Die österreichische Finanzpolizei hatte in der vergangenen Woche einen Großeinsatz in Simmering, einem Stadtteil Wiens. Ziel war das dortige Concord Card Casino. Als die Beamten das CCC stürmten, liefen gerade acht Cash Game Spiele an den Tischen. Sämtliche Pokerchips sowie das gesamte Bargeld wurden konfisziert. Wer die Entwicklung von Pokerkönig Peter Zanoni und seiner Concord Card Casinos (CCC) sowie deren Ende im vergangenen Jahr mitverfolgt hat, wird sich vermutlich gewundert haben, als vor einigen Wochen eine konkrete Mitteilung die Runde machte. Zuvor hatte es immer mal wieder Gerüchte gegeben, die sich um einen Neustart der CCCs drehten.

Razzia zwingt Pokerkönig Zanoni erneut Concord Card Casino zu schließen

Concord Card Casino

Doch dann wurde plötzlich auf der Website der Concord Card Casinos die Wiedereröffnung eines CCC mit folgenden Worten angekündigt: „Wir freuen uns Sie wieder ab Freitag, 21. Mai 2021 täglich von 9:00 bis 22:00 Uhr am Pokertisch begrüßen zu dürfen! Im Concord Card Casino Wien Simmering können Sie unter strengen Auflagen der Covid-Maßnahmen wieder Cash Game Poker spielen. Für den Eintritt gilt die sogenannte „3G-Nachweispflicht“ (getestet, geimpft, genesen). Mögliche Nachweise sind ein Antigentest (maximal 48 Stunden alt), ein PCR-Test (maximal 72 Stunden alt), ein Impfnachweis (ab 22. Tage nach Erstimpfung), der Nachweis der Erkrankung (maximal 6 Monate alt) oder ein Antikörpernachweis (maximal 3 Monate alt). Ein einmal gültiger „Point-of-Sale-Test“, den wir für Sie kostenlos direkt vor Ort durchführen, berechtigt ebenfalls zum Eintritt. Die FFP2-Maskenpflicht, der Mindestabstand von 2 Metern, sowie sämtliche Auflagen der COVID-19-Gesetze und Verordnungen in der jeweils geltenden Fassung gelten im gesamten Spielbereich. Sämtliche Mitarbeiter werden regelmäßig im Auftrag der Geschäftsleitung getestet.“ Wie es überhaupt zu dem pfingstlichen Re-Opening in Wien-Simmering kam, ist derzeit noch vollkommen unklar. Schließlich hat sich bisher nichts an den Gesetzen geändert, die damals zur Schließung sämtlicher CCCs geführt haben.

Pressemeldungen zufolge, soll sich Inhaber Peter Zanoni bei dieser Wiedereröffnung auf Gesetzeslücken sowie auf ein neues Gutachten gestützt haben, das von einem Verfassungsrechtler stammt und das besagt, dass Casinos auch von privaten Anbietern betrieben werden dürfen. Offensichtlich war das Finanzministerium einer ganz anderen Meinung und veranlasste in der letzten Woche eine Groß-Razzia. Peter Zanoni ignorierte schon Anfang letzten Jahres das österreichische Casino-Verbot, das neben der teilstaatlichen Casinos Austria AG (CASAG) und ihrer Angebote besteht. Bereits damals führte seine diesbezügliche Ignoranz zu einer Groß-Razzia und zur Schließung seiner Concord Card Casinos. In der vergangenen Woche war es den anwesenden Pokerspielern nicht einmal mehr vergönnt, ihre Pokerchips in Bargeld umzutauschen.

Concord Card Casinos gaben nicht auf

Nachdem es im Februar letzten Jahres noch zu einem „letzten Aufbäumen“ gekommen war, ging dann Anfang März 2020 eine Ära zu Ende. Peter Zanonis Concord Card Casinos wurden erneut geschlossen, diesmal endgültig wurde vermutet. Peter Zanoni war daraufhin gezwungen, einen Insolvenzantrag einzureichen und somit den seit Jahren andauernden Steuer-Rechtsstreit seiner Unternehmensgruppe mit den Finanzbehörden zu beenden. Und das, obwohl bei den Verfahren, die sowohl beim EU-Gerichtshof (EuGH), als auch beim Verfassungsgerichtshof Österreichs anhängig waren, noch gar kein Urteil gefällt worden war. Aufgrund fehlender Ressourcen war es damals laut Zanoni nicht länger möglich, auf den Ausgang dieser Verfahren zu warten. Schließlich hatten die Steuerschulden der CCC mittlerweile an die 600 Millionen Euro erreicht. Bei Umsätzen von jährlich rund 30 Millionen Euro war dies nicht einen Tag länger praktikabel. Diese Unsummen hatten sich angehäuft, da Steuerabgaben auf die Einsätze der Pokerspieler fällig wurden und nicht die Casinogewinne versteuert werden mussten, sagte Peter Zanoni damals und erklärte weiter: „Für jeden Brutto-Euro muss ich fünf Euro Abgabe zahlen, und da sind die Kriegsopfer- und Vergnügungssteuer noch nicht dabei, die jede für sich eine erdrosselnde Wirkung haben. Das ist schlicht und ergreifend eine Hetzjagd, die jetzt zu Ende ist“. Am 2. März 2020 gab er dann mittels Presseerklärung bekannt, dass seine Concord Card Casinos endgültig geschlossen werden.

Im Wortlaut dieser Meldung war zu lesen: „Gemeinsam mit vielen treuen und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe ich in den vergangenen 26 Jahren die Concord Card Casinos zum marktführenden Unternehmen im Bereich Pokerspiel und –Sport in Europa aufgebaut. Mit großem Bedauern sehe ich mich veranlasst bekanntzugeben, dass ich mit dem heutigen Tage die Concord Card Casinos endgültig schließen muss.“ Zanoni bezeichnete seinen Kampf gegen die österreichischen Finanzbehörden als „David gegen Goliath“ und gab bekannt, dass seine finanziellen Ressourcen erschöpft seien. „Ich habe das Fünffache der Bruttoeinnahmen an Abgaben zu leisten, und die Höchstgerichte wollen bislang nicht erkennen, dass es sich dabei um eine Erdrosselungs-Abgabe handelt“, wurde Zanoni damals zitiert. Um den Concord Card Casinos endgültig den Garaus zu machen, hatten sich in den Wochen und Monaten vor deren Schließung in österreichischen Nachbarländern eine Reihe von Poker-Casinos angesiedelt, die es auf den österreichischen Markt abgesehen hatten. „Es ist mehr als bedauerlich, dass ein österreichisches, in der Branche marktführendes Unternehmen zu Gunsten anderer Marktteilnehmer vom Markt genommen wird“, sagte Peter Zanoni im März 2020.