Nach einer endlosen Reihe von Skandalen ist es in den vergangenen Monaten ein wenig ruhiger um Mike Postle geworden. Dennoch brodelt die Gerüchteküche weiter vor sich hin. Er soll Medienberichten zufolge eine Entschädigung von insgesamt 330 Millionen US Dollar einfordern. Nähere Details sind nicht bekannt, aber die Sterne scheinen hierfür ausgesprochen schlecht zu stehen. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass der Pokerspieler sich seinen Rechtsbeistand nicht mehr leisten kann, da sich sein Anwalt Steven T. Lowe, Advokat bei der renommierten Kanzlei Lowe & Associates im kalifornischen Beverly Hills, von Mike Postle getrennt haben soll.

Poker Aus von Mike Postle!

Poker OnlineSpekulationen zufolge konnte Mike Postle seinen Fall nur vor Gericht bringen, weil er aus dem Hintergrund finanzielle Rückendeckung erhalten hatte, doch seine „Investoren“ haben sich dem Anschein nach zurückgezogen. Nun liegt es nahe, dass seine Angelegenheit über kurz oder lang ad Akta gelegt wird. Jedenfalls postete der Anwalt Mac Verstandig, kommentarlos ein Dokument auf Twitter, in dem es heißt: „Der Klient hat die schriftliche Vereinbarung zwischen der Firma und dem Kunden nicht eingehalten, und die Kommunikation zwischen dem Kunden sowie dem Anwalt wurde eingestellt“. Dem zuständigen Richter Richard K. Sueyoshi liegt der entsprechende Antrag vor, über den er im Laufe des Januars entscheiden wird. Hintergrund ist zum einen eine abgewiesene Sammelklage, in der zahlreiche Spieler Mike Postle Betrug bei Livestreams vorwarfen, und zum anderen die daraus resultierende Klage des pokernden US-Amerikaners, in der er Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe wegen Verleumdung fordert. Jeden der 80 Spielerinnen und Spieler, die ihm Betrug vorgeworfen hatten, wollte Mike Postle an den Pranger stellen. Dabei machte er auch vor den größten und prominentesten Spielern nicht Halt. Die Liste seiner vermeintlichen Verleumder ist lang und enthält auch Namen wie u.a. Daniel Negreanu, Doug Polk, Phil Galfond, Joey Ingram, Jonathan Litte und Veronica Brill sowie die Branchen-Website PokerNews und den US-amerikanischen TV-Sender ESPN (Entertainment and Sports Programming Network), der 24 Stunden am Tag ausschließlich Programme rund um das Thema Sport ausstrahlt. Erstmals an die Öffentlichkeit gerieten diese Vorwürfe durch Veronica Brill. In einem Twitter-Aufruf bat sie die Poker Community darum zu helfen, um die Kosten für den anstehenden Rechtsstreit zu decken. Daraufhin hagelte es mehr als 25.000,- US Dollar an Spenden, und Bill Perkins erklärte darüber hinaus, dass ihm „... das nötige Kleingeld zur Verfügung“ stehe, und er zusätzliche Kosten übernehmen könne.

Von Möchtegern-Kommentatoren und einer Skandal-Dokumentation

Parallel kündigte Mike Postle an, gemeinsam mit dem ebenfalls beschuldigten Turnier-Direktor der Stones Gambling Hall, Justin Kuraitis, eine Skandal-Doku über seine Karriere, den vermeintlichen Betrugsvorwurf sowie die „Unfairness der Poker Community“ zu produzieren. Ausführende Produzenten sollen angeblich Dave Broome und 25/7 Productions sein. In einem Statement gegenüber The Sacramento Bee sagte Postle: „So viel ich auch sagen möchte, alles, was ich jetzt wirklich sagen kann, ist, dass ich meine Seite dieses ganzen Fiaskos noch zu erzählen habe,“ und er fügte noch hinzu: „Es wird nicht nur die Poker- und Glücksspielindustrie schockieren, sondern die ganze Welt.“ Inwieweit die Glücksspielindustrie mit ihren vielen seriösen Online Casinos tatsächlich davon schockiert sein wird, bleibt zunächst einmal dahingestellt. Derartige Betrugsvorwürfe sind schon allein aufgrund der strengen Regulierungen und regelmäßigen Kontrollen eher unwahrscheinlich und auch bei einem Online Casino Bonus kann nicht die Rede von einem betrügerischen Hintergrund sein. Justin Kuraitis ging noch weiter und veröffentlichte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben worden. Darin beschwert er sich in erster Linie über die ganzen „Möchtegern-Kommentatoren“ wie Doug Polk, Daniel Negreanu und Joey Ingram, die Schuld daran sind, dass er auf Twitter von zahlreichen Menschen persönlich angegriffen wurde. Vier Din A4-Seiten lang ist dieser offene Brief, in dem Kuraitis darlegt, wie ungerecht er in seinen Augen behandelt wurde.

Sammelklage von rund 100 Geschädigten

Zur Erinnerung: Gegen Mike Postle war nach dem Livestream eines Turniers in der Stone Gambling Hall eine Sammelklage wegen Betrugs eingereicht worden. Er hatte – trotz Handy-Verbot – während des Turniers immer wieder auf sein Mobiltelefon geschielt, das sich auf seinem Schoß befand. Um nicht entdeckt zu werden, hatte er seine Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen. Doug Polk, ein international renommierter Poker Blogger und Experte fertigte im Anschluss eine Videoanalyse der Cash Game Sessions in der Stone Gambling Hall an und stellte dabei fest, dass „... man es möglicherweise mit dem genialsten Spieler von allen zu tun hat, sehr wahrscheinlich aber nicht“. Akribisch wurden Fakten zusammengetragen und dann kündigte plötzlich Maurice „Mac“ Verstandig an, sämtliche Spieler in einer Klage zu vertreten, die von Mike Postle geschädigt wurden. Mit angeklagt war der Turnierdirektor Justin Kuraitis, da er keinerlei Sicherheits-Vorkehrungen getroffen und Postles vermeintlich perfektem Spiel keinen Einhalt geboten hatte. Eher im Gegenteil. Im Anschluss an den Wettbewerb bezeichnete er Mike Postle sogar als „Spieler von Weltklasse“. Veronica Brill brachte damals den Stein ins Rollen, und Doug Polk schrieb auf Twitter: „Ich hätte das früher erwähnen sollen: Veronica ist diejenige, die dies weit verbreitet hat. Sie vermutete, dass Postle betrogen hatte und bat die Stone Gambling Hall, Nachforschungen anzustellen. Als sie zurückgewiesen wurde, begann sie, Poker-Blogger wie Joey zu kontaktieren. Und hier sind wir.”