Nur acht Monate nachdem sein langjähriger Kollege, Partner und Freund Roy Horn verstorben war, erlag nun auch Siegfried Fischbacher in seiner Wahlheimat Las Vegas einem Krebsleiden. Die weltweite Anteilnahme ist gewaltig. Am weltberühmten Strip mit all seinen Spielcasinos und Luxushotels prangten schon wenige Stunden nach der traurigen Nachricht riesige Banner mit Siegfries Konterfei. Auch in seiner Heimatstadt Rosenheim wurde eine emotionale Trauerfeier für den großen Magier abgehalten. Siegfried & Roy, zwei deutsche Zauberer und Entertainer, die mit ihren weißen Tigern Show-Geschichte schrieben, sind tot. Im Alter von 75 Jahren starb Uwe Ludwig „Roy“ Horn am 8. Mai vergangenen Jahres an den Folgen einer langen, schweren Krankheit. „Ohne Siegfried gibt es keinen Roy, und ohne Roy keinen Siegfried,“ sagte Siegfried Fischbacher damals in einer Videobotschaft sichtlich bewegt. Am 13. Januar 2021 folgte er nun seinem langjährigen Lebensgefährten. Sigfried wurde 81 Jahre alt. Mit einem Konzept, das aus wilden Tieren und Magie bestand, eroberten die beiden Deutschen Las Vegas.

Las Vegas trauert um Siegfried und Roy

Ihr Leben war atemberaubend und gleicht einem Märchen. Eine Geschichte, die großes Potenzial für einen atemberaubenden Netflix-Mehrteiler hat. Siegfried wuchs im Nachkriegsdeutschland unter armen Verhältnissen in der bayerischen Provinz auf. Schon als Kind erlernte er erste Zaubertricks. Da er sich als junger Mann in seiner Heimat nicht akzeptiert fühlte, setzte er sich ab – zunächst an den Gardasee, wo er als Kellner jobbte und weiter an seiner Zauberei arbeitete. 1960 heuerte er dann als Stewart auf dem Kreuzfahrtschiff „Bremen“ an und durfte on top Passagiere und Besatzung mit seinen magischen Tricks unterhalten. Dort lernte er auch Uwe Ludwig „Roy“ Horn kennen, der auf der „Bremen“ als Kellner aushalf. Was für Siegfried die Magie war, waren für Roy wilde Tiere. Er überredete Siegfried anstatt mit Tauben, die er hervorzaubern konnte, mit Raubkatzen zu arbeiten, und aufgrund seiner familiären Beziehungen gelang es Roy tatsächlich einen Geparden an Bord zu schmuggeln. Dies war der Beginn einer mehr als 40-jährigen gemeinsamen Weltkarriere. Zunächst tingelten sie mit ihrem Programm durch die Hauptstädte Europas und landeten schließlich, nach überwältigenden Erfolgen in Monte Carlo, im US-amerikanischen Epizentrum des Showbiz: In Las Vegas. Zwölf Jahre sollte es allerdings noch bis zu ihrem ganz großen Durchbruch dauern, denn mit ihrer Kombination aus Humor, wilden Tieren und Magie ernteten sie zu Anfang meist Skepsis. Aber sie setzten sich durch und wurden für Las Vegas bald ebenso wichtig, wie die Stadt ihrer Träume für sie.

Siegfried, Roy und Las Vegas – Jahrzehnte wie ein Märchen

Durch ihre verzaubernden Shows entwickelte die Wüstenmetropole plötzlich eine enorme Attraktivität für Familien und nicht nur für Glücksspieler, die sich an den unzähligen bunten Slots und klassischen Spieltischen versuchen wollten. Siegfried und Roy verwandelten Las Vegas in eine Art Disneyland und wurden Wegbereiter für so erfolgreiche Shows wie Cirque du Soleil und die Programme von David Copperfield. In einem eigens für sie entwickelten Theater erklang bei ihren Auftritten „Mind is the Magic“, eine Hymne, die Michael Jackson für sie geschrieben hatte, und die gespielt wurde, während sie Elefanten verschwinden ließen, mit weißen Tigern tanzten oder mit gefährlichen Schlangen tollten. Ihre Vorstellungen waren regelmäßig ausverkauft, meist sogar Jahre im voraus, und spielten im Laufe der Jahrzehnte Milliarden ein. Aus Imagegründen thematisierten Siegfried und Roy ihre Liebesbeziehung nie. Das Paar baute sich einen Privatzoo außerhalb der Stadt und ließ sich dort nieder. Sie nannten das Anwesen „Little Bavaria“ und lebten dort auch nachdem ihre Beziehung Ende der 1990er Jahre in die Brüche gegangen war weiterhin zusammen. Als Freunde und Geschäftspartner blieben sie unzertrennlich. Siegfried sagte einmal: „Ich bin der Magier, aber Roy ist die Magie!“ 2003 fand das Märchen jedoch ein jähes Ende. Roy wurde während einer Show von einem Tiger lebensgefährlich verletzt. Um dem „zauberhaften Image“ keinen Schaden zuzufügen, erklärten sie immer wieder, dass der Tiger Roy lediglich hätte retten wollen, da dieser kurz zuvor auf der Bühne einen Schlaganfall erlitten hatte. Das Geschäft ging nun mal vor. Siegfried Fischbacher stand Roy Horn bis zuletzt als Pfleger und Freund zur Seite. Dass nun auch Siegfried gegangen ist, erschüttert Freunde und Wegbegleiter weltweit. Heino sagte in einem Interview: „Es war extrem schwer für Siegfried. Wenn der Partner nach vielen Jahrzehnten nicht mehr da ist, das muss einfach furchtbar sein. Roy war Siegfrieds Stütze und die ist ihm mit dem Tod von Roy weggebrochen. Siegfried war – wie Roy auch – sehr bodenständig, nicht abgehoben trotz des Welterfolgs. Das hat uns immer verbunden. Als es Hannelore vor Jahren nicht gut ging, kamen sie zu uns. Das werde ich den beiden nie vergessen.“

Siegfried: Von Rosenheim nach Las Vegas

Auch Rosenheim gedachte seinem berühmtesten Sohn. Soeben fand in der Kirche St. Nicolai eine emotionale Trauerfeier für den verstorbenen Weltstar statt, bei der sich rund 80 Freunde und Verwandte eingefunden hatten. Mehr waren aufgrund der anhaltenden Gesundheitskrise nicht zugelassen. Vor dem Altar stand ein großes Schwarz-Weiß-Foto von Siegfried und daneben befand sich ein Trauergesteck mit weißen Blumen. Neben den vielen Ansprachen ergriff auch Siegfrieds Schwester Dolore, die als Ordensschwester lebt, das Wort: „Sein Lebensmotto lautete: Es macht Freude, Freude zu machen. Und es ist gesund, sich totzulachen.“