Das italienische Las Vegas? Für ein paar Jahrzehnte war die heutige Geisterstadt Consonno das italienische Vergnügungszentrum. Consonno war ursprünglich ein kleines Dorf in der Lombardei, nicht weit von Mailand. Doch dann kam ein Millionär mit einem großen Traum.

Consonno war einst das italienische Las Vegas

Consonno Stadt ItalienAls im Jahr 1960 Graf Mario Bagno damit begann, im kleinen und beschaulichen Dorf Consonno ein Vergnügungszentrum aufzubauen, war das eine echte Sensation. In der Praxis lief die Sache allerdings nicht besonders glamourös ab, denn zuerst musste der umtriebige Graf das Dorf kaufen und die Bewohner rauswerfen. Nur auf diese Weise war es möglich, genügend Platz für den großen Traum zu schaffen. Besonders viele Bewohner hatte Consonno allerdings nicht, denn es handelte sich um ein kleines Bauerndorf mit einer kleinen Kirche. Nach einer großen Abrissorgie waren nur noch die altehrwürdige Kirche und ein paar gut erhaltene Gebäude übrig. Auf den freien Flächen ließ Graf Mario Bagno diverse Restaurants, Clubs, Bars und Hotels einrichten. Außergewöhnlich war die Idee, jedes Gebäude mit einer eigenen kulturellen Thematik auszustatten. Beispielsweise gab es chinesische Pagoden, mittelalterliche Burgen und ein muslimisches Minarett. Zur damaligen Zeit war das ungewöhnlich und neu. Der Vergleich mit Las Vegas ist vor allem retrospektiv richtig, denn heute ist Las Vegas eine Vergnügungsstadt, in der es zahlreiche Hotels gibt, die großen Themen gewidmet sind. Aber als der italienische Graf in Consonno seinen ganz eigenen Vergnügungspark errichtete, gab es nichts Vergleichbares auf der Welt. Spielbanken hat es in Consonno übrigens nie gegeben, aber dafür viele Besucher.

Graf Mario Bagno war ein begabter Marketing-Künstler, der es schaffte, seine spektakulären Ideen über die Medien zu verbreiten. Deswegen dauerte es nicht lange, bis Consonno zu einem Ausflugsziel für Einheimische und Touristen wurde. Viele Jahre lang florierte der Vergnügungspark und der Graf hatte genügend Einnahmen, um die Stadt weiter auszubauen. Die Pläne umfassten sogar den Nachbau einer ägyptischen Sphinx. Auch ein Autodrom und ein großer Zoo sollten entstehen. Doch diese drei Pläne wurden am Ende nicht mehr umgesetzt. Das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht leicht nachvollziehbar, denn Consonno war ein finanziell sehr erfolgreiches Projekt. Am Anfang hatten noch viele Geschäftsleute und Journalisten den mutigen Grafen als Spinner betrachtet. Doch innerhalb weniger Jahre war Consonno zu einer großen Attraktion in Norditalien geworden. Wer die Region besuchte, musste auch eine Stippvisite in Consonno machen, um alles gesehen zu haben. Doch das ist alles vorbei seit 1976. In diesem denkwürdigen Jahr gab es einen heftigen Erdrutsch, der die einzige Zufahrtsstraße zu Consonno zerstörte. Das für sich genommen wäre wahrscheinlich ein Problem gewesen, das vielleicht ein paar Wochen den Betrieb aufgehalten hätte. Aber man konnte sich nicht darauf einigen, wer die Kosten für die Aufräumarbeiten tragen sollte. Kurioserweise war der Erdrutsch somit das seltsame Ende des erfolgreichen Vergnügungsparks in Consonno.

Gibt es ein Comeback von Consonno?

Es ist eine mehr als kuriose Geschichte, dass ein riesiges Projekt mit einem Erdrutsch endet. Aber nach jahrelangen Querelen zwischen Politikern und den Grafen hatte sich die Sache de facto erledigt. In den 1980er Jahren gab es noch einmal den Versuch, Consonno in anderer Form wiederzubeleben. Ein großes Pflegeheim sollte der Stadt einen neuen Zweck geben. Das ist gewissermaßen genau das Gegenteil eines Vergnügungsparks. Aber auch dieses Projekt scheiterte, da der Träger des Pflegeheims sich schon nach kurzer Zeit dazu entschied, die Anlage in einen anderen Ort zu verlegen. In den folgenden Jahren entdeckten die Raver Consonno für sich und feierten wilde Partys, natürlich komplett ohne Genehmigung und Aufsicht. Teilweise sollen Tausende Menschen in Consonno zu Techno-Klängen gefeiert haben. Doch eine Party ist dann irgendwann komplett aus dem Ruder gelaufen und hat zu einer großen Verwüstung geführt. Mittlerweile ist Consonno nur noch eine Geisterstadt, die aber in dieser Form dann wieder zu einer Attraktion geworden ist. Es gibt mittlerweile einige Touristenbüros in der Umgebung, die Ausflüge nach Consonno organisieren und die kuriose Geschichte vom Aufstieg und Niedergang des Vergnügungsparks erzählen. Gut zu Fuß müssen die Besucher von Consonno allerdings sein, denn der letzte Kilometer vor dem Vergnügungspark ist nach wie vor nicht geräumt. Die Straße ist nicht befahrbar und nur für Fußgänger zugänglich. Aber das macht den Besuch zu einem kleinen Abenteuer. Zuletzt hat Consonno vor einigen Jahren noch einmal Schlagzeilen gemacht, als die Erben des Grafen versucht haben, den kompletten Park für über 10 Millionen Euro zu verkaufen. Allerdings ist es nicht gelungen, einen Käufer zu finden. Bis auf Weiteres bleibt Consonno somit eine Geisterstadt mit einer irrwitzigen Geschichte. Wenn es nicht eine Reise für Las Vegas reicht, ist Consonno vielleicht gar keine schlechte Alternative.

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