Seit 2001 ist die Malta Gaming Authority (MGA) von der Landesregierung damit beauftragt, das Glücksspielangebot des kleinen Inselstaates zu überwachen, zu regulieren und hierfür die Lizenzen auszustellen. Dazu gehören landbasierte Spielbanken, Wettbüros, Buchmacher und Lotterien ebenso wie alle Anbieter von Online Glücksspielen. Eine der Hauptaufgaben der Aufsichtsbehörde liegt darin, die Transparenz und Fairness der Spiele sicherzustellen sowie die Ermittlung und Vereitelung von kriminellen Vorgängen. Das Ziel ist es, gefährdete und minderjährige Spieler zu schützen und Delikte wie Korruption und Geldwäsche zu bekämpfen. Soeben erließ die maltesische Behörde neue Regeln zur Glücksspiel-Regulierung, die den mutmaßlichen Wettbetrug ins Visier nehmen.

Vollkommen neu ist der Vorstoß der MGA nicht. Ein entsprechendes Konsultationspapier war schon am 20. Mai dieses Jahres von der Aufsichtsbehörde in Umlauf gebracht worden mit dem Ziel, für auffällige Wetten eine Meldepflicht einzuführen. Zuvor sollten jedoch noch Einschätzungen interessierter Verbände und die Meinung der unterschiedlichen Partner abgefragt werden. Vorschläge konnten über einen Zeitraum von sieben Wochen eingereicht werden. Stichtag war der 15. Juli 2020. Und die Antworten folgten – und zwar von verschiedenen Gremien und Instituten als auch von zahlreichen Buchmachern. Die Malta Gaming Authority entschied sich entsprechend ihrer Vorgaben für eine ordnungsgemäße Transparenz und veröffentlichte die jeweiligen Antworten auf ihrer Homepage, wo sie für jedermann abrufbar waren.  

Fragenkatalog zum Wettbetrug

Malta Gesetz GlücksspielDas ursprüngliche Ziel von Sportwetten ist es, einzelne Spiele oder ganze sportliche Turniere noch spannender zu gestalten. Ärgerlicherweise zieht dieses Ziel aber auch suspekte Gestalten an. Damit Betrug in Zukunft besser verhindert werden kann, hat die MGA einen Fragenkatalog für die Partner veröffentlicht, der von der Behörde beantwortet wird. Diesen Fragenkatalog wollen wir Ihnen hier einmal vorstellen. Beispielsweise interessiert sich die MGA dafür, wie viele verdächtige Wettereignisse im Berichtsjahr festgestellt wurden, die im Zusammenhang mit der Sportintegrität stehen. Dabei geht es der Malta Gaming Authority ganz klar um generelle Auffälligkeiten. Darüber hinaus ist es möglich an diesem Punkt Abgleiche mit den vorhergegangenen oder folgenden Abschnitten herzustellen. Dann sollte auch noch beantwortet werden, zu welcher Sportart die entsprechenden Veranstaltungen gehörten und wie hoch der Gesamtwert der Wetten lag. Dadurch lassen sich die Events ermitteln, die aktuell von Betrügern bevorzugt werden und daher besonders anfällig sind. Dies dient auch der Ermittlung der Größe des Wettbetrugs. Eine weitere Frage lautet: „Wie viele Sportereignisse wurden als manipulationsgefährdet eingestuft? Wie viele wurden der Glücksspiel-, Integritäts- oder Strafverfolgungsbehörde gemeldet?“ Damit soll die Ordnung bewahrt werden, denn die Meldepflichten rufen allzu unterschiedliche Organisationen auf den Plan.

Wichtig ist der MGA auch, wie viele Spielerkonten im Berichtsjahr vermerkt wurden, die in Zusammenhang mit verdächtigen Wetten stehen. Hier soll demnach auch auf der Kundenseite nachgeschlagen und nicht nur auf den Sport und die mutmaßlich verschobenen Spiele geachtet werden. Außerdem beschäftigt sich die Malta Gaming Authority mit Frage, wie viele Sportwettenmärkte aufgrund von verdächtigen Aktivitäten vom Markt genommen wurden – und zwar vor dem Sportereignis an sich. Denn es passiert immer mal wieder, dass Quoten plötzlich verschwinden oder mit 1,00 bewertet werden, sofern ein Betrugsverdacht im Raum steht. Schließlich hat kein Buchmacher ein Interesse daran, sich übers Ohr hauen zu lassen. Aus diesem Grund will die Aufsichtsbehörde wissen, ob und wenn ja, wie oft der Anbieter von Wetten selbst aktiv wird. Eine letzte Frage dreht sich darum: „Wie viele Sportwettenmärkte müssen alle auf sie platzierten Wetten rückwirkend – nach dem Event – für ungültig erklären?“ Dabei soll geklärt werden, wie oft ein möglicher betrugsverdacht erst im Nachhinein aufkam.

Die Buchmacher und die Organisationen, die in einem anderen Zusammenhang mit Sport und Wetten stehen, gaben allesamt eine Rückmeldung. Neben zahlreichen Feedbacks gingen auch Änderungsvorschläge bei der Malta Gaming Authority ein, die zum großen Teil bereits überarbeitet und in das vorliegende Konsultationspapier eingebunden wurden.

Manipulationsanfällige Spiele und der Umgang mit Streitfällen

Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit der maltesischen Maßnahmen. Vor kurzem noch fanden in Paris die French Open statt. Brisant ist das Thema gerade deshalb, weil in diesem Zusammenhang von unterschiedlichen Stellen auf einen mutmaßlichen Wettbetrug hingewiesen wurde. Insbesondere ging es dabei um ein Doppel, das von der US Amerikanerin Brengle gemeinsam mit der Russin Sizikova gegen das rumänische Paar Mitu und Tig ausgetragen wurde. Schon zum fünften Spiel im zweiten Satz wurden einige auffällige Einsätze getätigt und auch das Verhalten der Spielerinnen war auffällig. Unter Verdacht steht in erster Linie die Russin. Ihr unterliefen in diesem Spielabschnitt gleich zwei Doppelfehler, und einen weiteren Punktverlust verschuldete sie durch einen „kleinen Ausrutscher“. Wegen der aktuell laufenden Ermittlungen wollen sich allerdings Sportradar und die Tennis Integrity Unit (TIU) nicht dazu äußern. Dieser Ballsport gilt als besonders manipulationsanfällig, denn bei einer „Individualsportart“ wie Tennis muss nur der Gegenspieler „überzeugt“ werden. Erschwerend hinzu kommt, dass die anhaltende Gesundheitskrise auch vor einigen Profisportlern keinen Halt macht. So manch einer ist in den letzten Monaten in eine arge finanzielle Schieflage geraten.

Zu den weiteren Anliegen der Malta Gaming Authority gehört es Streitfälle beizulegen, die zwischen Wettanbietern und ihren Kunden entstehen können. Daher sollen künftige Beschwerden direkt an die MGA weitergeleitet werden, um schneller eine zufriedenstellende Lösung für alle Parteien herbeizuführen.