Er polarisiert, und das schon seit Jahren. Eine Eigenschaft, mit der er bei Fans, Trainern und Vereinskameraden nicht immer auf Verständnis stieß. Die Rede ist von der aktuell vereinslosen dänischen Stürmerlegende Nicklas „The Lord“ Bendtner (32). Nun hat der Weltstar ein Buch vorgelegt. In „Both Sides“ erzählt er nicht nur von den vielen Stationen seiner internationalen Profikarriere, sondern gibt auch einige kuriose Erlebnisse und vertuschte Skandale Preis, wie u.a. eine handfeste Schlägerei mit einem ehemaligen Mitspieler, einen üblen Streit mit Frankreichs Nationalheld Thierry Henry (43) oder „berauschte“ Nächte in dem ein oder anderen Zockerparadies.

Zoff beim Training mit Thierry Henry

Nicklas Bendtner SportBei „Both Sides“ handelt es sich um die relativ schonungslose Biografie eines Fußballhelden. Beispielsweise schildert er ganz ungeniert einen Streit, den er mit dem ehemaligen französischen Nationalspieler Thierry Henry während eines Trainingsspiels hatte. Damals war Nicklas Bendtner 16 Jahre alt und gehörte dem Junioren-Team des Premier League Klubs FC Arsenal an, in dessen A-Mannschaft der französische Star-Stürmer kickte. Für einen Test ließen die „Gunners“ das A-Team gegen eine Jugend-Auswahl antreten. Die Regeln waren vorgegeben: „Elf gegen elf und höchstens zwei Ballkontakte“. Allerdings berührte Thierry Henry den Ball regelwidrig dreimal. Nicklas Bendtner bemerkte dies als erster und reklamierte sofort. Das Spiel lief dennoch weiter. Pat Rice (71), der „rotgesichtige Assistenzcoach von Arsene Wenger“ (Zitat Bendtner) hatte darauf bestanden. Im weiteren Verlauf des Spiels berührte dann auch Bendtner den Ball dreimal und sorgte somit dafür, dass die gegnerischen Profis einen Freistoß einheimsen konnten. Das ließ der junge Däne nicht auf sich sitzen. Er monierte lautstark und es kam zu einem heftigen Kontroverse mit Monsieur Henry, die sich auch nach dem Abpfiff noch weiter fortzog. „Ich wusste nicht, dass so viele Worte in ihm drinsteckten”, schreibt „The Lord“ Bendtner in seinem soeben erschienen Buch.

Schlägerei auf dem Spielfeld

Nicht nur als Jugendlicher war er um Worte nicht verlegen. Auch während seiner Profilaufbahn ließ er sich nichts gefallen. Selbst vor Mitspielern machte er nicht Halt. Anfang des Jahres 2008 kam es während eines London-Derbys zwischen Tottenham Hotspur und dem FC Arsenal zu einer ernsthaften Rauferei zwischen „The Lord“ und Emmanuel Adebyor (36), der damals ebenfalls zu seinem Team gehörte. Angeblich hatte Adebayor seinen dänischen Mitspieler, der erst beim unangenehmen Zwischenstand von 4:0 für die Hotspurs eingewechselt wurde, für den katastrophalen Rückstand Arsenals verantwortlich gemacht. Nach einem kurzen und heftigen Wortgefecht eskalierte die Situation, und die beiden Streithähne fingen an, sich mitten auf dem Spielfeld zu prügeln. Nicklas Bendtner ging nach einem Kopfstoß Adebayors zu Boden. Er hatte ihn auf die Nase bekommen: „Das Blut sprudelte heraus und meine Nase schwoll an. Als wäre sie noch nicht groß genug”, und weiter schreibt er: „Nach dem Spiel hatte ich wirklich Lust auf ein ruhiges Tête-à-Tête mit ihm. Da das Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte, gerieten wir in der Umkleidekabine wieder aneinander. Wir hatten uns viel zu sagen, den Inhalt weiß ich zwölf Jahre später aber nicht mehr genau. Jedenfalls hatte es Konsequenzen, der Trainer bestrafte uns mit zwei Wochenlöhnen.”

Schlagzeilen nach Champions League Aus

Auch außerhalb des Spielfelds machte Nicklas „The Lord“ Bendtner von sich reden, beispielsweise nach einem Aus gegen Manchester United im Halbfinale der Champions League 2009. Während seine Mannschaft nach dem verlorenen Spiel nach Hause fuhr, machte der Däne noch in einem der populärsten Nachtclubs der Stadt die Nacht zum Tag und wachte am nächsten Morgen in ausgesprochen ungewohnter Umgebung auf: „Alles beginnt ganz harmlos. Ein paar Drinks, eine Mahlzeit und dann Boujis, kein typischer Fußball-Nachtclub. Die Mitgliedschaft beträgt 500 Pfund. Prinz Harry, ein Arsenal-Fan, ist oft da. Und wenn er es ist, kommt er zu einem Gespräch vorbei,“ dann kommt er zum eigentlichen Punkt: „Ich sende einem dänischen Mädchen eine Nachricht, mit dem ich eine On-Off-Beziehung geführt habe. Ich habe sie früher an diesem Tag eingeflogen, und wir vereinbaren, uns in dem Bereich für Mitglieder zu treffen. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist meine Badewanne in Bushey. Meine Zähne klappern und das Wasser ist eiskalt.”

Bendtners Liebe zum Glücksspiel

Seine zahlreichen Eskapaden gehörten mit zu den Gründen, weshalb er irgendwann nicht mehr Stammspieler beim FC Arsenal war, sondern seine Zeit zum großen Teil auf der Reservebank absitzen musste. Das führte wiederum dazu, dass sich der Däne eine Art Nebenbeschäftigung suchte und damit begann, professionell zu pokern. Nicht nur einmal verbrachte er ganze Nächte in Spielbanken. In seinem Buch geht er folgendermaßen darauf ein: „Eines Nachts, als ich am Pokertisch bin, gewinne ich am Ende 220.000,- Pfund. Wenn ich über die Straße zu meinem Hotel gehe, habe ich einen Rucksack mit 50-Pfund-Scheinen (vakuumverpackt) und ich habe so viel Adrenalin, dass ich nicht schlafen kann.” Einige Absätze weiter schreibt er: „Ich kann kaum an etwas anderes denken. Also gehe ich weiter ins Casino – immer und immer wieder. Ich spiele sonntags, dienstags und donnerstags – jede Woche – von sechs Uhr abends bis vier Uhr morgens.”

Ob dies das endgültige Ende seiner Profilaufbahn einläutet, muss erst noch abgewartet werden.