Auf den Internetseiten von Kansspelautoriteit, der Glücksspielaufsicht der Niederlande (KSA), lässt sich René Jansen, der erste Vorsitzende der Organisation, über die Gefahr einer massiven Zunahme von Glücksspielwerbung aus. Er fürchtet, dass es ab dem 1. Oktober dieses Jahres, nachdem der Glücksspielmarkt offiziell geöffnet wird und für den regulierten Markt entsprechende Gesetze in Kraft treten, zu einem regelrechten „Bombardement“ an Glücksspielwerbung kommen könnte.

Niederländische Glücksspielaufsicht will Glücksspielwerbung eindämmen

Kansspelautoriteit Glücksspielaufsicht

Im Zuge seines Statements sprach René Jansen an alle Glücksspielunternehmer eine Warnung aus. Um keine strengere Gesetzgebung im Bereich der Werbung oder einen öffentlichen Aufschrei aus der Bevölkerung zu riskieren, sollten sie von „zu großen Werbe-Anstrengungen“ Abstand nehmen. Der KSA-Boss betonte, dass er Verständnis dafür hätte, dass die Glücksspiel-Anbieter gerade dann, wenn die neue Regulierung in Kraft tritt, durch gezielte Marketing-Maßnahmen versuchen, so viele Kunden wie möglich zu generieren. Es sei jedoch Vorsicht geboten hinsichtlich eines „Zuviel an Werbung“ und den daraus resultierenden Übertreibungen. Daher appellierte Renè Jansen noch einmal ganz deutlich an die Verantwortung der einzelnen Unternehmen: „Suchen Sie nicht nach Gesetzeslücken; werben Sie angemessen und verantwortungsbewusst. Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, die ordnungsgemäße Legalisierung und Regulierung von Online-Glücksspielen sicherzustellen.“ Sofern sich einzelne Betreiber von Glücksspielen nicht an die Vorgaben halten, wäre die niederländische Kansspelautoriteit gezwungen zu handeln. Darüber hinaus warnte er vor weiteren potenziell möglichen Maßnahmen, die über die bereits bestehenden Einschränkungen hinausgehen, wie beispielsweise das Verbot für Online Casino-Werbung in dem Zeitraum von 6.00 Uhr morgens bis 21.00 Uhr abends.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die KSA neue Maßnahmen angekündigt, die sich gegen die illegale Werbung für Glücksspiel richteten. Von Seiten der Behörde hieß es dazu, dass diese Maßnahmen den Fokus insbesondere auf Partner-Programme – sogenannte Affiliates – legen, die Geld durch Glücksspielwerbung auf Internetseiten verdienen. Nähere Details gab die Behörde hierzu nicht bekannt. Allerdings wurde deutlich, dass es sich hierbei um Maßnahmen handelt, die im Zusammenhang mit der bevorstehenden niederländischen Online Glücksspiel-Legalisierung stehen. Auf den Seiten der Kansspelautoriteit heißt es: „Gerade jetzt, da die Öffnung des legalen Online-Glücksspielmarktes unmittelbar bevorsteht, ist die KSA wachsam gegenüber illegalen Anbietern und Werbetreibenden, die noch einen schnellen Spielzug machen wollen.“ Schon Anfang April wurde in den Niederlanden der sogenannte Remote Gambling Act verabschiedet, der einem legalen Online Glücksspielmarkt ab dem 1. Oktober dieses Jahres Tür und Tor öffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die Werbung für das Online Glücksspiel sowie das Angebot selbst streng untersagt.

Niederländische Glücksspielaufsicht geht gezielt gegen Affiliate vor

In der Vergangenheit wurden schon oft sogenannte Affiliate Programme durch die Kansspelautoriteit kritisch hinterfragt und auch kontrolliert. 2019 untersuchte die KSA allein 44 Websites. Dabei wurden verbotene Werbeinhalte für Online Glücksspiel auf 26 dieser Websites gefunden. Unzulässige Glücksspielwerbung bemängelte die KSA auch im September vergangenen Jahres. Dabei standen die sogenannten Advertorials im Fokus. Dabei handelt es sich um Texte, die oberflächlich betrachtet keine Werbebotschaft enthalten, da sie vordergründig rein informativ sind. Allerdings sieht die niederländische Glücksspielbehörde darin eine unerlaubte Form der versteckten Werbung für das Glücksspiel. Daraufhin ging die KSA gegen diese Interseiten vor und sprach Verwarnungen aus sowie die Androhung von Geldstrafen. Bereits im Jahre 2017 hatte die KSA sich für ein solches Vorgehen entschieden und somit insgesamt 10 niederländische Werbetreibende dazu gezwungen, die Glücksspiel-Inhalte auf ihren Seiten zu löschen. Damals war Henk Kesler noch der stellvertretende Vorsitzende der Kansspelautoriteit. Er rechtfertigte diese Maßnahmen gegen die Werbung für Glücksspiel mit dem Spielerschutz. In seinen Augen wäre es möglich, die Risiken einer Glücksspielsucht durch den Kampf gegen Werbung für nicht legales Glücksspiel zu reduzieren. Und um den Nutzer vor Spielsucht schützen, geht die KSA seither ganz gezielt gegen Affiliate-Seiten für Online Casinos vor.

Auch in Deutschland hagelt es Kritik an Glücksspielwerbung

Glücksspielwerbung ist auch in der BRD ein großes Thema. Insbesondere von Spielerschützern hagelt es reichlich Kritik an den zahlreichen Werbe-Videos für Online Casinos. Obwohl diese bisher nur in Schleswig-Holstein legal waren, wurden die Spots bundesweit bei zahlreichen TV-Sendern ausgestrahlt. Außerdem standen immer wieder bekannte Persönlichkeiten in der Kritik, die im Bereich der Online Sportwetten für Online Buchmacher Werbung machten. Damit wird in Zukunft Schluss ein. Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2021 in Kraft tritt, schränkt die Werbung für Glücksspielanbieter enorm ein. Dazu gehört auch das Engagement von Prominenten bei Online Sportwetten. Das heißt, dass die Zeiten vorbei zu sein scheinen, in denen Promis wie die Torhüterlegende des 1. FC Bayern München, Oli Kahn, sich für Wett-Tipps stark machten. Auch eine starke Einschränkung der TV-Ausstrahlung von Glücksspielwerbung – zumindest tagsüber – sieht die neue deutsche Gesetzgebung vor. Die Vorbereitung und Umsetzung von Einschränkungen der Glücksspielwerbung bleibt allerdings nicht nur der BRD vorbehalten. Auch in anderen europäischen Länder wie Großbritannien, Spanien, Belgien oder Italien herrschen inzwischen strikte Restriktionen für die Marketing-Aktivitäten der Glücksspielanbieter. Wenn es nach dem Willen des ersten Vorsitzenden der niederländischen Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit, Renè Jansen, geht, dann soll es demnächst auch in seiner Heimat dazu kommen.