In Japan ist es keinesfalls Gang und Gebe, dass Einzelpersonen von inländischen Universitäten für private Aktivitäten ausgezeichnet werden. Daher ist es mehr als verwunderlich, dass soeben ein Student für seine herausragenden Leistungen im Bereich eSport ausgezeichnet wurde, und zwar von keinem Geringeren, als von der Tokushima University Graduate School of Medical Science. Der Glückliche heißt Masato Ohnishi und kommt aus Takamatsu in der Präfektur Kagawa. Er ist 26 Jahre alt und derzeit als Doktorand an der Uni. Im sechsten Jahr studiert er dort bereits Medizin, und obwohl schon in naher Zukunft seine nationale Prüfung ansteht, findet er noch Zeit für Videospiele.

eSport-Weltmeister will sich als Psychologe erkrankten Spielern widmen

ESport DeutschlandEs sind nicht einfach nur die beliebten Slots in Online Casinos oder Videospiele, die Masato Ohnishi zockt. Im Gegenteil. Der 26-Jährige gehört weltweit zu den besten eSportlern überhaupt. Erst vor kurzem gewann er unter dem Pseudonym madakanachappy die Open World Finals 2019/2020 im eFootball, die in dem Konami-Game “Winning Eleven” ausgetragen werden. In seinem Heimatland hatte er zuvor schon dadurch Aufsehen erregt, dass er sich quasi wie aus dem Nichts einen Stammplatz im Nationalteam gesichert hatte. Einfach ist das ganz sicher nicht. Schließlich steht „Winning Eleven“ ganz oben im Ranking der populärsten Video-Fußballspiele und die Anzahl der Spieler ist überwältigend. Nachdem er in Japan so erfolgreich war, schaffte Masato Ohnishi den Sprung in die Weltmeisterschaft und dort sogar unter die ersten drei Finalisten Asiens. Es folgte im August dieses Jahres das Halbfinale gegen seinen brasilianischen Gegner MayconDouglas99 und im Anschluss dann das Finale gegen den aus Indonesien stammenden akbarpaudie. Ihn besiegte er ebenfalls und konnte so die Weltmeister-Trophäe mit nach Hause nehmen. Für diesen Erfolg wurde der 26-Jährige nun von seiner Universität ganz offiziell ausgezeichnet. Bei der Ehrung kündigte er an, dass er seinen Titel in naher Zukunft nicht verteidigen werde, da er sich erstmal aus dem eSport – jedenfalls aus dem professionellen eSport – zurückziehen will um sich voll und ganz auf seine Prüfung und auf seine medizinische Arbeit konzentrieren zu können. Seine Erfahrungen als eSportler möchte er jedoch auch als Mediziner nutzen. Er plant, in die Psychologie zu gehen und dort sein Hauptaugenmerk auf das Thema Spielsucht zu lenken.
Da auch sein Spielverhalten dem eines Spielsüchtigen sehr nah kam, hat er sich nun zum Ziel gesetzt, anderen Spielern zu helfen, die definitiv davon betroffen sind und allein keinen Weg finden, aus dieser Krankheit wieder herauszukommen, erklärt er seinen Entschluss. Masato Ohnishi hofft, seine persönlichen Erfahrungen in die zukünftige Arbeit als Mediziner und Psychologe mit einfließen lassen zu können. Dabei wird er nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er nichts Schlechtes oder Verwerfliches in Videospielen sieht. Seiner Ansicht nach können sie das Leben wirklich ausgesprochen positiv bereichern, sagt er in diesem Zusammenhang und empfiehlt jedem, es ganz einfach einmal auszuprobieren. So wäre jeder in der Lage für sich selbst die Vorteile zu entdecken und könnte parallel an seiner persönlichen Selbstdisziplin arbeiten. Für ihn ist der eSport ein Hobby, bzw. eine Tätigkeit, mit der jeder beginnen kann und bei der niemand benachteiligt ist.    

Fortschritte bei den Behandlungsmethoden

Masato Ohnishis Worte entbehren nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet die Gegend, aus der er kommt, macht sich als einzige japanische Region dafür stark, dass Videospiele – gerade bei Minderjährigen – per Verordnung reguliert werden um die Gefahren der Spielsucht in den Griff zu bekommen. Eine Tatsache, die für viele Proteste von den Gamern gesorgt hat. In der Präfektur Kaganawa wurde schon 2017 eine „Internet-Abhängigkeits-Ambulanz“ vom Kurihama Medical and Addiction Center eingerichtet, das zur National Hospital Organization in Yokosuka gehört. Im vergangenen Jahr hat man dort bei mehr als 200 Patienten diese Krankheit diagnostiziert. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 25. Mai 2019 die Abhängigkeit von Videospielen offiziell als Sucht anerkannt hat, ist es für die Mediziner leichter geworden zu forschen und Medikamente zu verordnen. „Mit der Schaffung einer Kategorie (Spielstörung) können wir Beratungs-Handbücher und dergleichen erstellen, und es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der medizinischen Einrichtungen, die behaupten, sie könnten mit der Krankheit nicht umgehen, abnehmen wird. Ich denke, es wird auch Fortschritte bei den Behandlungsmethoden geben,“ sagt Tomomi Toyama. Er ist der Abteilungsleiter für psychische Gesundheit im Ministerium. In der Vergangenheit wurden Fälle von Spielsucht häufig als andere psychische Erkrankungen deklariert und dementsprechend meist falsch behandelt. Den entsprechenden Einrichtungen fehlte es an Experten, daher fiel es schwer „Spielstörungen zu diagnostizieren oder eine angemessene Behandlung zu entwickeln“. Inzwischen setzen Forscher weltweit auf die Methode, die Betroffenen zu lehren, wie sie sich ihrer „... Gedanken und Vorstellungen bewusst werden und diese infrage stellen“. Mit dieser Form der kognitiven Verhaltenstherapie wurden gute Ergebnisse erzielt, da sie sich besonders gut dazu eignet „... die Umstrukturierung von Gedanken und das Erlernen neuer Verhaltensweisen“ zu fördern.