Müssen Online Casinos für Verluste eine Rückerstattung leisten? Das Amtsgericht Euskirchen kommt in einem aktuellen Verfahren zu einem klaren Urteil: Es gibt keinen Anspruch, die eingezahlten Gelder zurückzufordern. Das Amtsgericht Euskirchen bestätigt damit die Einschätzung der Landgerichte in Duisburg und München bei ähnlichen Fällen in den letzten Monaten. In den letzten Monaten hat es einigen Wirbel um Klagen von Spielern gegeben, die in Online Casinos Geld verloren hatten und vor Gericht versuchten, die verlorenen Einsätze zurückzubekommen. In wenigen Fällen ist das zumindest in der ersten Instanz gelungen. Aber zuletzt haben die Landgerichte in Duisburg und München ausführlich begründet, warum eine Rückerstattung in solchen Fällen nicht rechtmäßig sei. Auch das Amtsgericht Euskirchen hat in einem aktuellen Fall klar und eindeutig dargelegt, warum Online-Spieler keine Möglichkeit haben, verlorenes Geld von Betreibern von Online Casinos zurückzuerhalten.

Online spielen und dann verlorenes Geld zurückerstatten lassen?

Online Casino Gesetz Glücksspiel

Die Begründung ist letztlich ganz einfach: Der Kläger konnte schon vorher wissen, dass es sich um einen Anbieter handelt, der keine deutsche Lizenz haben. Das hat den Kläger aber nicht gestört. Erst als Verluste entstanden sind, wollte der Kläger dann per Rückerstattung das Online Casino belangen. Diesen einfachen Weg hat das Amtsgericht Euskirchen aber nun abgelehnt. In der Urteilsbegründung nimmt das Amtsgericht Euskirchen an, dass das betreffende Online Casino nicht zugelassen ist in Deutschland. Ob das wirklich stimmt, ist eine umstrittene Frage, zumindest im Falle der Online Casinos mit EU-Lizenzen. Aber selbst wenn keine gültige Konzession vorhanden ist, kann ein Spieler nicht einfach Geld zurückverlangen. Nach Einschätzung des Amtsgerichts Euskirchen hat das Online Casino ein faires Angebot gemacht und genau das geliefert, was der Spieler haben wollte. Bei Glücksspielen liegt es in der Natur der Sache, dass nicht jeder immer gewinnen kann. Aber das ist kein Grund, Spieleinsätze zurückzufordern. Genau genommen habe das Online Casino genau das geboten, was der Spieler haben wollte.

Der Kläger hätte nach Ansicht des Amtsgerichts Euskirchen überhaupt nicht am Spiel teilnehmen dürfen. Nicht zuletzt habe es entsprechende Klauseln in den AGB des Glücksspielanbieters gegeben, die den Spieler darauf hinweisen, dass er die Rechtslage an seinem Wohnort prüfen müsse, bevor eine Teilnahme stattfinde. Ein Schaden sei im juristischen Sinne nicht entstanden. Wie kann das sein, wenn der Spieler doch Geld verloren hat? Nach Einschätzung des Amtsgerichts Euskirchen ist das nicht entscheidend. Maßgeblich ist, dass das Online Casino Glücksspiele in der zugesagten Art und Weise angeboten hat. Auch in einer Spielbank in Deutschland erwartet kein Besucher einen sicheren Gewinn. Entscheidend ist, ob die Spiele fair und korrekt angeboten werden. Für viele Glücksspiel-Fans, die im Moment darauf hoffen, Verluste aus den letzten Jahren mithilfe von Anwälten einzuklagen, ist das Urteil in Euskirchen ein weiterer Dämpfer.

Höchstrichterliche Entscheidung dringend benötigt

Unsicherheit ist ein großes Problem für alle Unternehmen. Die Glücksspielanbieter, die im Moment von Klagen betroffen sind, können nicht seriös einschätzen, ob irgendwann Verluste in großer Höhe erstattet werden müssen. Deswegen gibt es sogar schon einige Glücksspielanbieter in Europa, die Rücklagen bilden. Es wäre wichtig, Rechtssicherheit zu schaffen. Wahrscheinlich funktioniert dies nur über eine höchstrichterliche Entscheidung. Am Ende müssen vielleicht sogar EU-Gerichte entscheiden, ob die EU-Lizenzen, die bislang die entscheidende Basis für Glücksspielanbieter in Deutschland und vielen anderen Ländern waren, zulässig waren und sind. Die Glücksspielbranche hat genauso wie die Politik bislang vermieden, diese Klärung herbeizuführen. Aber wenn in Zukunft viele Gerichte sich auf die Seite der Kläger schlagen würden und große Forderungen auf die Casino-Betreiber zukämen, würden die Casino-Betreiber wohl den juristischen Weg bis zum Ende gehen. Die gesamte Situation ist unschön, zumal in Deutschland schon in Kürze eine neue Glücksspielregulierung in Kraft tritt, die auch Lizenzen für Online Casinos umfasst. Es ist wohl kein Zufall, dass gerade zu diesem Zeitpunkt Rechtsanwälte versuchen, die gängige Praxis der letzten Jahre juristisch zu hinterfragen.

Die aktuellen Gerichtsverfahren rund um Rückerstattung sind das Ergebnis von Untätigkeit in den letzten Jahren. Wessen Untätigkeit? Die Politik hat in Deutschland und Europa geschlafen beim Thema Glücksspielregulierung. Warum war es in Deutschland nicht möglich, schon vor zehn Jahren eine Regulierung einzuführen, die auch das Online-Glücksspiel umfasst? Dann wären Online-Glücksspiele unter EU-Lizenz nie zu einem großen Thema geworden. Großbritannien ist diesen Weg beispielsweise gegangen. Die UK Gambling Commission hat schon früh Glücksspiele im Internet zugelassen und reguliert. Auch in Deutschland wäre das problemlos möglich gewesen. Vermutlich gibt es nicht viele Branchen, in denen die Regulierung so oft zu Gerichtsverfahren führt. Die aktuellen Verfahren rund um das Thema Rückerstattungen sind dabei nur ein Beispiel. Auch Spielhallen-Betreiber landen in den letzten Jahren regelmäßig vor Gericht, weil Schließungen verlangt werden, die sich am Ende dann oft nicht als rechtmäßig herausstellen. Es wäre schön, wenn die neue deutsche Glücksspielregulierung mehr Verlässlichkeit bringen würde, sowohl für die Glücksspielanbieter als auch für die Glücksspiel-Fans.