Die maltesische Gewerkschaft General Workers Union (GWU) hat sich erfolgreich gegen Entlassungen beim Spieleanbieter NetEnt gewährt. Nach dem Kauf des Unternehmens durch Evolution Gaming sollten 300 Menschen in Malta ihren Job verlieren. Zumindest für einige Betroffene gibt es nun Grund für Optimismus.

Maltesische Gewerkschaft kämpft erfolgreich für Angestellte

NetEnt Evolution GamingDie General Workers Union hat sich außergerichtlich mit Evolution Gaming darauf geeinigt, dass die angekündigten Entlassungen von 300 Menschen nicht wie geplant durchgeführt werden. Evolution Gaming hatte nach dem Kauf von NetEnt, einem Spezialisten für Spielautomaten und Live Games, allen Mitarbeitern des schwedischen Spieleherstellers in Malta mitgeteilt, dass ihre Dienste nicht mehr benötigt werden. Zudem hatte es diverse Abfindungsangebote gegeben, die allerdings von den meisten Mitarbeitern als sehr gering eingeschätzt wurden. Die General Workers Union hat sich erfolgreich für die Angestellten eingesetzt und in Verhandlungen mit Evolution Gaming erreicht, dass 40 Angestellte ihren Job behalten können. Zudem hat Evolution Gaming zugesagt, dass weitere 60 Personen ein Angebot an anderer Stelle in Malta bekommen. Für die restlichen Mitarbeiter von NetEnt gibt es deutlich aufgewertete Abfindungsangebote. Insofern profitieren letztlich alle Betroffenen von dem Einschreiten der General Workers Union. Allerdings dürfen sich nur die Angestellten, die ihren Job behalten oder ein neues Jobangebot bekommen, wirklich freuen. Für die anderen Mitarbeiter von NetEnt ist der Jahreswechsel hingegen mit großen Unsicherheiten verbunden. Nicht alle Mitarbeiter, die vor die Tür gesetzt worden sind, werden sofort einen neuen Job finden. Auch wenn die Glücksspielbranche in Malta ständig auf der Suche ist nach qualifizierten Fachkräften, deutet im Moment einiges darauf hin, dass nicht alle NetEnt-Mitarbeiter die höchsten Ansprüche erfüllen.

Viele NetEnt-Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, waren im Live-Bereich aktiv. Da Evolution Gaming aber einen eigenen Live-Bereich hat, werden zahlreiche Studios von NetEnt komplett abgeschaltet. Die Mitarbeiter, die sich bislang über einen attraktiven Job in Malta freuen durften, müssen nun darauf hoffen, dass andere Live-Studios vielleicht Interesse zeigen. In der aktuellen Lage ist es aber völlig unklar, ob es schnell neue Jobangebote in diesem Bereich geben wird. Für einige Betroffene wird das bedeuten, dass es schwer sein wird, auf Malta zu bleiben. Die meisten Mitarbeiter von NetEnt haben nur dann eine Aufenthaltserlaubnis in Malta, wenn ein Job nachgewiesen werden kann. Aber zumindest gibt es die Hoffnung, dass es in irgendeiner Form in der Glücksspielbranche weitergehen könnte. Grundsätzlich läuft das Online-Glücksspiel sehr gut. Flexible Glücksspiel-Angestellte, die vielleicht auch nicht darauf bestehen, unbedingt in Malta zu arbeiten, dürften gute Chancen haben, zumindest mittelfristig wieder einen attraktiven Job zu bekommen. Wie in allen anderen Branchen hilft es, einschlägige Erfahrung nachweisen zu können bei Bewerbungen. Aber es wird auch einige Härtefälle geben, die vielleicht aber auch die Entlassung nutzen, um sich beruflich neu zu orientieren. Es ist bedauerlich, dass beim Verkauf von NetEnt keine Jobgarantien ausgehandelt worden sind. Aber das wäre vielleicht auch ein bisschen zu viel verlangt gewesen, denn bei einem Verkauf geht es vor allem darum, die Zustimmung der Aktionäre zu bekommen.

Malta schützt Glücksspiel-Angestellte erstaunlich gut

Die aktuelle Auseinandersetzung zwischen der General Workers Union und Evolution Gaming zeigt, dass die maltesische Glücksspielbranche besser aufgestellt ist in Bezug auf Arbeitsschutz, als dies allgemein vielleicht vermutet wird. Immerhin ist es gelungen, für alle Betroffenen einen besseren Deal auszuhandeln. Besonders dürften sich die 100 NetEnt-Mitarbeiter erfreuen, die eine neue Jobchance erhalten. Aber auch die anderen NetEnt-Mitarbeiter dürften zumindest dankbar sein, dass die Abfindung ein bisschen höher ausfällt, als ursprünglich geplant war. Die Glücksspielbranche hat in den letzten Jahren ein immenses Wachstum mit vielen attraktiven Jobchancen verzeichnet. Dieses Wachstum bedeutet auch, dass es einen ständigen Wandel gibt. Nur wenige Mitarbeiter in der Glücksspielbranche arbeiten viele Jahre beim gleichen Unternehmen. Insofern sollte keiner der NetEnt-Mitarbeiter ernsthaft damit gerechnet haben, dass die Jobs dauerhaft sicher sind. Aber vermutlich hatten auch nicht alle betroffenen NetEnt-Mitarbeiter damit gerechnet, dass sie kurz vor Weihnachten mitgeteilt bekommen, dass es keine Verwendung mehr für sie gibt.

Eine Sache ist sicher: Evolution Gaming hätte die ganze Sache deutlich stilvoller und eleganter lösen können. Letztlich wäre das auch für das Unternehmen wichtig gewesen, denn früher oder später wird Evolution Gaming wieder anfangen, Personal einzustellen. Ein gutes Image ist dann fast genauso wichtig wie ein attraktives Gehalt. Evolution Gaming hat sich durch die aktuelle Aktion als Arbeitgeber nicht unbedingt attraktiver gemacht. Aber vielleicht lernt die Führungsspitze des Unternehmens durch die schlechte Presse, die es zuletzt gegeben hat. Zudem wäre es wünschenswert, wenn auch andere Unternehmen in der Glücksspielbranche ganz genau hinschauen würden. Manchmal sind Entlassungen unvermeidlich, aber es gibt gute und weniger gute Wege, notwendige Umstrukturierungen durchzuführen. Evolution Gaming hat, das lässt sich spätestens nach dem Deal mit der General Workers Union feststellen, nicht auf Anhieb den besten Weg gefunden beim Umgang mit den überzähligen NetEnt-Mitarbeitern.

Hier mehr den Erfolg der General Workers Union beim Kampf gegen Evolution Gaming lesen (auf Englisch).