Las Vegas hat durch die Wiedereröffnung im Juni einen Umsatz von 567 Millionen Dollar gemacht. Auf den ersten Blick sieht das wie ein großartiges Ergebnis aus. Aber der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass der Umsatz um 45,6 Prozent eingebrochen ist. Doch immerhin sind die Casinos in Las Vegas wieder auf einem Niveau angekommen, mit dem das möglich ist, den Geschäftsbetrieb dauerhaft aufrechtzuerhalten. Normalerweise macht Las Vegas im Juni einen Umsatz von etwa 1 Milliarde Dollar. Mit dieser Zahl im Hinterkopf fällt es schwer, die 567 Millionen Dollar Umsatz im Juni 2020 als Erfolg zu feiern. Aber für die Glücksspielindustrie in Las Vegas ist der Juni ein wichtiger Wendepunkt. Durch die Wiedereröffnung ist es gelungen, den Umsatz insgesamt auf ein solides Niveau anzuheben. In den Casinos wurden immerhin 483 Millionen Dollar im Juni umgesetzt. Der restliche Umsatz wurde in Restaurants und anderen Geschäften erzielt.

Solide Zahlen im Juni nach Wiedereröffnung

Las Vegas HotelVor allem die Casinos konnten doch etwas mehr Umsatz erzielen, als viele Experten vermutet haben. Nach der Wiedereröffnung hatte es zunächst einen großen Ansturm auf die Las Vegas Casinos gegeben. Aber der erste Enthusiasmus war dann doch schnell wieder verflogen, denn die alte Stimmung in den Casinos ist aktuell nicht vorhanden. Die Casinos in Las Vegas müssen wie die meisten Casinos auf der Welt mit strengen Hygienevorschriften leben. Es ist nicht möglich, die Tische voll zu besetzen und zwischen den Automaten müssen Mindestabstände eingehalten werden, die deutlich größer sind als früher. Das alles trägt dazu bei, dass die Nachfrage längst nicht auf dem alten Niveau ist. Nicht zuletzt fehlen auch viele Touristen, die normalerweise in Las Vegas einen großen Teil des Umsatzes verursachen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Casinos sich im Vergleich zu den anderen Anbietern in Las Vegas doch recht gut erholt haben. Viel schwieriger dürfte aktuell die Situation für Restaurants, Konzerthallen und andere Freizeitangebote sein. Normalerweise machen diese Angebote mittlerweile insgesamt einen höheren Umsatz als die Casinos. Dort von den alten Zahlen sind die Freizeitangebote jenseits der Casinos derzeit weit entfernt.

Im Jahr 2020 hat Las Vegas im ersten Halbjahr einen Gesamtumsatz von 3,3 Milliarden Euro gemacht. Im letzten Jahr lag der Umsatz im gleichen Zeitraum bei knapp 6 Milliarden Euro. Berücksichtigt man, dass zu Beginn des Jahres noch alles ganz normal gelaufen ist in Las Vegas, wird sehr schnell deutlich, dass die Krise Las Vegas sehr hart getroffen hat. Besonders schwierig waren die Monate April und Mai, denn in diesen beiden Monaten wurde fast kein Umsatz erzielt. Das ist dramatisch für die ganze Stadt, denn ein großer Teil der Wirtschaftskraft von Las Vegas basiert auf den Casinos. Für Las Vegas wäre es eine große Katastrophe, wenn die Gesundheitskrise nicht in einem ausreichenden Maß gelöst werden könnte. Im Moment gibt es viel Grund für Optimismus. Aber alle Unternehmer in Las Vegas sind derzeit gut beraten, in unterschiedlichen Szenarien zu planen. Was passiert zum Beispiel, wenn die aktuelle Situation bis weit ins Jahr 2021 fortgeschrieben wird? Noch hat es nicht viele Pleiten in Las Vegas gegeben. Aber wenn die Umsätze dauerhaft auf einem niedrigen Niveau bleiben, wird es früher oder später zahlreiche Unternehmer geben, die aufgeben müssen. Im Moment unternimmt Nevada sehr viel, um die Unternehmer zu unterstützen. Insbesondere für die Casino-Betreiber gibt es zahlreiche Vereinfachungen, zum Beispiel geringere Steuern und einfachere Regeln bei den Öffnungszeiten. Aber auf Dauer hilft den Casinos nur die Rückkehr zu den alten Besucherzahlen. Die entscheidende Frage wird am Ende sein: Wie lange dauert es, bis Las Vegas wieder auf dem Niveau von 2019 ist?

Las Vegas profitiert von fehlenden Reisebeschränkungen

Obwohl die Besucherzahlen in Las Vegas deutlich niedriger sind als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr, lässt sich doch feststellen, dass es einige Casino-Fans auch schon im Juni nach Las Vegas getrieben hat. Doch wie lässt sich das erklären? Eine wichtige Voraussetzung ist zunächst, dass es in den USA praktisch keine Reisebeschränkungen gegeben hat, auch nicht auf dem Höhepunkt der Krise. Aber selbst die wenigen lokale Beschränkungen waren im Juni nicht mehr relevant, sodass alle amerikanischen Casino-Fans, die unbedingt nach Las Vegas reisen wollten, diese Reise unternehmen konnten. Zudem ist es in den USA eine große Tradition, auch längere Reisen mit dem Auto zu machen. Das Auto ist in der Gesundheitskrise ein sehr sinnvolles und sicheres Verkehrsmittel. Deswegen haben viele Casino-Fans aus den benachbarten Staaten Las Vegas besucht und das zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Macau hat zum Beispiel deutlich größere Schwierigkeiten nach der Wiedereröffnung gehabt, da die chinesischen Besucher vom Festland keine Möglichkeit hatten, die Casinos zu besuchen. Las Vegas steht allen amerikanischen Besuchern offen. Das Problem ist eher, dass es viele Menschen gibt, die derzeit aufgrund der allgemeinen Situation nicht nach Las Vegas kommen wollen. Aber an den erstaunlich guten Umsätzen im Juni wird deutlich, dass sich viele Glücksspiel-Fans nicht von den Rahmenbedingungen haben aufhalten lassen. Für Las Vegas und die zahlreichen Unternehmen, die von Touristen abhängig sind, ist das eine gute Nachricht. Nicht zuletzt ist das auch ein Hinweis darauf, dass die Anzahl der Touristen nach der Lösung der Gesundheitskrise schnell wieder ansteigen könnte.

Las Vegas wird wahrscheinlich nicht vor 2023 auf dem alten Niveau von 2019 liegen. Auch wenn viele Amerikaner im nächsten Jahr wieder nach Las Vegas reisen sollten, wird es doch eine Weile dauern, bis die internationalen Besucher wieder nach Las Vegas kommen. Die Erholungsphase wird sich mindestens durch das komplette nächste Jahr ziehen. Wenn 2021 auch nur ansatzweise ähnlich hohe Umsatzzahlen wie 2019 bringen sollte, wäre das schon fast eine Sensation. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Casinos und viele andere Unternehmen wahrscheinlich eine Weile brauchen werden, bis sie wieder auf dem alten Level sind. In Las Vegas sind in den letzten Monaten viele Menschen entlassen worden, da die Casinos keine Arbeit hatten. Anders als in Deutschland gibt es in den USA nur sehr begrenzte Hilfen für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in der Krise behalten wollen. Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren in der aktuellen Situation, die nur schwer einzuschätzen sind. Beispielsweise ist nicht klar, wie schnell die Anzahl der Übernachtungen in Las Vegas wieder nach oben gehen wird. Es kann durchaus sein, dass es zumindest in den nächsten Monaten deutlich mehr Besucher in Las Vegas geben wird, die nur für einen Tag kommen und dann ohne Übernachtung wieder die Heimreise antreten. Detaillierte Zahlen zu solchen Themen gibt es bislang nicht. Aber die Casino-Besitzer betreiben im Moment sehr viel Aufwand, um Las Vegas auch in der Krise attraktiv zu halten. Ein grundlegendes Problem für Las Vegas ist, dass die Gesundheitskrise im ganzen Land nach wie vor nicht unter Kontrolle ist. Das schadet nicht nur der Casino-Wirtschaft in Nevada. Auch viele andere Branchen sind durch die Gesamtlage erheblich beeinträchtigt.

Las Vegas hat langfristig gute Aussichten

Es gibt keinen Grund zu glauben, dass Las Vegas sich grundlegend verändern wird durch die aktuelle Krise. Die meisten Casino-Betreiber gehen davon aus, dass im nächsten Jahr die Gesundheitskrise in irgendeiner Form vollständig gelöst wird. Dann wird es auch wieder möglich sein, die üblichen Attraktionen in Casino ohne Einschränkungen zur Verfügung zu stellen. Bis dahin gilt es durchzuhalten. Langfristig ist Las Vegas jedoch nicht in einer Krisensituation. Es wird wahrscheinlich immer einen Bedarf für landbasiertes Glücksspiel auf Top-Niveau geben. Las Vegas hat sich bis zur großen Gesundheitskrise als sehr krisenfest erwiesen. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt sehr viele Menschen, die gerne in Casinos aktiv sind. Zudem hat Las Vegas die Attraktivität insgesamt steigern können durch eine größere Bandbreite an Attraktionen. Beispielsweise kommen mittlerweile viele Besucher nach Las Vegas, um internationale Top-Stars in Konzerten zu sehen. Die Casinos sind nach wie vor die zentralen Attraktionen in Las Vegas. Aber es gibt längst auch andere Beweggründe für Besucher, die Hauptstadt des Glücksspiels zu besuchen. Vielleicht wird der eine oder andere Casino-Konzern in das wachsende Online-Glücksspiel einsteigen oder den Einstieg deutlich beschleunigen angesichts der aktuellen Erfahrungen mit der Gesundheitskrise. In New Jersey hat sich zum Beispiel gezeigt, dass die Glücksspielanbieter, die neben den landbasierten Casinos auch Online Casinos im Portfolio haben, in der Krise die wirtschaftlichen Schäden gut abfedern konnten. Auch in Europa hat sich fast in allen Ländern gezeigt, dass die Online Casinos weitgehend unbeeinträchtigt durch die Krise gekommen sind. Viele Online Casinos konnten sogar Rekordumsätze in den Krisenmonaten vermelden. Vielleicht ist das eine Inspiration für den einen oder anderen konservativen amerikanischen Casino-Betreiber.