Lasst die Spiele beginnen! So oder ähnlich soll es wohl zu der Eröffnung des Hotspots für Gaming- und E-Sport Begeisterte im Sommer in Köln erklingen. Im altehrwürdigen Stammhaus des Elektronik Unternehmens Saturn am Kölner Hansaring entsteht derzeit auf zwei Ebenen mit 3000 Quadratmetern ein neues Mekka für Gaming-, E-Sport- und Social Media-Fans aus dem Großraum Köln. Und wenn es nach den Betreibern geht, auch darüber hinaus. Noch wird fleißig gearbeitet. Es werden Glasfaserkabel gelegt und an der Red-Bull-Bar geschraubt, aber einer Eröffnung im Sommer – natürlich unter der Berücksichtigung aller dann geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften – steht nichts im Wege. Das Stammhaus, das sich einst als „größte Schallplattenshow der Welt“ titulierte, wird dann auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher am Kölner Hansaring hoffen.

Da entsteht etwas ganz Großes bei Saturn 

Saturn Experion„Mit diesem innovativen Konzept bekennen wir uns klar zu unseren Wurzeln und damit zu unserem Standort am Hansaring. Hier war die Keimzelle für eine Entwicklung, mit der der Markt für Entertainment-Angebote und Consumer Electronics in Deutschland von Grund auf verändert und revolutionär neu geprägt wurde. Hier liegt der Ursprung für die Entwicklung, mit der Saturn und später MediaMarktSaturn ein Stück Handelsgeschichte geschrieben haben" erläutert Florian Gietl, CEO von MediaMarktSaturn Deutschland. „Unser Ziel ist es, hieran anzuknüpfen und die Geburtsstätte von Saturn zu einer einzigartigen Erlebniswelt für alle Gaming-, E-Sport- und Social Media-Fans im Großraum Köln mit bundesweiter Strahlkraft weiterzuentwickeln. Damit wollen wir die Markenpositionierung von Saturn in einer jungen und technikaffinen Zielgruppe stärken und diese Zielgruppe eng an unsere Marke binden.". Auch sein Kollege Sebastian Knaup, Geschäftsführer des Saturn-Hauses am Hansaring gibt sich euphorisch: „Die Besucher dürfen gespannt sein und sich auf sensationelle Erlebnisse freuen, die es so in der Form in Deutschland noch nicht gibt. Mit unserem einzigartigen Konzept schaffen wir einen neuen Ort in Köln für alle Gamer und E-Sport-Fans und bereichern die Stadt damit um ein außergewöhnliches Erlebnisangebot." Neben der Präsentation und dem Verkauf von Produkten der Gaming- und E-Sport-Branche wird es auch „VR-Welten“, Online-Turniere, E-Sport-Flächen, Bühnenshows und Events geben. Natürlich hofft man bei dem angeschlagenen Elektronikriesen auf ein gutes Geschäft mit dieser Investition, die im Millionenbereich liegt. Eine Unternehmenssprecherin dazu: „Kern des Geschäftsmodells sei das jeweilige Erlebnis. Diese Erlebnisse würden den „Raum für großartige Erlebnisse bieten, die mit der Marke Saturn verbunden werden und dadurch eine junge und technikaffine Zielgruppe an die Marke binden. Darüber hinaus habe der Kunde auch die Möglichkeit, Produkte im Xperion zu erwerben, insbesondere mit Bezug zum Thema Gaming. Andere Sortimentsbereiche werden durch das Angebot im benachbarten Saturn-Markt in der Kölner Maybachstraße sowie durch den Saturn-Onlineshop ergänzt. Sobald wieder große Events sicher durchgeführt werden können, könnten die Räumlichkeiten auch für Veranstaltungen – etwa Gaming-Turniere gebucht werden.“

Saturn: Wechselvolle Geschichte 

Der erste Saturn-Hansa Markt wurde 1961 von Friedrich Wilhelm und Anni Waffenschmidt am Kölner Hansaring gegründet. Dort wurden auf 120 Quadratmeter vorwiegend an Diplomaten aus aller Welt unterhaltungselektronische Artikel verkauft. 1968 folgte die Gründung der Hansa-Foto und ein Jahr später konnten auch Privatkunden bei Saturn-Hansa und Hansa-Foto einkaufen. 1972 wurde das erste technische Kaufhaus in Deutschland eröffnet mit der soeben schon benannten „größten Schallplattenshow“. Es folgten weitere Eröffnungen in München und Frankfurt am Main. 1990 wurde man von der MediaMarkt Holding aufgekauft und gehörte fortan zur MediaMarktSaturn Retail Group. 1992 gab es Märkte in Köln, Frankfurt, München, Dortmund, Hannover, Nürnberg und Gelsenkirchen. Im Laufe der Jahre erfolgte eine Übernahme der MediaMarktSaturn Retail Group durch die damals entstandene Metro AG, die 78% an dem Unternehmen hält. Nachfolgend wurde auch versucht in anderen europäischen Ländern wie z.B. in Frankreich oder in der Schweiz Fuß zu fassen, was letztendlich aber nicht von Erfolg gekrönt war. 2019 gab es 168 Saturn Läden in drei Ländern, nämlich 155 in Deutschland, 2 in Luxemburg und 11 in Österreich. Zur Verbreitung der Marke trug auch wesentlich eine sehr erfolgreiche Marketing Kampagne bei, die von der Hamburger Agentur Jung von Matt kreiert worden war und mit den Slogans „Das gibt’s doch gar nicht“, „Geiz ist geil“ und „Wir hassen teuer“ teilweise zum allgemeinen Sprachgebrauch mutierte. Im Zuge von Management Fehlentscheidungen gerade in Bezug auf den stetig wachsenden Online-Versandhandel und internen Querelen innerhalb des Konzerns, kam es zu einer Krise des Unternehmens, von der man sich bis heute noch nicht so richtig erholt hat. So musste schon im Dezember 2019 jeder dritte Arbeitnehmer am Hansaring seinen Arbeitsplatz verlassen. 

Im Zuge des ungemein stark wachsenden Gaming- und E-Sport-Marktes hofft man nun durch „Xyperion“ neue Kunden zu gewinnen und alte zu behalten. Eine Ausrichtung auf eine neue Zielgruppe soll neue Impulse hervorbringen. Der Standort Köln ist nicht nur in Bezug auf das Stammhaus gewählt worden, Köln als Austragungsort der Gamescom spielte dabei sicherlich auch eine große Rolle. 34,4 Millionen Deutsche spielen gelegentlich Computer- und Videospiele, wobei die Nutzung des Smartphones als Spieleplattform immer weiter zunimmt. Mit rund 4,4 Millionen Euro erzielte die Branche 2018 einen Rekordumsatz, der sicherlich 2019 und 2020 noch einmal gesteigert werden konnte bzw. kann. Dabei sind die Spiele-Apps der grö0te Wachstumstreiber. Und Spielen ist nicht mehr allein eine Beschäftigung von ganz jungen Spielerinnen und Spielern, vielmehr liegt das Durchschnittsalter des gelegentlichen Zockers bei 36,4 Jahren. Von einer Nische kann man also nicht mehr sprechen. Und von dieser Entwicklung will Saturn nun natürlich auch profitieren und so vielleicht das Ruder doch noch einmal rumreißen. Denn nicht nur Geiz ist geil, sondern Spielen ist es auch.