Eine Meldung zieht sich aktuell durch die italienische Medienwelt, die insbesondere die Freunde des anspruchsvollen Glücksspiels erfreuen dürfte. Das Casinò di Campione, das als die größte Spielbank Europas gilt, steckt mitten in den Vorbereitungen für eine Wiedereröffnung. Das prachtvolle Casino war vor drei Jahren gezwungen, Insolvenz anzumelden. Eine Situation, die damals der gesamten, vom Schweizer Kanton Tessin umgebenen, italienischen Exklave eine heftige Wirtschaftskrise beschert hat. Damit scheint nun Schluss zu sein. Über einen langen Zeitraum war an eine Wiedereröffnung überhaupt nicht zu denken. Italienische Medien berichten jedoch in diesen Tagen, dass das prunkvolle Traditions-Casino noch in 2021 wieder in altem Glanz erstrahlen wird und sich aufmacht, erneut ein Glücksspiel Hotspot in den Alpen zu werden. Presseberichten zufolge existieren bereits Pläne für den September dieses Jahres, die besagen, dass das hochverschuldete Casino wieder zu neuem Leben erweckt wird.

Wiedereröffnung des Casinò di Campione für September geplant

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Diesmal soll allerdings nichts schief laufen, heißt es. Für die Zukunft will man sich vollkommen unabhängig von Dritten machen, um gegen ein neuerliches Scheitern der Spielbank Vorsorge zu treffen. Im Klartext bedeutet das, dass von privaten Investoren keinerlei Kreditvergaben oder anderweitige Finanzierungen gestattet werden. Auch über die Tilgung der Schulden, die laut Schätzungen bei rund 130 Millionen Euro liegen sollen, hat man sich in der Exklave Gedanken gemacht. Das Casino soll in der Lage sein, diese durch erfolgreiche Geschäfte „... von innen heraus“ und aus eigener Kraft zu tilgen. Bis Ende des Jahres 2027 wäre es auf diesem Weg möglich, sämtliche Schulden zu begleichen. So lautet jedenfalls die zuversichtliche Prognose der kleinen italienischen Gemeinde. Zunächst will das Casinò di Campione mit rund 170 Mitarbeitern bei der für September dieses Jahres geplanten Eröffnung starten und die Zahl der Angestellten dann jedes Jahr leicht erhöhen. Das derzeitig gesteckte Ziel sieht für das Jahr 2026 rund 270 Beschäftigte vor. Bevor die Spielbank 2018 Insolvenz anmelden musste, beschäftigte sie stolze 500 Mitarbeiter. Durch die Tatsache, dass weniger Personen angestellt werden, geht man von einer deutlichen Kostenreduzierung aus. Parallel setzt man bei einer um fast die Hälfte reduzierten Belegschaft in Zukunft auf mehr Effizienz bei den Mitarbeitern. Deutlich geringer, als in früheren Jahren, sollen auch die Gemeinde-Abgaben ausfallen.

Damit will man zudem verhindern, dass sich die finanzielle Abhängigkeit der Exklave vom Casino wiederholt. Auch in dem Bereich Catering und Restaurant sowie bei einer Reihe anderer zu erwartender Fixkosten werden Einsparungen vorgenommen. Hier liegt die Aufgabe bei den Betreibern „... externe Zulieferer zu finden, die zu einem fest vereinbarten Budget mit der Spielbank zusammenarbeiten“, ist der italienischen Presse zu entnehmen. Damit hofft man, in Zukunft sogenannte „Überraschungskosten“ zu verhindern. Auch wenn Medienberichten zufolge die Pläne der Betreiber des Casinò di Campione sehr vielversprechend klingen, muss noch eine zusätzliche Hürde genommen werden. Letztendlich hat das Gericht der Stadt Como das letzte Wort, das noch seine Zustimmung zur Wiedereröffnung der Spielbank geben muss. Für den 3. Mai 2021 ist diesbezüglich eine Anhörung angesetzt.

Das Casinò di Campione und seine Geschichte

Mit der Pleite des Casinò di Campione scheiterte nicht nur die größte und eine der traditionsreichsten Spielbanken in Europa, sondern auch die älteste in Italien. Noch während der 1. Weltkrieg über den Kontinent wütete, wurde sie im Jahre 2017 eröffnet. Da Campione als „neutrales Territorium“ galt, hoffte die italienische Regierung durch die Spielbank und ihre Casinospiele vermehrt ausländische Diplomaten anzuziehen und ihnen dort „in entspannter Atmosphäre“ militärische Geheimnisse zu entlocken. Einzigartig ist neben der Geschichte des Hauses auch der Sonderstatus seiner Gemeinde. Der kleine Ort Campione liegt am Ostufer des Luganer Sees und somit geografisch komplett im Kanton Tessin in der Schweiz. Schon seit dem Mittelalter – um genau zu sein seit dem Jahre 777 – ist Campione aufgrund eines Testaments, das Toto von Campione, der ehemalige Herrscher über dieses Gebiet, hinterließ, Bestandteil der Provinz Como. Damit gehört die Gemeinde heute zur EU und seit Januar 2020 auch zum Zollgebiet der Europäischen Union. Andererseits entrichten die Einwohner und die dort ansässigen Unternehmen ihre Steuern an den sie umschließenden Schweizer Staat und nutzen als Währung die Schweizer Franken. Im Gegenzug profitiert die Exklave von zahlreichen Schweizer Dienstleistungen, wie Feuerwehr, Müllentsorgung, Post, Abwasserreinigung sowie die Nutzung der Schweizer Krankenhäuser und Schulen. Auch das Telefon-Festnetz sowie das Mobilfunkangebot stellen die Eidgenossen.

Aufgrund eines Insolvenzverfahrens des Casinò di Campione war die gleichnamige Gemeinde mit ihren rund 2.000 Einwohnern gezwungen, sich selbst für zahlungsunfähig zu erklären. Um ihre Schulden an den Tessiner Kanton zu begleichen, musste der italienische Staat vor drei Jahren einen Kredit über 5,5 Millionen Euro locker machen. Seither ist die kleine Exklave damit beschäftigt, sich ohne den großen Geldgeber Spielbank finanziell auf eigene Beine zu stellen. Neben den 500 Casino-Mitarbeitern verloren 2018 auch noch 100 Mitarbeiter der Gemeinde ihren Job.