Es ist eigentlich ganz gut gemeint. Ein Bestandteil des neuen Glücksspielstaatsvertrags soll ein Einzahlungslimit bei Online Casinos von 1.000,- Euro sein. Als Schutz für Spielerinnen und Spieler gedacht, soll dies verhindern, dass ungehemmt Einsätze getätigt werden und somit theoretisch und praktisch Haus und Hof verspielt werden könnten. Allerdings kommt jetzt eine britische Studie zu einem ganz anderen Ergebnis: Das nämlich flexible Einzahlungslimits viele besser dazu geeignet sind, Spielerinnen und Spieler daran zu hindern, ungehemmt Einsätze zu tätigen. Die britische Spielerschutz Organisation GambleAware gab vor einigen Monaten eine Studie in Auftrag, die sich mit der Nutzung und Handhabung von Einzahlungslimits für Online Casinos beschäftigt. Dabei kam es zu dem sehr erstaunlichen Ergebnis, dass Spielerinnen und Spieler ihre geplanten Ausgaben für das Glücksspiel um 46% einschränkten, wenn sie das Einzahlungslimit im Online Casino selbst festlegen konnten. Die Studie wurde vom Behavioural Insights Team (BIT) durchgeführt worden. Die Verhaltensforscher kamen zu dem Schluss, dass Einzahlungslimit-Tools und die Art ihrer Präsentation Einfluss darauf haben, wie hoch das Limit ist, welches ein Spieler oder eine Spielerin festlegt.

Sind flexible Einzahlungslimits der richtige Weg?

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Solche Tools sind als Drop-Down-Menü häufig auf Seiten britischer Online Glücksspielanbieter zu finden. Für die Studie wurden 1.731 Probanden der Plattform bet365 zufällig ausgewählt. Diese wurden daraufhin in drei Gruppen unterteilt. Jedes Mitglied einer Gruppe wurde aufgefordert ein Limit festzulegen. Dabei wurde allerdings jeder Gruppe eine unterschiedliche Version der Einzahlungslimit-Seite präsentiert. Bei der ersten Gruppe mit 556 Spielerinnen und Spielern wurde ein einfaches Textfeld angezeigt, in welchem die User ein beliebiges Limit eintragen konnten. Bei der zweiten Gruppe mit 571 Benutzern wurde eine Reihe von Limits bis zu 250,- GBP sowie die Option „No Limit“ vorgeschlagen. Bei der dritten Gruppe mit 604 Spielerinnen und Spielern wurde die normale bet365 Seite angezeigt. Die Ergebnisse wurden nach 30 Tagen ausgewertet und waren zumindest so nicht zu erwarten. Das niedrigste Limit wurde demnach von der Gruppe Eins festgelegt mit 360,- Britischen Pfund. Die Gruppe mit dem vorgegeben niedrigen Limit setze im Durchschnitt 426,- Britische Pfund und die Gruppe der normalen Einstiegsseite setzte 445,- Britische Pfund. Eine Beraterin des Consumer Markets and Business-Teams bei BIT, Rosanna Barry, erklärt: „Dieser Bericht ist der Höhepunkt einer Vielzahl detaillierter Arbeiten des BIT-Teams. Er zeigt, wie scheinbar oberflächliche Änderungen an der Art und Weise, wie Glücksspielseiten Einzahlungs-Tools anbieten, […] den Spielern und der Gesellschaft insgesamt große Vorteile bringen, ohne die Auswahlmöglichkeiten der Kunden einzuschränken.“ Dementsprechend fiel auch die Empfehlung der Wissenschaftler aus. Sie raten dazu keine vorgeschriebenen Einsatzlimits zu benutzen, sondern den Usern die freie Wahl zu lassen.

Zähes Ringen um Einzahlungslimits in Online Casinos

Die Verhandlungen über den neuen Glücksspielstaatsvertrag waren lang und zäh und sind eventuell auch noch immer nicht vorbei. Es fehlt die endgültige Ratifizierung durch die Länderchefs. Aber ein Eckpunkt des neuen Vertrages soll ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000,- Euro sein. Dies soll die Spielerinnen und Spieler davor schützen, zu viel Geld zu verzocken und in eine Schuldenfalle zu geraten. Andere Länder haben es vorgemacht. So liegt zum Beispiel das Einzahlungslimit in Norwegen bei 2.000,- Euro. Doch das Einzahlungslimit ist nicht unumstritten als wirksamer Schutz. Tobias Hayer von der Universität Bremen forscht zum Thema Glücksspiel. Er vertritt die Meinung, dass ein Limit den Spielern eine völlig falsche Botschaft sende.  „Die Grenze erweckt den Eindruck, dass es üblich sei, 1.000,- Euro im Monat zu verzocken.“ Dies sei völlig zu hoch angesetzt, denn der deutsche Bundesbürger verfügt im Durchschnitt gerade über diese 1.000,- Euro als Einnahmen. In einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heißt es zu diesem Thema: „Besonders regelmäßiges Spielen und Geldeinsätze von über 100,- Euro pro Monat hängen signifikant mit mindestens problematischem Spielverhalten zusammen.“ Sein Kollege von der Universität Bremen, Gerhard Meyer, widerspricht der These Hayers und der Bundeszentrale: „Es nicht auszuschließen, dass mit der Einzahl-Grenze ein gewisser Aufforderungscharakter einhergeht und der Spieler, wenn auch unbewusst, bis zu dieser Grenze spielt.“ Hayer spricht auch davon, dass sich der Konkurrenzdruck unter den Anbietern verschärfen würde mit dem 1.000,- Euro Einzahlungslimit: „Der beste Spieler fürs Online Casino ist der Vielspieler. Und das Ziel eines Glücksspielanbieters ist, dass der volle Betrag bei ihm landet. Also erhöht er die Werbung und Regularien werden voll ausgereizt. Spieler- und Jugendschutz verkümmern.“ Als Alternative zu dem Limit empfiehlt der Experte ein System, in dem sich die Spieler mit anderen vergleichen können:  „Ein Zocker sieht: Der durchschnittliche Spieler gibt Betrag X aus, und ich liege darüber. Das kann einen präventiven Effekt haben. Natürlich müssten diese Angaben immer auf aktuellen Forschungsbefunden basieren.“