An möglichen Motivationen für einen Trip nach Las Vegas mangelt es nicht. Da gibt es zum Beispiel die Frischverliebten, die planen, sich in der heimlichen Hochzeitshauptstadt Nevadas das Ja-Wort in einer der vielen „Wedding Chapels“ zu geben, oder die zig tausend Glücksspielfans, die Woche für Woche entlang des legendären Strips in einem der großen Casinos Fortuna herausfordern wollen, unzählige Junggesellenabschiede, und, und, und. Allein die spektakulären Shows, die allabendlich im Mirage, MGM Grand, Planet Hollywood oder im Treasure Island stattfinden, sind eine Reise wert. Hier traten schon internationale Stars wie Elvis Presley, Frank Sinatra, Celine Dion, Elton John oder so exzellente Magier wie David Copperfield und Siegfried & Roy auf. 2019 verzeichnete die größte Stadt im US Bundesstaat Nevada immerhin mehr als 42 Millionen Gäste. Aber es gibt auch diejenigen, die einfach nur mal etwas total Verrücktes erleben wollen und sich dafür das legendäre Sin City als Ziel aussuchen. Darunter findet man auch zwei junge Deutsche, die sich vor gut zwei Jahren auf einen irren Road Trip nach Las Vegas machten und soeben ihren Debütfilm „Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas“ vorlegten, der aktuell in zahlreichen deutschen Kinos zu sehen ist.

Von nassen Lederhosen und einem Paar Trachtensocken

Las Vegas Movie„Mehr Lederhosen-Liebe geht nicht“ titelte eine große deutsche Tageszeitung anlässlich des Filmstarts von „Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas“. Die beiden Brüder Thomas (24) und Julian Wittmann (27) hatten sich vor rund zwei Jahren ihre Lederhosen angezogen, die Zündapp Mofas geschnappt und machten sich damit auf den 12.000 Kilometer langen Weg vom heimischen Bayern in die Glücksspielmetropole in der Mojave Wüste. Ihr Gepäck bestand lediglich aus jeweils fünf Unterhosen, fünf T-Shirts, einem Paar Trachtenstrümpfe und einem kleinen Zelt. Drei Monate dauerte der Trip in der kurzen Ledernen. Dabei wechselten sich Kälte und Dauerregen mit brütender Hitze ab. „Die Lederhose war die perfekte Wahl. Sie ist quasi unzerstörbar, bequem und sieht sogar nach so langer Zeit noch schick und festlich aus. Außerdem waren wir ja als Botschafter Bayerns unterwegs, was hätten wir sonst anziehen sollen?“ kommentiert der 27-jährige Julian Wittmann das gewählte Outfit und sein Bruder Thomas ergänzt: „Blöd war eigentlich nur, als wir an der Ostküste in einen Hurrikan kamen. Die Lederhosen haben sich ja bei dem Regen total vollgesaugt und es hat dann entsprechend gedauert, bis sie wieder trocken waren.“ Schmunzelnd fügt er noch hinzu: „Das eine paar Trachtensocken war vielleicht etwas knapp kalkuliert...“

„Wo liegt eigentlich Bayern?“

Ausgangspunkt der Reise war die altbayerische Herzogstadt Erding. Die knapp 35.000 Einwohner zählende Stadt liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen München und Landshut. Von dort aus ging es zunächst einmal nach Antwerpen, dann mit dem Schiff weiter bis New York und von der Ostküsten-Metropole führte sie ihr Weg quer durch die Vereinigten Staaten. Sie fuhren die Route 66 entlang und erreichten dabei immerhin eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km pro Stunde und das mit jeweils nur 3 PS. Die bayerischen Brüder trafen unterwegs auf Aussteiger, auf Waffennarren und auf Vertreter der Hells Angels. „Die Lederhosen waren schon so ein Türöffner für uns, weil die Amerikaner natürlich gleich gesehen haben, dass wir Exoten sind. Wir mussten ihnen dann erstmal erklären, dass in Deutschland nicht jeder so rumläuft…“, erzählt Julian. Dazu fällt Thomas auch noch eine Geschichte ein: „Ein Amerikaner, den wir auf dem Trip getroffen haben und mit dem wir noch etwas Kontakt haben, hat uns letztens ein Foto von sich in Lederhose geschickt. Der hat sich tatsächlich so ein billiges Imitat gekauft. Aber wir haben ihm natürlich gesagt, dass es gut aussieht…“

Auch wenn es zunächst den Anschein haben mag, so waren die beiden jungen Männer aus Oberbayern doch nicht überall willkommen – jedenfalls nicht sofort. In Arkansas begegneten sie beispielsweise einem ausgesprochen skeptischen Farmer. Er hatte ein Gewehr umgehängt und wollte wissen, woher sie kämen. „Aus Bayern!“, lautete die Antwort, doch der Farmer hatte nicht die leiseste Ahnung, wo das sein könnte. Obwohl sie ihm sehr exotisch erschienen, nahm er Julian und Thomas für eine Nacht bei sich auf. Anschließend war ihm dann auch klar, wo Bayern liegt.

Thomas und Julian Wittmann zogen in die Welt, damit man sie als Bayern erkennt und nicht, um einem kulturellen Klischee zu trotzen. Überzeugen kann man sich davon in dem Dokumentarfilm „Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas“, der derzeit in den Kinos läuft. Dieses skurrile Roadmovie ist der erste Film des neu gegründeten Verleih-Labels „Majestic Sunseitn“, das sich zum Ziel gesetzt hat, bayerische Filme in die Kinos zu bringen. Bei „Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas“ handelt es sich nicht ausschließlich um einen Dokumentarfilm, er ist vielmehr in eine fiktionale Rahmenhandlung eingebettet und in dieser ist dann neben einigen Schauspielern auch die bayerische Comedy Legende Monika Gruber als Putzfrau zu sehen.