Am 27. Juli dieses Jahres war es soweit. Der Aufsichtsratsvorsitzende der teilstaatlichen Casinos Austria AG (CASAG), Walter Rothensteiner, warf das Handtuch. Politische Streitereien und dubiose Machtkämpfe sind dadurch längst nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil. Sie gehen in eine vollkommen neue Runde. Die Frage, die derzeit am meisten interessiert, beschäftigt sich mit der Nachfolge Rothensteiners. Besonders brisant wird sie dadurch, dass sie im Kontext des Untersuchungsausschusses der Ibiza-Affäre und den dazugehörigen Ermittlungen zu sehen ist.

Sidlo als „Part of the Game“

Rothensteiner Casino AustriaWalter Rothensteiner war am 25. Juni 2020 als sogenannte Auskunftsperson vor den Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen worden. Befragt wurde er u.a. zu der Bestellung Peter Sidlos (FPÖ) zum Finanzvorstand der CASAG. Daraufhin teilte Walter Rothensteiner mit, dass er tatsächlich überlegt hatte, damals seinen Posten als Aufsichtsratschef der Casinos Austria AG niederzulegen. Rothensteiner sagte vor dem U-Ausschuss wörtlich: „Ich hatte ein persönliches Problem mit Peter Sidlo“. Niedergelegt hat er seinen Posten dann erstmal doch nicht und stimmte im März letzten Jahres aufgrund des immer größeren politischen Drucks und völlig wider Erwarten für den Blauen und ermöglichte somit Peter Sidlo den Job als Finanzchef der CASAG. Dies wird durch Chatverläufe belegt, die bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen untersucht wurden. Die Parlamentarier im U-Ausschuss haben dazu natürlich noch eine Reihe von Fragen. Sie erheben den Vorwurf einer türkis-blauen Postenschacherei. Die Novomatic AG, ein österreichischer Glücksspiel-Gigant, der zum damaligen Zeitpunkt noch Anteilseigner der CASAG war, wird überdies der Beteiligung an einem Gesetzeskauf beschuldigt. Die Personalie Peter Sidlo war in dem Spiel um attraktive Casino Lizenzen für die Novomatic AG eine Art „Part of the Game“. Als Beschuldigter wird in diesem Zusammenhang auch Walter Rothensteiner geführt. Neben ihm müssen sich Peter Sidlo, der ehemalige Finanzminister Hartwig Löger, der ebenfalls ehemalige Staatssekretär Hubert Fuchs sowie die ehemaligen FPÖ-Oberen Heinz Christian Strache und Johann Gudenus den Vorwürfen stellen. Die beiden Letzteren waren - nur zur Erinnerung - diejenigen, die damals auf Ibiza die ganze Affäre lostraten. Alle soeben genannten bestreiten sämtliche Anschuldigungen. 

Rothensteiner weist alle Vorwürfe zurück

Und dann warf plötzlich Walter Rothensteiner vollkommen unerwartet das Handtuch. Als Argument für diesen überraschenden Rücktritt nennt er die neuen Eigentümerverhältnisse. Gemeint ist damit die tschechische Sazka Group, die seit dem Erwerb der Anteile der Novomatic AG die Mehrheit an der Casinos Austria AG hält. Seine Funktion als Raiffeisen Generalanwalt behält Walter Rothensteiner weiterhin. Darüber hinaus kündigte er an, sich diese ganzen Ermittlungen und den U-Ausschuss nicht mehr „antun“ zu wollen. Eine äußerst merkwürdige Argumentation, denn schließlich ist er in der Affäre rund um die CASAG einer der Beschuldigten, die verdächtigt werden, involviert in die Bestellung Peter Sidlos zum Finanzvorstand der Casinos Austria AG gewesen zu sein. 

Für die Ermittler stellt gerade eine von Rothensteiners Angewohnheiten eine Goldgrube dar. Er fertigte regelmäßig Aktennotizen über Details seiner Arbeit an. Unter anderem schrieb er: „Löger hat mit Graf konferiert, der hat irgendeinen Hintergrund Deal mit den Blauen. Daher ist Sidlo ein Muss. Alternativ-Kandidat von Neumann gibt es nicht mehr, Graf will es nicht. Habe Löger gesagt, dass ich damit eigentlich meine Funktion überdenken muss. Versteht er, bittet mich, ihn zu verstehen. Er will mit Pröll und Sazka reden, damit wir einstimmig bestellen können. Ich rede mit Steiner.“ Diese Aktennotiz wurde anlässlich einer Hausdurchsuchung bei Rothensteiner gefunden. Zu den Vorwürfen in der Affäre rund um FPÖ-Mann Sidlo wird Walter Rothensteiner auch noch der Untreue beschuldigt. Er soll millionenschwere Ablöseverträge für die Vorstandschefin Bettina Glatz-Kremser und das Vorstandsmitglied Dietmar Hoscher unterzeichnet haben. Allein die Abfertigung für Bettina Glatz-Kremser betrug 1,7 Millionen Euro für ihre Beförderung zur Chefin des Vorstands. In der Regel werden Abfertigungen nur fällig, wenn jemand aus einem Unternehmen ausscheidet. Diese Vorwürfe wies Rothensteiner vor dem U-Ausschuss jedoch zurück.

Ausgerechnet ein weiterer Beschuldigter soll Nachfolger nominieren

Laut CASAG soll Walter Rothensteiner schon länger mit seinem Abschied als Aufsichtsratschef der Casinos Austria AG geliebäugelt haben. 25 Jahre lang hatte er diesen Posten inne. Aus dem Kreis der engeren Mitarbeiter von Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner heißt es: „Wir waren über den Zeitpunkt überrascht.“ Darüber hinaus war zu hören: „Es ist generell eine schwere Zeit für uns.“ Das ist nicht verwunderlich, wenn man an all die politischen Querelen denkt und on top auch noch an die Einschränkungen durch die anhaltende Gesundheitskrise und ihre Auswirkungen. Als weiteres Manko kommen auch noch die vielen Einsparungen bei den Casinos hinzu. Die CASAG steckt tatsächlich in einer Krise. Und nun wird auch noch die Nachfolge Walter Rothensteiners zu einer Art Politikum. Bis zum Herbst muss eine Entscheidung her, und die wird von der ÖBAG gefällt. Als Favorit gilt der Siemens Boss Wolfgang Hesoun. An dieser Stelle bleibt es äußerst brisant. Thomas Schmidt, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG), steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre und der Causa Casino. Und Schmidt steht nicht in irgendeinem Zusammenhang, sondern ganz konkret als Beschuldigter. Wie nicht anders zu erwarten bestreitet auch Thomas Schmid als Leiter einer Holding, die über 20 Milliarden schwer ist, sämtliche Vorwürfe. Bereits seit Wochen sieht er sich mit Rücktrittsforderungen der Opposition konfrontiert. Wie für alle anderen gilt selbstverständlich auch für ihn zunächst noch die Unschuldsvermutung.