Irgendwie kann man den Mann ja verstehen, und dass er ausflippte. Es hätten nur noch fünf Drehtage gefehlt, um sein neuestes Werk fertigzustellen, und dann kam die Krise dazwischen. Das war im Juni dieses Jahres. Aber nun konnte der erfolgreiche US-amerikanische Regisseur Paul Schrader, bekannt durch zahlreiche Filme, bei denen er Regie führte oder für die er das Drehbuch schrieb, wie unter anderem „Ein Mann für gewisse Stunden“, Forever Mine – Eine verhängnisvolle Affäre“, „Taxidriver“ oder „Wie ein wilder Stier“, seinen Film über einen Spieler „The Card Counter“ fertigstellen.

Dieser Weg wird kein leichter sein

Casino FilmDa war aber jemand mächtig sauer. Um es mal salopp zu sagen: Er hatte eine Stinkwut. Der amerikanische Filmregisseur und Drehbuchautor Paul Schrader wurde bei den Dreharbeiten zu seinem neuesten Film jäh von der Gesundheitskrise erwischt und konnte die letzten Drehtage bis zur Fertigstellung seines Filmes nicht realisieren. Wie er auf seiner Facebook-Seite berichtete: „Die Produktion wurde fünf Tage vor dem Wrap durch meine pussifizierten Produzenten eingestellt, weil ein LA-Dayplayer krank war".  Und weiter heißt es:„Ich selbst hätte durch Höllenfeuerregen geschossen, um den Film fertigzustellen. Ich bin alt und asthmatisch. Wie kann man besser sterben als bei der Arbeit? “ Wie gesagt, da war jemand richtig sauer. Nun scheint aber diese Wut verflogen zu sein, denn wie mitgeteilt wurde, war der Film am Sonntag den 12. Juni nun endlich im Kasten. Und man darf gespannt sein. Nicht nur, weil sich eines der bekanntesten amerikanischen Indie-Studios „Focus Features“ die Rechte am Vertrieb des Streifens gesichert hat (in Deutschland wird der Film dann über „Weltvertrieb“ laufen) und man somit schon mal von der Klasse des Films überzeugt sein kann, sondern auch das Thema ist gerade für die Freunde des Glücksspiels besonders interessant. Worum wird es in dem Film gehen?

Oscar Isaac spielt den ehemaligen Soldaten und jetzigen Kartenspieler William Tell. Doch als er auf Cirk (Tye Sheridan) trifft, einen verletzlichen und wütenden jungen Mann, gerät sein Leben noch mehr aus den Fugen, Cirk bittet ihn nämlich darum, ihm zu helfen Rache an einem Colonel des Militärs zu üben. Tell sieht darin eine neue Chance für sein Leben, ohne jedoch die möglichen Konsequenzen abzuwägen. Gemeinsam mit der mysteriösen Glücksspiel-Geldgeberin La Linda, gespielt von Tiffany Haddish, will das Trio dazu ein Turnier der World Series of Poker in Las Vegas gewinnen.

Von dieser Arbeit war man bei Focus Features restlos überzeugt und wie Peter Kujawski, 1. Vorsitzender bei Focus Features erklärte: „In einer Zeit, in der sich viele von uns fragen, ob es unsere Umstände sind, die Seelen korrumpieren, oder ob es korrupte Seelen sind, die die Umstände schaffen, kann niemand sicher sagen, aber hat jemand dies mehr im Film untersucht als Paul Schrader? Wir alle bei Focus können es kaum erwarten, zu hören und zu sehen, was Paul jetzt mehr denn je zu sagen hat, und wir sind sehr stolz darauf, ihm zu helfen, diese Geschichte in die Welt zu bringen." Bei der Entscheidung für den Film hat es sicherlich auch nicht geschadet, dass Martin Scorsese als Executive Producer mitwirkt. Haben beide doch mit „Taxidriver“ und „Wie ein wilder Stier“ epochale Meilensteine der Filmkunst geschaffen.

Auch andere hat es erwischt

Paul Schrader ist beileibe nicht der einzige Filmschaffende, der unter der aktuellen Krise zu leiden hat. Es hat die komplette Branche getroffen. Nicht nur, dass viele Produktionen abgebrochen oder verschoben wurden, auch der Start vieler Filme an den Kinokassen wurde verschoben. Zum einen hatten die Kinos (und haben es in einigen Ländern immer noch nicht) geöffnet, zum anderen wurden die Produktionen einfach nicht fertig. Eines der prominentesten Opfer ist sicherlich der neuste James Bond Film „Keine Zeit zum Sterben“, der jetzt erst im November starten soll. Aber auch viele andere Blockbuster hat es getroffen, um nur einige zu nennen: Alle „Avatar“ Sequels wurden verschoben. Das heißt: „Avatar 2“ kommt erst im Dezember 2022 in die Kinos. Auch die neuen Filme der „Star Wars“ Reihe wurden auf unbestimmte Zeit nach hinten geschoben. „Mission Impossible 7“ und „Spider Man 3“ werden erst im Winter starten und „Matrix 4“ voraussichtlich erst 2022. Betroffen sind auch folgende Blockbuster: „Spider Man: Into the Spider_Verse 2 „, „John Wick 4“, Fast & Furious 9“, „Godzilla vs. Kong“, „The Batman“, Wonder Woman 1984“, „Ghostbuster: Legacy“ und, und, und...

Einen genauen Starttermin für Paul Schraders neuesten Film gibt es übrigens auch noch nicht. Es werden zwar wieder Produktionen aufgenommen, aber gerade die Situation in den Vereinigten Staaten ist aktuell nicht einzuschätzen. Es kann also durchaus möglich sein, dass es zu weiteren Verschiebungen kommt, wenn Produktionen wieder ausgesetzt werden oder Kinos wieder schließen müssen. Und sicherlich werden auch die Produktionsfirmen unter der wirtschaftlichen Situation leiden, da sie keine Einnahmen mehr haben. Von der großen Menge der Menschen mal abgesehen, die direkt oder indirekt vom Film abhängig sind. Sicherlich, die ganz Großen, wie Tom Hanks, Johnny Depp und andere sollten eigentlich ein großzügiges finanzielles Polster haben, um die Krise zu überstehen, aber das Gros der Schauspielerinnen und Schauspieler wird in arge Nöte geraten. Drücken wir ihnen die Daumen, dass es bald wieder aufwärts geht.