Wie schon so oft in ihrer Geschichte ist die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland mal wieder heftiger Kritik ausgesetzt. Anlass für diesen Shitstorm ist eine Artikelreihe über Online Casinos, die seit wenigen Monaten sowohl in der gedruckten Auflage, als auch bei Bild Online erscheint. Dabei ist es absolut nachvollziehbar, dass sich nach Bekanntgabe des Gesetzentwurfs zum neuen Glücksspielstaatsvertrag die freie deutsche Presse dem Thema widmet. Schließlich sind spätestens seit Januar dieses Jahres Online Casinos in aller Munde. Gerügt wird das Blatt vor allen Dingen wegen Artikeln mit einer „positiven Grundhaltung“ über illegale Glücksspielanbieter und Wettanbieter ohne Lizenz, die sich im Netz breitmachen.

BILD-Serie über Online Casinos fehlerhaft? 

„Kosmos der Online Casinos“ lautet der Titel der Bild-Serie. Den Auftakt machte der Beitrag „Tipps fürs Online Casino: Diese sechs Dinge MÜSSEN Einsteiger wissen!“ Es wurden „Tipps, Tricks und Insider-Infos“ angekündigt. Bild-Journalisten machten sich auf den Weg nach Malta und schrieben „Die Wahrheit hinter den Online Casinos auf Malta“. In dem Urlaubsparadies trafen sie dann auch gleich noch einige Männer, die den Reportern von ihren hohen Gewinnen in Online Casinos erzählten. Dieser Beitrag hieß dann „So habe ich in 5 Wochen 10.000 Euro gewonnen“. Das Problem der Spielsucht wird nur am Rande erwähnt: „Ein Zocker (27) erklärt, wie er von Online-Casinos abhängig wurde."

Was allerdings in all den Bild-Artikeln fehlt ist der Hinweis, dass es sich bei diesen Glücksspiel Offerten fast ausnahmslos um illegale Angebote handelt, denn noch greift der Entwurf für den neuen Glücksspielstaatsvertrag nicht. Das heißt: Glücksspiel um echtes Geld ist nach wie vor strengstens reguliert, wenn nicht gar komplett verboten. Zum Beispiel sind virtuelle Spielautomaten, Online Roulette oder Online Black Jack derzeit noch nicht erlaubt – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein. Das nördlichste Bundesland wagt schon seit Jahren den Alleingang, indem es vereinzelte Lizenzen an Online Casino Betreiber vergeben hat. Diese sehen jedoch ganz klar vor, dass es Bürgern aus den anderen Bundesländern verwehrt ist, dort zu spielen. 

BILD-Anwalt Schnittmann wehrt sich gegen Unterstellungen

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ist das höchste deutsche Verwaltungsgericht. Es hat im Jahre 2017 das Online Casino Verbot ganz klar bestätigt. Dieses Urteil wird jedoch bei der Berichterstattung der Bild ignoriert. Stattdessen titelt die Tageszeitung in einer Headline: „Ist es überhaupt legal, im Online-Casino zu spielen? Ein Rechtsanwalt klärt auf!" Wenn man sich demnach fragt, ob es strafbar sei, außerhalb Schleswig-Holsteins in einem Online Casino zu spielen, antwortet der von Bild befragte Rechtsanwalt Michael Schmittmann: „Nein! Das Spielen in Online-Casinos mit EU- Lizenz ist 100% legal." Die Landesmedienanstalt des Saarlandes sieht ganz anders. Sie ist in diesem Bundesland auch für die Glücksspielaufsicht im Netz zuständig. Der stellvertretende Direktor der LMA, Jörg Ukrow, kommentiert: „Der Hinweis von Herrn Schmittmann ist falsch. Das Spielen in Online-Casinos mit EU-Lizenz ist keineswegs 100 % legal. Es entspricht vielmehr gefestigter deutscher wie europäischer Rechtsprechung, dass eine Lizenz in einem Drittstaat der EU die Rechtswidrigkeit des Spiels in Deutschland nicht per se aus Gründen des EU-Rechts beseitigt." Die Hamburger Glücksspielaufsicht teilt die Auffassung von Anwalt Schmittmann ebenfalls nicht: „Die Aussage ist unzutreffend... Ein Glücksspiel ist in Deutschland nur legal, wenn eine Erlaubnis durch eine deutsche Behörde erteilt wurde. Online-Casinospiele sind nach § 4 Abs. 4 Glücksspielstaatsvertrag verboten und nicht erlaubnisfähig. Eine Ausnahme besteht nur in Schleswig-Holstein, die sich ausschließlich auf das Hoheitsgebiet von Schleswig-Holstein beschränkt." Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums äußert sich wie folgt: „Außerhalb von Schleswig-Holstein gibt es in Deutschland derzeit kein legales Online-Casino-Angebot." 

Auf weitergehende Medienanfragen reagierte Michael Schmittmann nicht. Er verwies lediglich darauf, dass man „... sich gern im Internet über mich und meine Reputation informieren" könne, er sei ja schließlich auch „... Herausgeber einer Schriftenreihe zum Europäischen Glücksspielrecht und vertrete seriöse Mandanten auf dem Gebiet". Darüber hinaus schrieb er an Medienvertreter, dass er sich die „... in Frageform gefassten Unterstellungen nicht bieten lassen" müsste und konterte außerdem: „Sie kennen sich offensichtlich mit dem EU Recht (sic) und der EuGH-Rechtsprechung nicht aus, da sind Sie aber leider nicht allein. Recherchieren Sie doch einmal bei Leuten, die Ahnung haben."

Beschwerde gegen BILD-Berichterstattung abgelehnt 

Sehr kritisch sieht die Hamburger Glücksspielaufsicht, dass Bild.de Personen vorstellt, denen angeblich der ganz große Coup in einem Online Casino gelungen ist. Auch dass und wie Tipps für Einsteiger publiziert werden, missfällt der Behörde. Ein Sprecher sagte: „Ein solches Vorgehen ist strafbar, da es sich bei Online-Casinospielen um illegales Glücksspiel handelt. Die Teilnahme daran ist gemäß §§ 284 ff. StGB strafbar. Tipps zur Teilnahme an illegalen Glücksspielen stellen damit eine Anstiftung bzw. Beihilfe zu einer Straftat dar." Weitere rechtliche Schritte gegen die Tageszeitung werden aktuell überprüft. Bild sieht hingegen keinerlei Basis für derartige Anschuldigungen. Im Axel-Springer-Verlag erscheint die Bild. Ein Sprecher des Verlags teilte mit: „Die unterstellten Anhaltspunkte für eine Strafbarkeit unserer Berichterstattung zu Online-Glücksspiel entbehren jeglicher Grundlage: BILD berichtet über Glückspiel ausgesprochen verantwortungsvoll." Darüber hinaus betont er, dass in jedem Artikel dieser "redaktionellen Serie über dieses Thema explizit und an mehreren Stellen auf die Risiken von Glücksspiel hingewiesen wird.“ Allein die Redaktion sei für die Themenauswahl verantwortlich. Außerdem betont er, dass „...Axel Springer ist nicht mit einem eigenen Angebot im Markt für Sportwetten und Online-Casinos aktiv" ist.

Bereits vor drei Monaten hatte die Glücksspielaufsichtsbehörde des Saarlandes eine Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die Bild-Berichterstattung eingelegt. Die Behörde sah einen deutlichen Verstoß bei der Kennzeichnungspflicht für Werbung, nachdem Bild einen Artikel veröffentlicht hatte, der die Headline hatte: „Der Staat plant die totale Kontrolle von Sportwetten. BILD enthüllt den Entwurf zum neuen Glücksspielstaatsvertrag". Allerdings wurde diese Beschwerde vom Deutschen Presserat als unbegründet abgelehnt.