Maarten Haijer, der Generalsekretär der renommierten European Gaming and Betting Association (EGBA), fordert die Aktivierung der Selbstreinigungskräfte in der Glücksspielbranche. Die gesamte Industrie, nicht nur die Online Casinos, sei darauf angewiesen, ein besseres Image in der Öffentlichkeit zu haben. Für Maarten Haijer ist es ein großes Problem, dass die Glücksspielindustrie speziell in Europa ein negatives Image bei vielen Menschen hat. Vor allem die zahlreichen Menschen, die nie in einem Casino spielen und nie Sportwetten abschließen, haben eine erstaunlich negative Einstellung zum Glücksspiel. Es gibt zahlreiche einschlägige Umfragen, in denen immer wieder deutlich wird, dass die Glücksspiel-Fans, die aktiv sind in Online Casinos und bei Online-Buchmachern ein wesentlich positiveres Bild haben als die Menschen, die sich mit der Branche überhaupt nicht aus eigener Anschauung heraus auskennen. Das ist ein interessanter Fakt, der aber laut Maarten Haijer nicht zufällig ist.

Glücksspielindustrie leidet unter negativem Image

Online CasinoVielmehr habe die Glücksspielindustrie in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, dass das negative Image in der Öffentlichkeit gefördert worden sei. Als Hauptargument für diese These nennt Maarten Haijer die Werbung im Fernsehen. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass viele Casino-Betreiber und Sportwettenanbieter es vielleicht ein bisschen übertrieben haben mit der Werbung. Auch viele deutsche Fußballfans beschweren sich darüber, dass es kaum noch möglich ist, ein Fußballspiel leicht zu schauen, ohne von Sportwetten-Werbung überschwemmt zu werden. Die Werbung ist oft schrill und nervig. Allerdings weist Maarten Haijer auch darauf hin, dass Sportwetten-Werbung und Glücksspielwerbung generell keinen messbaren Effekt auf die Anzahl der Problemspieler haben. Aber für die Glücksspielindustrie ergibt sich durch Werbung, die von vielen Zuschauern als negativ und unpassend angesehen wird, ein grundlegendes Problem.

Warum ist das der Fall? Laut Maarten Haijer ist es zum Beispiel beim Thema Glücksspiel-Regulierung ein großer Nachteil, dass es eine negative öffentliche Meinung über das Glücksspiel gibt. Auf der anderen Seite gibt es aber sehr viele Menschen, die positive Erfahrungen in Online Casinos und bei Sportwettenanbietern machen. Aus Sicht von Maarten Haijer sei es geboten, die gesamte Marketing-Strategie der Glücksspielindustrie zu überdenken. Es sei wichtig und sinnvoll, nicht nur darauf zu achten, möglichst viele Kunden neu zu werben. Mindestens genauso wichtig sei es, auf die generelle Präsentation von Sportwetten und Glücksspielen in der Öffentlichkeit zu achten. Das ist eine schwierige Aufgabe, denn das negative Glücksspiel-Image ist vielleicht in den letzten Jahren überwiegend auf unpassende Werbung zurückzuführen. Aber es lässt sich wohl kaum bestreiten, dass Glücksspiel generell im Vergleich zu anderen Themen einen eher schweren Stand in der Öffentlichkeit hat. Bei Sportwetten gibt es vielleicht noch bessere Chancen, ein positives Image in der Öffentlichkeit zu erreichen. Immerhin gibt es viele ehemalige Fußballprofis, die Werbung für Sportwettenanbieter machen. Aber es dürfte deutlich schwieriger sein, prominente Fürsprecher für Online Casinos zu gewinnen, auch wenn es die eine oder andere Ausnahme geben mag. Aber generell gilt, dass die Casino-Betreiber ein genuines Interesse daran haben sollten, eine positive öffentliche Wahrnehmung zu erzeugen. Am Ende sind es immer Politiker, die darüber entscheiden, wie die Regulierung des Glücksspiels stattfindet. Auch wenn es in Deutschland eine starke Glücksspiellobby für das landbasierten Geschäft gibt, fehlt doch eine ähnlich starke Lobby für die Online-Anbieter. Wohin das führt, zeigt sich aktuell zum Beispiel an der Glücksspiel-Regulierung, die von den deutschen Bundesländern ausgehandelt worden ist und ab Mitte 2021 in Kraft treten soll. Diese Regulierung ist deutlich strenger als in vielen anderen europäischen Ländern.

Glücksspielindustrie sollte nicht auf Regulierung warten

Die deutsche Glücksspielindustrie könnte sich ein Beispiel an der britischen Glücksspielindustrie nehmen. In den letzten Jahren hat es sehr viel Bewegung auf dem britischen Glücksspielmarkt gegeben. Mittlerweile setzen sich nahezu alle großen Konzerne und Firmen dafür ein, eine vernünftige Regulierung umzusetzen. Damit diese Regulierung am Ende auch vernünftig ist und nicht einfach nur möglichst radikal, arbeiten Industrievertreter aktiv daran mit, einen hochwertigen Spielerschutz umzusetzen. In Deutschland hat die Glücksspielindustrie praktisch keinen Einfluss auf den neuen Glücksspielstaatsvertrag gehabt. Kritiker mögen einwenden, dass das vielleicht eine gute Sache sei. Aber für Politiker, die sich nur in der Theorie mit Online-Glücksspiel beschäftigen, ist es enorm schwer, die Folgen einer Regulierung im Detail zu beurteilen. Deswegen ist es in jedem Fall eine gute Idee, auf Fachleute zu hören, die sich mit der Thematik auskennen. Entscheiden müssen die Politiker am Ende ohnehin immer. Aber die deutsche Glücksspiel-Regulierung hätte deutlich sinnvoller und effizienter ausfallen können, wenn in ausreichendem Umfang Vertreter der Glücksspielindustrie gehört worden wären. Allerdings ist das nicht nur ein Fehler der Politik, sondern auch ein Fehler der Glücksspielindustrie, die viel zu spät begriffen hat, in welche Richtung sich die Glücksspiel-Regulierung in Deutschland entwickelt. In Zukunft wird es wichtig und nötig sein, aktiv und auch öffentlich daran mitzuwirken, eine bessere Glücksspiel-Regulierung in Deutschland durchzusetzen.

Besonders, wenn es um die Werbung für Online-Glücksspiel und Online-Sportwetten geht, kann die Glücksspielindustrie schon jetzt zeigen, dass sie dazu gewillt ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Laut Maarten Haijer wäre es dringend geboten, die Werbung weniger aufdringlich zu gestalten, um die zahlreichen Sportfans, die zum Beispiel bei Live-Spielen der Bundesliga mit Sportwetten-Werbung bedient werden, nicht zu verärgern. Nicht nur Maarten Haijer ist davon überzeugt, dass die Glücksspielindustrie bei der Fernsehwerbung in den letzten Jahren das Rad deutlich überdreht hat. Mit besserer und geschmackvoller Werbung wäre es möglich, genauso effizient neue Kunden zu werben. Die negativen Seiteneffekte einer schlecht gemachten und aufdringlichen Werbung könnten weitgehend ausgeschlossen werden. Aber vielleicht erledigt sich das Problem auch dadurch, dass in Deutschland demnächst gar keine Werbung für Casinos und Buchmachern im Fernsehen mehr erlaubt ist. Zumindest wird es zum Start der neuen Glücksspiel-Regulierung in Deutschland deutlich schwerer für die Online-Anbieter, Werbung im Fernsehen zu schalten. Es wird feste Zeitfenster geben, die für diese Form der Werbung zulässig sind. Wahrscheinlich wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, die Nachmittagsspiele der Bundesliga mit Werbung für Sportwetten zu bestücken. Ein Stück weit haben sich das die Anbieter selbst zuzuschreiben, denn auch ein wohlwollender Sportwetten-Fan ist irgendwann genervt, wenn die immergleichen Anbieter mit der immergleichen schrillen Werbung die Pausen in den Übertragungen füllen.

Werbung ist und bleibt wichtig für Glücksspielindustrie

Maarten Haijer ist gegen ein Werbeverbot. Es gibt viele grundlegende Argumente gegen ein Verbot für Glücksspielwerbung. Beispielsweise wird ein Werbeverbot dazu führen, dass die etablierten Anbieter einen immensen Vorteil auf dem Markt hätten. Die optimale Lösung bestünde darin, dass die Glücksspielindustrie sich darauf besinnt, die Werbung so zu gestalten, dass auch neutrale Zuschauer Freude beim Zuschauen haben. Es gibt in der Geschichte der Fernsehwerbung unzählige Beispiele für Werbespots, die für sich genommen bereits kleine Kunstwerke waren. Für neutrale Zuschauer ist es am Ende gar nicht wichtig, welches Produkt beworben wird, solange der Werbespot eine hohe Qualität hat und unterhaltsam ist. Vielleicht müsste die Glücksspielindustrie sich auf diese Qualität der Fernsehwerbung besinnen. Es gibt mit Sicherheit viele kreative Werbefirmen, die nur darauf warten, hochwertige Werbespots für die Glücksspielindustrie zu entwickeln. Warum es immer die schrillen und lauten Werbespots sein müssen, erschließt sich einem neutralen Zuschauer nicht unbedingt. Vielleicht ist es Zeit, die ausgetretenen Pfade der letzten Jahre zu verlassen und etwas Neues zu wagen. Völlig klar ist, dass sich die Glücksspielindustrie nicht darauf verlassen sollte, dass es immer so weitergeht wie in den letzten Jahren. Nicht nur in Deutschland gibt es eindeutig die Tendenz, das Glücksspiel strenger zu regulieren als bisher. Auch in anderen Ländern wie Dänemark, Italien und Schweden stehen die Zeichen klar auf Verschärfung der Regulierung.

Mit einem besseren Image in der Öffentlichkeit könnte die Glücksspielindustrie bei künftigen Regulierungsverfahren deutlich mehr Einfluss nehmen. Es würde schon reichen, wenn in Umfragen herauskommen würde, dass sich die meisten Menschen überhaupt nicht für Sportwetten und Casinos interessieren und keine Meinung zu dieser Thematik haben. Solange aber viele Menschen das Glücksspiel insgesamt eher negativ wahrnehmen, wird es für die Glücksspielindustrie schwer bleiben, gegen eine strenge Regulierung erfolgreich vorzugehen. Dabei gibt es viele starke Argumente, die Glücksspiel-Regulierung nicht zu streng zu gestalten. In Schweden zeigt sich zum Beispiel aktuell, dass eine sehr strenge Regulierung dazu führt, dass viele Kunden den legalen Markt verlassen und stattdessen auf dem Schwarzmarkt spielen. Auch dieses Problem hat Maarten Haijer mit Sicherheit im Hinterkopf, wenn er die Glücksspielbranche in Europa dazu auffordert, die Selbstreinigungskräfte zu aktivieren. Das Online-Glücksspiel ist noch recht jung und es gibt viele Unternehmen, die in den letzten Jahren enorm gewachsen sind. Deswegen fehlt an der einen oder anderen Stelle vielleicht auch noch die nötige Erfahrung bei den Entscheidungsträgern. Aber angesichts der zahlreichen Bestrebungen, die Glücksspiel-Regulierung in europäischen Ländern zu verschärfen, wäre es gut, wenn ein schneller Lernprozess einsetzen würde. Ansonsten könnte die Glücksspielindustrie, die in den letzten Jahren im Internet immens gewachsen ist, durch strenge Regulierungen schon bald an künstliche Wachstumsgrenzen stoßen.