Nachdem nun auch der Untersuchungsausschuss seine Arbeit beendet hat, die sich mit den Skandalen und Ungereimtheiten rund um die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und deren CEOs Maren Sieb und Ralf van Einem beschäftigt hatte, soll in Magdeburg endlich wieder Ruhe einkehren. Dafür wird ab dem 1. Juni 2021 der Dipl. Kaufmann Stefan Ebert sorgen, der dann die Geschäftsführung der Gesellschaft übernehmen wird, deren alleiniger Gesellschafter das Land Sachsen-Anhalt ist und das in dieser Position durch das Ministerium für Finanzen vertreten wird.

Neuer Geschäftsführer soll wieder für Ruhe bei Lotto Sachsen-Anhalt sorgen

Lotto Sachsen-Anhalt

Der neue Geschäftsführer studierte Betriebswissenschaften und blickt mittlerweile auf 25 Jahre Berufserfahrung zurück, die er vorwiegend in renommierten Hamburger Unternehmen sammelte, bei denen er in verschiedenen Positionen im Controlling, Projektmanagement und dem Bereich des E-Commerce beschäftigt war. In den letzten zehn Jahren war der gebürtige Magdeburger bei Tochterunternehmen großer Handelskonzerne als Geschäftsführer tätig. Nun kehrt der 53-Jährige in seine Heimat zurück, um die Führung der Landeslotterie zu übernehmen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Thomas Webel, freut sich über den Vertrag mit Stefan Ebert. Er sagt: „Mit Stefan Ebert haben wir einen gestandenen Manager für die Führung der Lotto-Toto GmbH gewonnen. Wir sind überzeugt, dass er mit seiner Erfahrung und seiner persönlichen Kompetenz einen großen Beitrag dazu leisten wird, die erfolgreiche Landesgesellschaft in ruhigem Fahrwasser zu halten. Der neue Geschäftsführer ist selbst sehr gespannt auf seine neue Aufgabe. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung. In der Gesellschaft steckt ein großes Potential, was die Entwicklung und Etablierung in einem neuen Marktumfeld angeht. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lotto-Toto GmbH werde ich mich dafür einsetzen, dass Spiel-Willigen in Sachsen-Anhalt auch weiterhin ein sicheres und attraktives Angebot gemacht werden kann,“ verspricht er. Das zu 100 % im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt befindliche Unternehmen bietet bereits seit seiner Gründung im Jahre 1991 auf der Basis der jeweils gültigen Glücksspielstaatsverträge zahlreiche Wetten und Lotterien an. Als Organe der Gesellschaft fungieren zum einen die Geschäftsführung, aber auch die Gesellschafterversammlung sowie der Aufsichtsrat der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Bei der Vergabe der Fördermittel wird die Gesellschaft vom Beirat der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt beraten.

Seit der Gründung der GmbH konnten aus den Spieleinsätzen knapp 11.000 gemeinnützige Projekte in Sachsen-Anhalt bezuschusst werden. Die Gesamtsumme der Förderungen beläuft sich inzwischen auf rund 212 Millionen Euro. Seit dem 22. Januar 1993 ist das staatliche Unternehmen Mitglied im Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) und darüber hinaus auch ein Mitglied der World Lottery Association (WLA), der Weltvereinigung der Lotterien sowie der European State Lotteries and Toto Association (EL), bei der es sich um die Vereinigung der staatlichen Lotterien und Toto-Gesellschaften in Europa handelt.

Knapp 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind direkt am Stammsitz des Unternehmens in Magdeburg beschäftigt. Darüber hinaus ist die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt Vertragspartner von landesweit rund 660 Lotto- und Toto-Annahmestellen, die mehr als insgesamt 2.500 Angestellte beschäftigen. Auf dem Gebiet der Suchtprävention arbeitet die Gesellschaft mit diversen Forschungseinrichtungen zusammen und nutzt deren Erkenntnisse. Über den DLTB besteht darüber hinaus mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Kooperationsvereinbarung.

Alte Geschäftsführer schadeten dem Ruf der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Zu den dringlichsten Aufgaben des neuen Geschäftsführers der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt wird zunächst einmal das Aufräumen und die Lobbyarbeit gehören. Seine beiden Vorgänger im Amt, Maren Sieb und Ralf van Einem, haben schließlich ein ziemliches Durcheinander hinterlassen, was dem guten Ruf der Gesellschaft nicht zuträglich war und auch der Marke Lotto sehr geschadet hat. Den beiden wurde nicht nur eine äußerst fragwürdige Fördermittelvergabe vorgeworfen, zudem stand auch sehr lange der Verdacht von Geldwäsche und Vetternwirtschaft im Raum. Im Juli vergangenen Jahres wurde die Doppelspitze der Landeslotterie zunächst freigestellt, und Mitte September folgte dann für Sieb und van Einem endgültig die Kündigung „mit sofortiger Wirkung“. In der Zwischenzeit hatte eine Interims-Leitung die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt übernommen.

Ein Untersuchungsausschuss, der sich im Landtag mit den Geschäften des staatlichen Unternehmens befasste, hatte bereits im September 2019 mit seiner Arbeit begonnen. Zu den vorrangigen Aufgaben des U-Ausschusses gehörte u.a. die Klärung der Fragen, inwieweit Lotto-Gelder „korrekt eingesetzt“ wurden und ob es sich bei den Gehaltserhöhungen innerhalb der Gesellschaft noch um verhältnismäßige Anpassungen handelte. Darüber hinaus fanden Prüfungen eines externen Sachverständigen sowie von der Glücksspielaufsicht statt. Kritik an der Lotto-Gesellschaft hagelte es auch vom Landesrechnungshof, der dem Untersuchungsausschuss den Prüfbericht vorlegte. Durch diesen Prüfbericht trat zutage, dass beispielsweise das Bad Lauchstädter Goethe-Theater und die dazugehörige Kulturanlage mit insgesamt 273.000,- Euro gefördert wurden, was mehr als dem Dreifachen der Förder-Maximalgrenze von 75.000,- Euro entspricht. Auch bei einigen Großveranstaltungen und Festivals stellten sich Ungereimtheiten heraus. Die Bach-Festtage in Köthen, die Händel-Festspiele in Halle, das Dessauer Kurt Weill Fest sowie das Magdeburger Domplatz Open Air warfen bei den Prüfern die Frage danach auf, ob es sich bei diesen Veranstaltungen nicht um rein kommerzielle Projekte handele, denen gar keine Förderung zusteht. Auch das zum Teil fragwürdige Sport-Sponsoring stand im Fokus der Rechnungsprüfer und die Besetzung von Lotto-Bezirksleiter-Stellen, da weder die Bewerbungsverfahren noch die Auswahl der entsprechenden Kandidaten hinreichend dokumentiert wurde. Am schwerwiegendsten waren jedoch die Vorfälle in einer Annahmestelle in Zerbst, in der es wiederholt zu enormen Gewinnausschüttungen bei Sportwetten kam.