Im Stadtrat von Mallorcas Metropole Palma wurde ein neuer Generalplan verabschiedet. Er sieht weitere Beschränkungen vor, die die Eröffnung von Wett- und Glücksspiel-Lokalen betreffen. Die Absicht, die dahinter steckt, ist, das Glücksspiel generell auf ein Minimum zu reduzieren. Soeben kündigte der Stadtrat von Palma an, dass „... diese Anforderungen mit der Vergrößerung des Abstands zwischen diesen ‚schädlichen Aktivitäten‘ und Schulen, Gesundheitszentren oder solchen mit einem großen Zustrom von gefährdeten Personen zusammenhängen“. Baudezernentin Neus Truyol bestätigte gleichzeitig, dass die Regierung der Baleareninsel die Spielsucht bekämpfen und in den nächsten zwei Jahren keine neuen Glücksspiel-Lizenzen mehr vergeben will. Hiervon ist gerade Palma de Mallorca sehr stark betroffen. Die Insel-Hauptstadt gilt als eine der spanischen Städte, die eine der höchsten Spielsalon-Dichten des ganzen Landes vorweist. Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte die Regierung deutlich schärfere Kontrollen angekündigt und diese auch durchgeführt.

Schärfere Kontrollen in Mallorcas Spielhallen

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Durch dieses Moratorium soll nun der Gefahr von Spielsucht vorgebeugt werden und ein größerer Schutz von Minderjährigen gewährleistet sein. Dieses zweijährige Moratorium kann bei Bedarf auch noch beliebig verlängert werden. Bereits vor einem Jahr, im Januar 2020, wurde ein Moratorium für Spielsalons verabschiedet, das einigen Anwohnern nicht genug war. Die Bewohner der Placa Santa Pagesa in Palmas Stadtteil Bons Aires hatten gegen die Erweiterung eines Spielsalons mobil gemacht. Sie hängten Protestplakate aus den Fenstern, die sich über diesem Spielsalon befanden und sammelten Unterschriften, in der Hoffnung die geplante Erweiterung doch noch stoppen zu können. Allerdings ohne Erfolg. Dem Betreiber wurden seine Umbaumaßnahmen gestattet.

Harte Zeiten für Mallorcas Glücksspielanbieter

Palma de Mallorca hat sich in den vergangenen Jahren zu einer spanischen Metropole des Glücksspiels entwickelt. Besonders in den Vierteln, die weniger wohlhabend und in denen die Mieten für Gewerbetreibende deutlich niedriger sind, als in anderen Stadtteilen, florieren Spielhallen und Wettbüros. Seit 2017 dürfen auf Mallorca auch Spielhallen Sportwetten anbieten, und spätestens seit diesem Zeitpunkt ist das Glücksspiel nun endgültig auf dem Vormarsch. Die Behörden sorgen sich hingegen um eine Ausbreitung der Spielsucht und verschärften ihre Kontrollen. Der Leiter der Abteilung für Gewerbe in der Landesregierung, Miguel Pinol, kündigte bereits vor einem Jahr an: „Wir werden alles dafür tun, dass die Balearen nicht zu einem Low Cost Las Vegas werden und die Situation überwachen.“ Dabei ging es ihm nicht ausschließlich um die Kontrolle der Lage der jeweiligen Spielstätten, die auf Mallorca einen Mindestabstand von 100 Metern zu Schulen, Kindergärten und Spielplätzen aufweisen müssen – in der Hauptstadt beträgt der Mindestabstand sogar 500 Meter -  sondern vor allen Dingen um die Einlasskontrollen. „Die Betreiber sind verpflichtet, sich von jeder Person, die das Lokal betritt, den Ausweis zeigen zu lassen,“ fügte er hinzu. Ihm ging es in erster Linie darum, dass neben den Minderjährigen auch den zum damaligen Zeitpunkt existierenden 650 Personen der Zutritt verweigert wird, die sich mit ihrer Spielsucht auseinandergesetzt und deshalb freiwillig in eine Sperrdatei eingetragen haben. „Theoretisch hätte das Personal der Spielsalons sie auch vorher schon kontrollieren sollen, nun ist es aber dazu verpflichtet,“ so Miguel Pinol weiter. Seit Mitte November 2020 ist ein Team der Landesregierung tagtäglich unterwegs. Es kontrolliert die Lizenzen und die Einhaltung der Vorschriften. In kriminellen Fällen, wie bei Geldwäsche bzw. illegalen Kartenspielen, erhält das Team Unterstützung durch die Nationalpolizei, die sich seit längerem ebenfalls sehr intensiv mit dem Glücksspiel befasst. Im Rahmen der sogenannten „Operation Arcade“ wurden knapp 2.000 Wettbüros und Spielsalons besucht, dabei 28 Minderjährige angetroffen sowie knapp 200 Erwachsene ohne Papiere. Vier Personen mussten festgenommen werden.

Bis zu 700.000,- Euro Geldstrafe drohen Betreibern, die sich nicht an die Regeln halten. Laut Pinol sind rund 10.000,- Euro fällig, wenn Betreiber einer Person unter 18 Jahren den Zutritt gewähren und nochmal 30.000,- Euro, wenn sie den Minderjährigen tatsächlich spielen lassen. Die verschärfte Gangart scheint bereits Wirkung zu zeigen. Bereits an den Eingängen fallen einem sofort große Verbotsschilder auf, die Minderjährigen den Zutritt untersagen und ein offizieller Auszug aus dem Gesetz hängt überall deutlich lesbar aus. Das gleiche gilt für „... die Gefahr, dass missbräuchlicher Konsum Spielsucht zur Folge haben kann.“ Die Kontrolle gegen Verstöße funktioniert bei den stationären Spielhallen relativ gut, doch im Internet ist das weitaus schwieriger, sagt Miguel Pinol: Auch Online Casinos und Online Sportwetten haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Auf diesen Bereich haben wir bislang keinen Einfluss.“ In diesem Zusammenhang verweist er auch auf die Werbemethoden und den weitverbreiteten Gebrauch von Smartphones. „Meistens zeigt die Werbung einen bekannten Sportler mit einem Handy in der Hand.“