Er ist ein Kämpfer – und doch hat er verloren. Diesmal endgültig. Peter Zanonis Concord Card Casinos sind ab sofort Geschichte. Der Pokerkönig hat Insolvenz eingereicht. Für seine Steuerschulden kann „... nicht einmal der liebe Gott" aufkommen, heißt es. Seine Gefechte mit den österreichischen Steuerbehörden interpretiert Zanoni als Fight zwischen David und Goliath. Allerdings ist in diesem Kampf David der Unterlegene. 

Pokerkönig Zanonis tiefer Fall

Peter Zanoni PokerSchon seit etlichen Jahren liegt Peter Zanoni mit den Finanzbehörden im Clinch. Es geht um die Besteuerung seiner Geschäfte. Für die CCC-Casinos bedeutet das, dass die Einsätze der Pokerspieler besteuert werden und nicht die Gewinne der Casinos: „Für jeden Brutto-Euro muss ich fünf Euro Abgabe zahlen, und da sind die Kriegsopfer-Abgabe und die Vergnügungssteuer noch nicht dabei, die jede für sich eine erdrosselnde Wirkung haben. Das ist schlicht und ergreifend eine Hetzjagd, die jetzt zu Ende ist," sagt Zanoni und gibt bekannt, dass er nicht mehr abwarten kann, bis eine beim „... Verfassungsgerichtshof anhängige Beschwerde“ final entschieden ist. Diese Entscheidung stand bereits im Februar an. Gut 600 Millionen Euro an Steuerschulden haben sich in den vergangenen Jahren aufgetürmt: „Nicht einmal der liebe Gott kann das bezahlen." Und das ist längst nicht alles. Ein weiteres Verfahren ist noch am Europäischen Gerichtshof anhängig. „Das kann keinen Tag länger funktionieren, wenn man Jahresumsätze hat, die bei rund 30 Millionen Euro liegen.“

Pokerangebot rechtskonform 

Peter Zanoni war Österreichs unangefochtener „Pokerkönig“. Der ehemals erfolgreiche Glücksspielunternehmer gründete 1993 die CCC Group und führte mehr als 27 Jahre lang einen heftigen Kampf für die Private Cardrooms und seine langjährigen Mitarbeiter, deren Anzahl bis 2019 auf 600 Beschäftigte angestiegen war. Stets blieb er seinem Kurs treu, auch wenn er im Laufe der Zeit etlichen Gerichtsprozessen, Beschlagnahmungen und Polizeikontrollen ausgesetzt war. Nachdem ihm eine vorläufige Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2019 eingeräumt worden war, lief seine Lizenz im Januar dieses Jahres aus. Daraufhin war er gezwungen bundesweit 12 seiner CCC-Häuser zu schließen. Diese Schließung sollte nur vorübergehend sein. Seine Pressestelle ließ verlauten, dass sämtliche Concord Card Casinos „...freiwillig geschlossen wurden, um zu vermeiden, dass Gäste und auch Mitarbeiter dem unqualifizierten Druck der ihre Kompetenzen weit überschreitenden Finanzpolizei weiterhin ausgesetzt sind". 

Ganze zwei Wochen fanden keine Pokerrunden mehr in den CCCs statt, doch dann überraschte Peter Zanoni die Öffentlichkeit mit der Meldung, dass sieben Concord Card Casinos ihre Pforten wieder öffneten. „Alles wie immer, nur eben für die Spielerinnen und Spieler gibt es das Spielangebot jetzt gratis. Ich denke, die Freude darüber wird groß sein“, kommentierte Peter Zanoni diese Maßnahme. Er und seine Anwälte vertraten die Meinung, dass das Pokern auch „ohne glücksspielrechtlichen Unternehmer“ angeboten werden kann, sofern keine Einnahmen durch die „Durchführung des Glücksspiels“ generiert werden. Das hieß in seinen Augen: Auch ohne Lizenz ist das Pokerangebot grundsätzlich rechtskonform und kann „... in Übereinstimmung mit sämtlichen gesetzlichen Bestimmungen“ offeriert werden. Daher gab sich Peter Zanoni an diesem Punkt sehr selbstbewusst: „In dieser Form werden wir bis zur Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs bzw. EuGH Gratispoker anbieten“. 

Letztes Aufbäumen des Widerstands 

Für diese nach außen hin recht spontane Wiedereröffnung von sieben Concord Card Casinos waren zuvor natürlich einige „innerbetriebliche Reorganisationsmaßnahmen“ notwendig. Zanoni war sich ganz sicher, dass er seine Stammgäste durch diese einmalige Offerte zurückgewinnt und dass diese das Gratisangebot sehr gern annehmen. Kurz darauf hatten das CCC Wien Simmering, das CCC Lugner City sowie das Poker Royale in der Wiener Neustadt wieder geöffnet. Darüber hinaus stand Gratispoker auch in den CCC’s von Bregenz, Kufstein, Linz und Gmunden zur Verfügung.

Den Wiedereröffnungen war eine Mitarbeiterversammlung der Concord Card Casinos am 4. Februar 2020 vorausgegangen und eine bereits zuvor gestartete Bürgerinitiative. „Freiespokerspiel.at“ hatte zwar mehr als 2.500 Unterschriften sammeln können, aber dennoch fehlte es den CCC-Mitarbeitern an Zuversicht. Doch Peter Zanoni wäre nicht Peter Zanoni, wenn ihm nicht auf den letzten Drücker noch etwas eingefallen wäre. Und so überraschte er mit der Idee, in den Casinos, in denen das möglich war, Pokerspiel kostenlos anzubieten. Im Klartext bedeutete das: Es wurde ohne Rake gespielt. Mittlerweile ist klar, dass es sich bei dieser Maßnahme nicht um einen Vorläufer handelte, der das „Pokersterben in Österreich“ (Casinobonus260.de berichtete) verhinderte, sondern um eine Art letztes Aufbäumen des Widerstands. 

Zanonis langwieriger Kampf für legales Pokern

Das vergangene Jahr war nicht einfach für Zanonis Concord Card-Gruppe. Im Mai 2019 musste er aufgrund von Steuerschulden in Millionenhöhe drei etablierte Poker Casinos dichtmachen. Damals war ein Konkursverfahren gegen die Montesino Entertainment Group eröffnet worden, nachdem die Finanzprokuratur Österreichs einen Gläubigerantrag eingebracht hatte. Kurz darauf geisterten zwei weitere Insolvenzen von CCC-Unternehmen durch die Medien, gegen die beim Wiener Handelsgericht Verfahren eingeleitet wurden. Betroffen waren die CCC Event Management Group und die CCC Concord Card Schiffscasino Veranstaltungsgesellschaft. Die hohen Steuerforderungen der Finanzbehörde stellten für die CCC eine enorme Bedrohung des Unternehmenskonzepts dar. Peter Zanoni veröffentlichte dazu eine Erklärung: „Bei gegenständlichen Abgaben resultiert die enorme Abgabenhöhe daraus, dass als Bemessungsgrundlage für die Glücksspielabgabe nicht die entsprechenden Einnahmen der Gesellschaft herangezogen wurden, sondern die gesamten Spieleinsätze, somit also die Bemessung anhand von fremden Umsätzen durchgeführt wird, über die die Gesellschaft aber keine zivilrechtliche Verfügungsmacht besitzt, da diese nur das Gewerbe ‘Veranstaltung und Organisation erlaubter Kartenspiele ohne Bankhalter’ ausübt und folglich nur eine reine Dienstleistung anbietet.” 

Zanonis Kampf gegen den Fiskus währte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 20 Jahre. Oft zog er vor Gericht, hatte aber gerade im März 2019 erst wieder ein Verfahren in Vorarlberg verloren und musste nun annähernd 97 Millionen Euro an Kriegsopferabgaben leisten. Wo manch anderer Unternehmer längst eingeknickt wäre, gab Pater Zanoni noch lange nicht auf. Ganz im Gegenteil. Mitte letzten Jahres reichte er mit seiner CCC Gruppe eine Klage bei der Europäischen Kommission ein und forderte 321.738 Millionen Euro an Schadenersatz. In einer Presseerklärung der CCC’s heißt es: „Wird der Rechtsansicht der Abgabenschuldnerin in den national bzw. international anhängigen Verfahren gefolgt und den Beschwerden bzw. Klagen stattgegeben, und die Chancen stehen nach Ansicht namhafter Rechtsexperten sehr gut, so hätte unter Außerachtlassung der Glücksspielabgabe und der damit direkt verbundenen Nebengebühren die Gesellschaft stets mit einem positiven Eigenkapital bilanziert”. Das Verfahren läuft noch. Sollte die Klage Erfolg haben, ging man bisher davon aus, dass die Gesellschaft als „nicht insolvenzgefährdet“ galt. Darüber hinaus hat Peter Zanoni eine Beschwerde beim österreichischem Verfassungsgerichtshof eingereicht, über die ebenfalls noch nicht entschieden ist. Doch trotz der laufenden Verfahren hat er nun die Reißleine gezogen. Der Druck wurde einfach zu groß.