Das ist wirklich ein Ding! Da hat doch tatsächlich der Bruder des berühmt berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar ein Escobar-Mobiltelefon auf den Markt gebracht. Gut ein Jahr ist das jetzt her. Allerdings bekam ein Großteil der Kunden gar nichts für ihr Geld, oder etwas ganz anderes. Schon wenige Tage nach dieser Markteinführung kam Klarna die Sache merkwürdig vor. Der schwedische Zahlungsdienstleister, der auch mit zahlreichen seriösen Online Casinos und Online Spielbanken, wie beispielsweise Betiton, Sunmaker oder Dream Vegas kooperiert, stoppte die Verkäufe kurzerhand. Nun ist gegen Europas größtes Fintech eine Klage der Escobar Inc. anhängig, da Klarna angeblich das Geld aus diesen ominösen Mobiltelefon-Verkäufen zurückhält. Doch irgendwie wirkt selbst diese Klage eher wie eine Reklame für die Marke Escobar. Aber erstmal alles auf Anfang...

Geschäftsbeziehung dauerte nur vier Tage

Klarna ZahlungsanbieterMedellin in Kolumbien ist nach wie vor der Hauptsitz des Familienunternehmens Escobar Inc. Von dort, wo einst Drogenboss Pablo Escobar seine zweifelhafte Karriere begann, laufen auch heute noch die Geschäfte. Betrieben wird das Unternehmen mittlerweile von Pablos Bruder, dem 27-jährigen Olof Gustafsson. Der ältere Bruder, Robert Escobar, ist inzwischen 73 Jahre alt. Auch er hat eine kriminelle Karriere in dem berüchtigten Drogenimperium hinter sich und scheint stolz darauf zu sein. Die Escobar Inc. Website zeigt ihn als Ex-Chef für die Bereiche Buchhaltung und Mord in diesem kolumbianischen Kartell. Der aktuelle schwedische Geschäftsführer Olof Gustafsson setzt voll und ganz auf die Marke Escobar und ist bemüht, sämtliche Rechte, die mit der Vermarktung dieses Namens zusammenhängen, an sich zu binden. Es ist nicht verwunderlich, dass Escobar Inc. nun auch gegen den Zahlungsdienstleister aus Schweden klagt. Diese Klage gewährt einen tiefen Einblick in das Geschäftsgebaren des Unternehmens. Die Idee, ein Escobar-Handy mit Escobar-Logo auf dem Markt zu etablieren, entstand vor einem guten Jahr: im Oktober 2019. Als Erstes erschien das Escobar Fold 1, ein mit Goldfolie und eigenem Escobar Inc. Logo beklebtes Smartphone. Bei diesem Mobiltelefon handelte es sich um ein Gerät der Marke Royole. Für die Online Abwicklung der Verkäufe wurde noch ein Zahlungsdienstleister gesucht. Daher wandte sich CEO Gustafsson an den größten europäischen Anbieter Klarna. Anfang Dezember 2019 waren bereits die ersten eintausend Escobar Inc. Mobiltelefone verkauft worden, doch Klarna löste sich von jeglicher geschäftlichen Beziehung mit dem kolumbianischen Familienunternehmen nach nur vier Tagen. Den Umsatz von rund 400.000,- US Dollar behielt der schwedische Finanzdienstleister allerdings ein.

Handys zu einem Bruchteil des Marktwerts angeboten

Das konnte das kolumbianische Familienunternehmen natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Um an das Geld aus diesen Verkäufen zu kommen, reichte CEO Olof Gustafsson mit der Escobar Inc. im US-Bundesstaat Kalifornien Klage gegen Klarnas US-Tochter ein. Wie anschließend aus den Gerichtsakten hervorging, sollen die Mobilfolie nur mit einer Goldfolie beklebt und lediglich für „... einen Bruchteil des Marktwerts angeboten“ worden sein. Laut Klarna wären diese bestellten Handys nur bei den wenigsten Kunden angekommen. Aufgrund von heftigen Beschwerden hätte das schwedische Fintech Unternehmen die Zahlungen an Escobar Inc. daraufhin eingestellt. Klarna macht schon in seinen AGB’s darauf aufmerksam, dass der Zahlungsanbieter im Fall von berechtigten Bedenken gegen einzelne Geschäftspartner seine Dienste sofort beenden kann. Bei einer sehr hohen Anzahl an Beschwerden, behält Klarna sich sogar vor, Gelder bis zur Klärung der bestehenden Vorwürfe zurückzuhalten. Das war der Escobar Inc. und Olof Gustafsson offensichtlich nicht so ganz klar. Bereits kurz nach der Markteinführung der Escobar-Mobiltelefone häuften sich die Medienberichte und desaströse Kundenbewertungen auf diversen Portalen, die kein gutes Licht auf das Unternehmen warfen und die Escobar Inc. deutlich belasteten. Anstatt des bestellten Handys erhielten zahlreiche Kunden beispielsweise eine Biografie über Pablo Escobar geliefert.

Wie die Geschichte für die Kunden weiterging und ob Klarna bereits Geld zurückerstattet hat, ist aktuell unklar. Darüber hinaus äußert sich der schwedische Zahlungsanbieter derzeit auch nicht dazu, wie es ihm gelang, in so kurzer Zeit den mutmaßlichen Betrug zu stoppen. Die Chance, dass die Klage der Escobar Inc. von Erfolg gekrönt wird, ist eher gering. Deutlich realistischere Chancen hätte sie, wenn sie sich gegen das schwedische Mutterunternehmen richtet, anstatt gegen die US-amerikanische Tochter, die mit den ganzen Zahlungen für die Mobiltelefone laut Gerichtsakten gar nichts zu tun hat.

Pablo Escobars Vermächtnis

Pablo Emilio Escobar Gaviria (1949 – 1993), der in seiner Heimat auch El Patron, Don Pablo oder El Doctor genannt wurde, war einer der mächtigsten Drogenschmuggler und Terroristen Kolumbiens. In seiner Karriere baute er ein brutales kriminelles Imperium auf und brachte es im Laufe der Jahre durch die Industrialisierung des Drogenhadels auf ein Privatvermögen von rund 2,7 Milliarden US Dollar, mit dem er 80 Prozent des internationalen Kokain-Markts kontrollierte und Platz sieben auf der Skala der reichsten Männer der Welt einnahm. Seine eigene Rechtfertigung für den Drogenhandel und all die Morde war äußerst patriotisch: Er wollte ein „... neues, modernes und fortschrittliches Kolumbien aufbauen“. Trotz seiner zahllosen Verbrechen wird Pablo Escobar noch heute wie ein Volksheld verehrt – insbesondere in seiner Geburtsstadt Rionegro und auch in seiner späteren Heimat Medellin. Die Menschen bezeichnen ihn dort als eine Art Robin Hood Kolumbiens.