramatischer Umsatzrückgang bei Playtech

Playtech CasinoDer Umsatz mit Glücksspiel ist immerhin um 30,8 Prozent gesunken. An dieser Zahl wird deutlich, dass es ohne das gute Ergebnis von TradeTech für Playtech noch schlimmer gekommen wäre. Spannenderweise möchte Playtech TradeTech verkaufen. Ob das angesichts der aktuellen Zahlen wirklich eine gute Idee ist, darf zumindest bezweifelt werden. Viele deutsche Glücksspiel-Fans kennen Playtech vor allem als Anbieter von Online-Slot und Online Casinos. Aber Playtech verdient sehr viel Geld mit Glücksspielen in landbasierten Casinos. Der traditionsreiche Spielehersteller liefert die Software für viele Automatenspiele in Casinos auf der ganzen Welt. Unter normalen Umständen würden wahrscheinlich die meisten Analysten positiv anmerken, dass es eine gute Idee ist, nicht nur auf Online-Glücksspiel zu setzen. Aber im ersten Halbjahr 2020 war es nicht besonders hilfreich, auf landbasiertes Glücksspiel angewiesen zu sein. Viele Beton-Casinos mussten ihre Pforten schließen und dementsprechend sind dann auch die Einnahmen von Playtech in den Keller gegangen.

Auch im zweiten Halbjahr 2020 rechnet Playtech nicht mit hohen Einnahmen aus dem landbasierten Glücksspiel. Es gilt als nahezu ausgeschlossen, dass die Zahlen des Vorjahres erreicht werden. In den letzten Jahren ist Playtech von Rekord zu Rekord geeilt. Doch in diesem Jahr und vermutlich auch in den nächsten Jahren wird es vor allem darauf ankommen, wieder die Zahlen aus dem Jahr 2019 zu erreichen. Aktuell muss Playtech davon ausgehen, dass viele Casinos noch sehr lange mit niedrigeren Umsätzen als in den Vorjahren kalkulieren müssen. Es gibt fast überall spezielle Hygienevorschriften, die es unmöglich machen, die Casinos in gewohnter Weise zu füllen. Zudem ist auch die Nachfrage zurückgegangen. Viele Glücksspiel-Fans bleiben zu Hause und verzichten auf den Casino-Besuch. Das wird sich nicht so schnell ändern und deswegen ist es für Playtech wichtig, eine Strategie umzusetzen, die mit geringeren Umsätzen kalkuliert. Es gibt einige Finanzanalysten, die ein Wiedererstarken der Casino-Industrie nicht vor 2023 erwarten. Vielleicht geht alles ein bisschen schneller. Aber Playtech muss sich auf eine schwierige Übergangsphase bis zur vollständigen Lösung der Krise einstellen. Allerdings sollte das durchaus möglich sein, denn auch die aktuellen Zahlen sind noch vergleichsweise gut. Wenn das landbasierte Casino-Geschäft wieder solide Einnahmen bringt, dürfte das Ergebnis für das zweite Halbjahr 2020 deutlich besser ausfallen als für das erste Halbjahr. Ein richtig gutes Ergebnis wird es allerdings auch im zweiten Halbjahr aller Voraussicht nach nicht geben. In vielen Ländern ist die Lage schwierig oder unübersichtlich, sodass die klassischen Beton-Casinos auch in den nächsten Monaten nicht einmal ansatzweise die alten Umsatzhöhen erreichen werden.

Retail-Geschäft bringt Playtech in Schwierigkeiten

Wenn vom Retail-Geschäft die Rede ist, geht es um klassische Ladengeschäfte, landbasierte Casinos und Wettbüros. Richtig gelesen: Playtech hat auch eine große Sportwetten-Sektion. Die Sportwetten-Fans wissen, dass im ersten Halbjahr teilweise überhaupt keine Sportwetten verfügbar waren, da es keine Sportveranstaltungen gab. Viele Wettbüros mussten zudem schließen. Für Playtech ist das gesamte Retail-Geschäft im ersten Halbjahr 2020 eine große Enttäuschung gewesen. Hinzu kamen dann auch noch die Online-Sportwetten, die deutlich niedrigere Umsätze gebracht haben als im letzten Jahr. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie schlecht die Stimmung in den Playtech-Büros im ersten Halbjahr 2020 war. Nach jeder schlechten Meldung gab es eine weitere schlechte Meldung, bis sich dann irgendwann in Richtung Mitte des Jahres die Situation in vielen Ländern etwas besserte. Doch unter dem Strich steht ein dickes Minus und das ist ein Problem für einen Anbieter, der in vielen verschiedenen Ländern zahlreiche Mitarbeiter beschäftigt. Derzeit ist noch nicht absehbar, wie schnell sich das klassische Casino-Geschäft erholen wird. Die Wettbüros funktionieren in vielen Ländern wieder recht gut, da zahlreiche Sportveranstaltungen wieder stattfinden. Zudem ist die Aufenthaltsdauer in einem Wettbüro nicht notwendigerweise sehr lang. Deswegen ist es für viele Sportwetten-Fans auch psychologisch vielleicht einfacher, wieder ein Wettbüro zu besuchen. Zudem gibt es bei Playtech auch viele Online-Buchmacher im Portfolio, sodass es auch diese Alternative für Sportwetten-Fans gibt, die kein klassisches Wettbüro besuchen möchten.

Bei Playtech und vielen anderen Glücksspielanbietern gibt es im Moment Grund für vorsichtigen Optimismus. Vor allem in Europa und den USA gibt es wieder viele Länder, die Casinos geöffnet haben. Auch in den asiatischen Ländern, in denen Playtech unterwegs ist, normalisiert sich die Lage ein Stück weit. Aber was passiert, wenn wieder viele Casinos schließen müssen? Im Herbst und im Winter könnte das durchaus passieren, zumal in vielen Ländern die Lage nicht wirklich unter Kontrolle ist. Das wäre ein riesiges Problem für die Casino-Betreiber, aber auch für einen Spiele-Spezialisten wie Playtech. Zum Verständnis: Ein Spieleanbieter wie Playtech ist in der Regel an den Umsätzen und den Gewinnen beteiligt. Deswegen ist es ein großes Problem, wenn keine Spiele stattfinden. Viele Glücksspiel-Fans glauben, dass nur die Casino-Betreiber Geld verdienen mit den Glücksspielen. Aber speziell bei den Automatenspielen ist das fast überall anders. Auch in deutschen Casinos verdienen die Automatenhersteller in der Regel mit, wenn Glücksspiel-Fans die Spielautomaten nutzen. Das ist ein etabliertes Geschäftsmodell. Zudem haben Anbieter wie Playtech in vielen Ländern auch eigene Spielhallen, sodass der gesamte Umsatz dem eigenen Unternehmen zugutekommt. Playtech wird die aktuelle Krise überstehen. Der heutige Konzern war einst ein kleiner Spielehersteller, der sich dann im Laufe von gut zwei Jahrzehnten zu einem der Top-Glücksspielanbieter weltweit entwickelt hat. Die aktuelle Krise trifft viele Unternehmen in der Glücksspielbranche, sodass es im Moment auch für die Konkurrenten von Playtech keine realistische Möglichkeit gibt, die Situation auszunutzen. Im Gegenteil: Playtech ist ein sehr gesunder Konzern, der wahrscheinlich deutlich bessere finanzielle Möglichkeiten als viele Konkurrenten hat, gut durch die Krise zu kommen.

Online Casinos bewahren Playtech vor größerem Schaden

Ohne die Online Casinos sähe die Bilanz von Playtech für das erste Halbjahr 2020 noch deutlich schlechter aus. Während die landbasierten Casinos und Wettbüros heftige Ausfälle verursachten, konnten die Online Casinos fast überall deutlich zulegen. Playtech konnte den Umsatz mit Online-Glücksspielen im ersten Halbjahr um 37 Prozent steigern. Das ist eine beeindruckende Zahl, die zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mehr überraschend ist. Schon diverse Glücksspielanbieter haben in den letzten Wochen vermeldet, dass die Umsätze in den Online Casinos nach oben gegangen sind. Überraschend sollte das niemanden, denn wenn die landbasierten Casinos nicht verfügbar sind, liegt es auf der Hand, dass die Glücksspiel-Fans nach Alternativen im Internet suchen. Zudem hatten auch schon vor der Krise die Online Casinos sehr viele Kunden. Viele Glücksspiel-Fans spielen aber nicht nur online, sondern auch in Spielhallen und Spielbanken. Wenn das Offline-Angebot jedoch komplett ausfällt oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht, profitieren in dieser Kundengruppe natürlich die Online Casinos überproportional. Playtech konnte zudem im ersten Halbjahr einige wichtige neue Kunden gewinnen. Unter anderem konnten umfassende Kooperationen mit GVC Holdings vermeldet werden. Insgesamt hat Playtech 50 neue Casino-Marken unter Vertrag nehmen können. Das ist eine beeindruckende Bilanz, die weit über die aktuelle Krise hinaus positiv wirken dürfte. Neben den Online Casinos konnte vor allem Online-Bingo im Playtech-Portfolio überzeugen. Aus deutscher Sicht ist das vielleicht nicht leicht nachvollziehbar, da Bingo in Deutschland nicht sonderlich populär ist. Aber in Großbritannien, Spanien und vielen asiatischen Ländern ist Bingo eine große Sache.

Langfristig gute Perspektiven für Playtech

Die aktuelle Krise hat Playtech härter getroffen als viele andere Glücksspielanbieter. Vor allem die Firmen, die ausschließlich auf Online-Glücksspiel setzen, konnten deutlich besser abschneiden. Aber die aktuellen Probleme werden Playtech allenfalls kurzfristig zurückwerfen. Insgesamt ist der Konzern sehr gut aufgestellt. Das Online-Glücksspiel wird durch die Krise schneller wachsen als geplant. Das ist langfristig wahrscheinlich gut für Playtech, zumal niemand ausschließen kann, dass es nicht bald schon wieder eine ähnliche Krise geben wird. Viele Glücksspielanbieter sind im Moment dabei, das Online-Portfolio auszubauen, um besser gerüstet zu sein für ähnliche Situationen in der Zukunft. Darüber hinaus ist Playtech auf dem Weg, neue Märkte zu erobern. Der US-Markt ist für Playtech ein besonders wichtiges Ziel. Schon jetzt gibt es erste Online Casinos in New Jersey, die mit Playtech-Spielen ausgestattet sind. Auch das Sportwetten-Geschäft könnte in den USA für Playtech wichtig werden in den nächsten Jahren. Darüber hinaus plant Playtech eine Expansion auf den südamerikanischen Markt. In Mexiko, Costa Rica und Guatemala hat Playtech bereits Kooperationspartner gefunden, um in den nächsten Jahren das Angebot zu vergrößern. Playtech hat einen heftigen Rückschlag erlitten im ersten Halbjahr 2020 und wird eine Weile brauchen, um sich komplett zu erholen. Aber weltweit ist die Glücksspielbranche nach wie vor in einem großen Wachstumstrend und davon wird Playtech aller Voraussicht auch in Zukunft profitieren.