Peter Sidlo wehrt sich gegen seine Abberufung als Finanzvorstand der Casinos Austria AG (CASAG), nachdem er erst sieben Monate im Amt war. Dieser „Rauswurf“ ist in seinen Augen unrechtmäßig, deshalb hat er Klage gegen seinen Ex-Arbeitgeber eingereicht und fordert nun rund 2,3 Millionen Gehalt, die ihm in seinen Augen noch zustehen, da sein Arbeitsvertrag erst im April kommenden Jahres ausgelaufen wäre. Soeben fand ein weiterer Prozesstag statt, bei dem auch Walter Rothensteiner, Ex-Aufsichtsratspräsident der CASAG, befragt wurde. Vor Gericht sagte er aus, dass sich ihm schon bei der ersten Frage Sidlos zum Vorstandsjob bei der CASAG „die Haare aufgestellt“ hätten.

Befragung Rothensteiners im Prozess Peter Sidlo gegen Casinos Austria

Casinos Austria

Obwohl namhafte Headhunter ihn bereits im Vorfeld für ungeeignet hielten, trat Peter Sidlo am 1. Mai 2019 seinen Vorstandsposten bei der Casinos Austria AG an. Lange hielt er sich nicht, denn schon am 2. Dezember des gleichen Jahres wurde quasi der Stecker gezogen. Der Aufsichtsrat berief ihn ab. Kurz zuvor waren Chatprotokolle bekannt geworden, die die Vermutung nahe legen, dass Novomatic-Boss Harald Neumann, Ex-Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Johann Gudenus einen politischen FPÖ-Novomatic-Deal unter Dach und Fach bringen wollten und dafür die Bestellung Sidlos in den CASAG-Vorstand notwendig war. In diesem Fall ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Alle mutmaßlich Beteiligten an diesem Deal, wie u.a. Strache, Rothensteiner, Sidlo und Neumann bestreiten sämtliche Vorwürfe. Gegenstand des Sidlo-Prozesses vor dem Handelsgericht ist nun zum einen die Frage, ob Sidlos Abberufung ungerechtfertigt war und zum anderen, ob er den Aufsichtsrat belog. Walter Rothensteiner schilderte bei seiner Befragung vor Gericht, dass es „... schon zu Beginn der Angelegenheit um Parteien und Politik“ ging. Sidlo wäre auf ihn zugekommen und wollte wissen „... ob es im Casinos-Vorstand etwas für die FPÖ gibt“. Daraufhin hätten sich bei Rothensteiner laut eigener Aussage, die Haare aufgestellt. Geantwortet hätte er, dass er „... qualifizierte Leute und keine Partei-Nominierungen“ benötigen würde. Sidlo widersprach Rothensteiners Aussage. Er hätte wissen wollen, ob es „... für einen FPÖler“ etwas im Vorstand gebe, anstatt für die FPÖ. Der ehemalige Aufsichtsratspräsident bestätigte, dass er sich vollkommen anders erinnere und machte noch einmal darauf aufmerksam, dass es von Anbeginn nur um Politik und Parteien gegangen sei. Die tschechische Sazka-Group, die Republik Österreich und der Novomatic-Konzern sind die drei Hauptaktionäre der CASAG. Jeder von ihnen nominierte einen Kandidaten für den damals zu besetzenden Posten des Finanzvorstands.

Sazka schlug Martin Skopek vor, der österreichische Staat Bettina Glatz-Kremser und die Novomatic Peter Sidlo. Vor Gericht kam dann auch eine Aktennotiz zur Sprache, die Rothensteiner nach einem Telefonat mit dem ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger vermerkt hatte. Darin steht wörtlich: „Novomatic-Eigentümer Johann Graf hat irgendeinen Hintergrund-Deal mit den Blauen. Daher ist Sidlo ein Muss.“ Aufgrund dieser Notiz fragte die vorsitzende Richterin Rothensteiner, ob man Druck auf ihn ausgeübt hätte, doch der Ex-Aufsichtsratschef verneinte dies. In dieser Notiz sei es nur um die Klarstellung gegangen, dass von der Novomatic keine anderen Vorschläge als Peter Sidlo zu erwarten waren. Allerdings wusste Rothensteiner bei der Bestellung Sidlos nicht, „... dass es bereits Absprachen zwischen Neumann und Strache“ gab. Hätte er Kenntnis davon gehabt, dann wäre dies ein Thema für den ganzen Aufsichtsrat gewesen. Darüber hinaus erklärte er, dass die Abberufung Sidlos nichts mit seiner mangelnden Erfahrung im Bereich Unternehmensführung zu tun gehabt hätte, sondern dass er verschwieg, wer alles bei seiner Berufung mitgeredet hatte. Für Rothensteiner war klar, dass „... ein bestimmtes politisches Umfeld jemand drinnen haben will“. Und in seinen Augen war es „... eine schwere Verfehlung Peter Sidlos“ zu behaupten, dass er von alledem keine Ahnung gehabt hätte. Andernfalls hätte der Aufsichtsrat seine Bestellung nicht vorgenommen, ist Rothenstein sicher. Bei der Ernennung von Bettina Glatz-Kremser zur Generaldirektoren sei es vollkommen anders gelaufen. Hier zählten ihre Erfahrungen bei der CASAG und nicht ihr Partei-Hintergrund bei der ÖVP.

Wusste Rothensteiner von den Absprachen zur Bestellung von Peter Sidlo?

Das Gericht ließ nicht locker. Immer wieder tauchten Fragen an Rothensteiner auf, die sich um die Gespräche, die im Hintergrund zu Peter Sidlo liefen, drehten und darum, ob er davon Kenntnis hatte. Immerhin unterhielten sich damals FPÖler und viele andere recht intensiv über die Sidlo-Bestellung, wie u.a. auch die Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank Barbara Kolm, die als FPÖ-nah gilt. Ex Vize-Kanzler Strache fragte beispielsweise bei Neumann nach: „Die Zusage bezüglich Peter Sidlo hält eh?“ und kurz darauf versicherte er sich erneut: „Kann ich mich auf Dein Wort verlassen bezüglich Peter Sidlo und ist alles auf der Schiene?“ Walter Rothensteiner gab zu Protokoll, davon erst aus den Medien erfahren zu haben. Man hätte Peter Sidlo den Freiheitlichen überhaupt nicht „zusagen können“ sagte er aus, da ja nur das sogenannte Vorschlagsrecht bei der Novomatic lag und nicht die Bestellung selbst. Diese konnte nur der Aufsichtsrat vornehmen. „Politische Absprachen waren mir nicht bekannt – sonst hätte ich sie im Aufsichtsrat zur Sprache gebracht", betonte er.

Der buchstäbliche Stein des Anstoßes zur Abberufung Peter Sidlos waren die aus den veröffentlichten Chatprotokollen hervorgegangenen „politischen Absprachen“ und nicht seine ungenügende Qualifikation für den Posten, sagte Rothensteiner und fügte hinzu: „Dass Sidlo vielleicht das Opfer ist, das ist eine andere Sache".