Während man in Deutschland eSport nicht als richtigen Sport ansieht und deswegen zum Beispiel eSport Wetten auch nicht als Sportwetten gelten, sieht es der Rest der Welt ein ganz klein wenig anders. Zumindest der asiatische Raum und der Amerikanische. Dort ist man sich durchaus bewusst, dass eSport auch etwas mit körperlicher Betätigung zu tun hat, dass also nicht nur der Geist und Fähigkeiten wie Reaktion, Koordination und ähnliches gefragt sind, sondern allgemeine Fitness eine Grundvoraussetzung ist, um erfolgreich zu sein. Zumindest für die Gamer, die ganz oben mitspielen wollen. So verwundert es nicht, dass viele Teams und Einzelspieler einen eigenen Fitnesstrainer haben. Und was verbindet man mit Fitness? Natürlich auch Sportartikelhersteller. Und einer der Größten der Welt, das amerikanische Unternehmen Nike, hat genau diesen Trend entdeckt und jetzt einen Werbespot speziell für eSportler kreiert bzw. kreieren lassen.

Sportartikelhersteller und eSport gehören zusammen

ESports NikeUnd wie es sich für ein globales Weltunternehmen gehört, hat man sich nicht lumpen lassen und richtig investiert. Die Hausagentur Wieden + Kenedey, Abteilung Shanghai, durfte kreativ werden und war wohl mit dem Budget auch nicht kleinlich. In der Vergangenheit hat die amerikanische Agentur mit ihrem Hauptsitz in Portland, ja schon sehr erfolgreich für und mit Nike zusammen gearbeitet und einiges an Preisen für ihre Spots gewonnen. Zum Beispiel für den legendären Werbespot, in dem der brasilianische Fußballspieler Ronaldinho, nicht zu verwechseln mit dem portugiesischen Ronaldo, ein neues Paar Nike Schuhe anzieht und anschließend den Ball jongliert und mehrmals von der Querlatte des Torpfostens tritt, ohne ihn den Boden berühren zu lassen. Dieser Werbespot wurde auf YouTube viral und war das erste YouTube-Video, das eine Million Aufrufe erreichte. Wieden + Kenedey zählt zu den größten unabhängigen Werbeagenturen der Welt. 1982 gegründet, wuchs man sehr rasch und hatte mit Nike auch gleich einen Großkunden an der Angel. Dabei blieb es aber nicht und man kreierte nationale und internationale Kampagnen beispielsweise für Facebook, Honda, Coca-Cola, Microsoft und Procter & Gambler. Und wie beschrieben, war nun das Department Shanghai federführend in der Entwicklung und Realisation des ersten Werbespots, in dem  Nike den eSport in den Mittelpunkt stellt. Jeff Fang, Creatice Director, zeichnete für die Idee des Spots verantwortlich. In einem Artikel des Fachblattes Campaign weist er darauf hin, dass Gamer extrem wettbewerbsfixiert sind und dies negative Auswirkungen auf den Körper haben kann. Deswegen sei es die Aufgabe des Spots gewesen, Gamer zum Trainieren zu animieren, ohne dabei belehrend zu wirken.

„Camp next level“

Und was ist nun dabei herausgekommen? Eine Art Boot Camp oder Trainingscamp, bei dem die Gamer auf Zi-Hao 'Uzi' Jian treffen, einer der erfolgreichsten League of Legends-Profis aller Zeiten. Mit seinem Trainer NXT zusammen müssen sie verschiedene, anstrengende Workouts absolvieren. Damit das Ganze auch einen Unterhaltungswert hat, wird es im Stil eines komödiantischen Kung-Fu Filmes dargestellt. Inhalt: haarsträubende Slap-Stick Einlagen des Trainings wie Zauberwürfel-Lösen in Rekordzeit, Boxen und mentale Stärke. Beteiligt an dem Spot waren unter anderem bei Nike Creater China Steve Tsoi, Vice President of Marketing,  Senior Creative Director Simon Lee und Che Lin, Senior Brand Communications Director. Von Seiten Wieden + Kenedey Shanghai durften mitwirken die Executive Creative Directors Ian Toombs und Vivian Yong sowie die Creative Directors Jeff Fang und Matt Meszaros und als Art Director und Copywriter zeichnen Gem Xu, Jing Qiu und Josh King verantwortlich.

Und wo ist der Spot nun zu sehen? Nun ja, im deutschen Fernsehen eher nicht. Angesprochen werden sollen in einem ersten Schritt asiatische Konsumenten. Da ist eSport ja auch eine große Hausnummer. Natürlich - wen es interessiert, der wird auf youtube fündig. Ob der Spot es auch in die amerikanischen Medien schafft, bleibt abzuwarten. Social-Media-Kanäle für Nachrichten werden sicherlich das verbreitetste Medium werden.

Immer mehr große multinationale Unternehmen entdecken den eSport für sich. Entweder als Sponsoren, als Plattform oder als Werbeträger. Im Visier der Werbenden ist natürlich die jüngere Zielgruppe der 14 bis 25-Jährigen, die schon früh an bestimmte Produkte oder Dienstleistungen gebunden werden sollen. So verwundert es auch nicht, dass Firmen, die man eher nicht dem eSport zugehörig sieht, vermehrt auf diesem Sektor tätig werden wie z.B. auch die Sparkasse in Deutschland oder Noodle Cup und andere. Die Reichweite der Übertragungen von eSport Events im Netz wird immer größer, und somit lassen sich auch immer mehr Konsumenten erreichen. Und damit werden dann auch die berühmt berüchtigten Synergieeffekte hergestellt. eSportler sind halt keine dicken kleinen Nerds, sondern durchtrainierte Sportler, die auf sich und ihren Körper achten. Sie legen Wert auf gesunde Ernährung und verprassen ihr Geld nicht, sondern vertrauen auf eine glaubwürdige Bank. Macht es genauso wie sie und ihr könnt auch erfolgreich werden. So oder so ähnlich lauten die Botschaften, die hinter der Werbung stecken. Alles ganz einfach und wahr. Wie wir es halt aus der Werbung kennen. Die lügt nämlich nie. Oder?