Eigentlich hatte man gedacht, dass mit dem Rückzug der Kuffler-Gruppe aus der Gastronomie der Spielbank Wiesbaden, dem Tod des Firmengründers und der Verurteilung seiner Söhne zur Zahlung einer Geldstrafe von 50.000,- Euro Ruhe in die Affäre um die Vergabe von Lizenzen rund um das landbasierte Casino Wiesbaden eingekehrt wäre; doch dabei will es das Parlament in Wiesbaden offensichtlich noch nicht belassen. Auf Drängen von CDU, SPD, die Grüne und der FDP hat das Stadtparlament beschlossen, dass das neu gewählte Parlament sich weiterhin mit dem Fall beschäftigen soll. Im Sommer letzten Jahres gab die Kuffler-Gruppe ihren Rückzug aus dem renommierten Restaurant der Spielbank Wiesbaden bekannt. Damaliger Grund: betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise. Auch aus dem Catering für das Rhein-Main-Congress-Center werde man sich zurückziehen und die Anteile an der Spielbankgesellschaft verkaufen, heißt es.

Kuffler-Affäre um Spielbank Wiesbaden weiterhin im Visier der Politik

Spielbank Wiesbaden

Im Sommer letzten Jahres gab die Kuffler-Gruppe ihren Rückzug aus dem renommierten Restaurant der Spielbank Wiesbaden bekannt. Damaliger Grund: betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise. Auch aus dem Catering für das Rhein-Main-Congress-Center werde man sich zurückziehen und die Anteile an der Spielbankgesellschaft verkaufen, heißt es. Dazu wird gerade mit den Gesellschaftern der John-Jahr-und-Achterfeld-Beteiligungs-GmbH verhandelt. Während für die Nachfolge des Caterings in dem Rhein-Main-Congress-Center noch ein neuer Pächter gesucht wird, übernahm zum 1. Januar 2021 die Wiesbadener Unternehmerin Valeska Benner das „Lambertus“, die alteingesessene Gastronomie im Kurhaus Wiesbaden, in welchem auch die landbasierte Spielbank beheimatet ist. Besonders auf Betreiben der FDP wird die Kuffler-Affäre nun weiterhin untersucht. „Die Verantwortlichen für die unsaubere Auftragsvergabe sollen ausfindig gemacht und gegebenenfalls zivilrechtlich belangt werden“, sagt FDP-Fraktionschef Christian Diers zu den Beweggründen für die parlamentarische Untersuchung. Die Fraktion fordert für die Zukunft das Einsetzen von Strukturen, die verhindern, dass es zu einer neuerlichen schlampigen Vergabe kommen kann. Diers erklärt weiter, dass dies durch externe „Ad hoc-Kompetenzzentren“ geschehen könne, die mit juristischem und betriebswirtschaftlichem Wissen Vergaben begleiteten. Weiterhin soll geklärt werden, ob bei den Beteiligten des Vergabeverfahrens Ansprüche einzuklagen sind. Wir erinnern uns: Bei der Ausschreibung im Jahr 2015 für die Gastronomie im Kurhaus und dem Catering im RMCC soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein.

So soll die Matrix, mit der die Bewerber bewertet wurden, nachträglich verändert worden sein. Im Vorfeld hatte schon das Revisionsamt Ungereimtheiten bei der Vertragsverlängerung für die Spielbankkonzession und den Gastro-Auftrag für das Kurhaus entdeckt. Beteiligt soll damals auch der ehemalige Oberbürgermeister Sven Gerich gewesen sein. Dieser soll kostenlos in einer Ferienvilla der Kuffler-Gruppe in St. Tropez Urlaub verbracht haben, und es seien ihm auch kostenfreie Übernachtungen in einem Fünf-Sterne-Hotel der Gruppe zugedacht worden. Gerich wurde deswegen im letzten Sommer wegen unzulässiger Vorteilsnahme zu einer deutlich fünfstelligen Strafzahlung rechtskräftig verurteilt. Dieser hatte den Straferlass mit folgender Begründung akzeptiert: „Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Tatsache, dass er trotz seiner anderen Sicht der Dinge keinerlei Interesse an einem möglicherweise langwierigen und ihn zeitlich belastenden Verfahren hat, sondern die Geschehnisse hinter sich lassen und sich auf seine neue berufliche Herausforderung in Ingelheim konzentrieren will“.

Kuffler ist für die Gastronomie der Spielbank Wiesbaden Geschichte

Wie eingangs berichtet übernimmt die Wiesbadener Unternehmerin Valeska Benner die gastronomischen Einrichtungen in der landbasierten Spielbank sowie das ehemalige Restaurant „Lambertus“ im Kurhaus. Damit sind natürlich einige Veränderungen verbunden. Die 36-Jährige, die einer Unternehmerfamilie entstammt und mit ihrem Mann zusammen ein Immobilienunternehmen und verschiedene Online Handel betreibt, wohnt selbst in Wiesbaden. Dies war einer der ausschlaggebenden Gründe für die Übernahme. „Ich würde die Gastronomie im Kurhaus nicht übernehmen, wenn ich nicht in Wiesbaden wohnen würde,“ sagt sie. Die Zeit der Schließung des Restaurants nutze sie auch für Renovierungsarbeiten. Zwar soll weiterhin der Charme einer französischen Brasserie erhalten bleiben, aber gleichzeitig ein neuer Look einziehen. Die Holzböden wurden schon einmal frisch geölt, und auch das Beleuchtungskonzept wird verändert. Was sich nicht verändern wird, ist der Flügel, der weiterhin seinen festen Platz haben wird, um die Gäste musikalisch zu unterhalten. Valeska Brenner hofft natürlich auch einen Großteil des Personals übernehmen zu können. „Das Team ist engagiert und loyal,“ bemerkt sie und ergänzt: „Es wird ein Spagat, wichtige Stammkunden zu halten und das Potenzial, das Wiesbaden hat, hinzuzugewinnen.“ Das Lambertus war nämlich nicht irgendein Restaurant in Wiesbaden, sondern Treffpunkt für „Tout Wiesbaden“. Auch an der Speisekarte sollen die Veränderungen sichtbar werden. „Die Klassiker bleiben und es wird Neues ausprobiert. Ich möchte mehr Erlebnisqualität und Gerichte am Tisch zubereiten“, sagt Valeska Benner. Lachstartar und Wiener Schnitzel werden weiterhin serviert, aber auch Crèpes Suzette, am Tisch flambiert, auf jeden Fall „gehobene Gastronomie“. Und noch etwas wird definitiv der Vergangenheit angehören, nämlich der Name des Restaurants. Den will Frau Benner unbedingt verändern. Wie, das wird noch nicht verraten. Die Zeichen stehen also auf Erneuerung in Wiesbaden, wenn auch die Vergangenheit nicht ruhen gelassen wird. Was das Parlament erkunden wird, steht noch nicht fest. Aber es wird uns sicherlich noch eine Weile beschäftigen.